13.09.2019 07:00 |

Neues Album „Zeus“

Rapper Dame: „Kritik macht mich nur stärker“

Drei Nummer-eins-Alben in Serie, mehr als 700.000 YouTube-Abonnenten und und fünf Millionen Spotify-Streams. Der Salzburger Rapper Dame gehört zu den größten Stars der heimischen Musikszene. Mit seinem neuen Album „Zeus“ zeigt sich der Vollblutmusiker so offen und ehrlich wie nie zuvor - und beweist auch im Interview, dass man im Hip-Hop auch mit Gefühlen zum Erfolg kommen kann.

Es ist noch nicht sehr lange her, da musste man erfolgreiche österreichische Musiker mit der Lupe suchen. Mittlerweile sind wir bereits so weit, dass sich Künstler aus unterschiedlichsten Lagern um die Spitzenplätze duellieren. So wie es diese Woche bei Wanda und Dame der Fall ist. Die einen veröffentlichen mit „Ciao“ ein überraschend andersartiges, mutiges Popalbum, der andere versucht mit „Zeus“ und einer gewaltigen Portion Authentizität im Rap ein viertes Mal in Serie auf die Eins der Charts zu kommen. „Natürlich wäre das toll“, erzählt Michael Zöttl, so sein bürgerlicher Name, der „Krone“ im Interview, „aber in erster Linie mache ich meine Musik für Menschen und nicht für Charts und Preise. Vieles ist Glückssache und wenn eine Taylor Swift gleichzeitig veröffentlicht wie du, wird’s mit der Eins eben nicht klappen. Viel wichtiger ist aber ohnehin, dass die Menschen zu meinen Konzerten kommen.“

Bis zum Olymp
Das tun sie mittlerweile zuhauf. In Wien wurde kurzerhand vom Flex in den Gasometer hochverlegt, in Deutschland füllen sich die Clubs beachtlich und das „Sold Out“-Schild hängt bei der anstehenden Herbsttour schon an unzähligen Eingangstüren. Der ohnehin schon breitflächige Hype um den privat so stillen Salzburger Songwriter nimmt weiterhin immense Ausmaße an. Neben RAF Camora ist er ohnehin schon länger das kommerziell erfolgreichste Rap-Aushängeschild Österreichs. „Natürlich gab es immer wieder Leute, die an meinem Erfolg zweifelten oder etwas an mir und meinem Sound auszusetzen hatten, weshalb ich ,Zeus‘ als Albumtitel sehr passend fand. Mit der Metapher des Kampfes der Titanen bis an die Spitze des Olymp. Ich hatte jedenfalls nie Argwohn und mich hat Kritik stets stärker gemacht. Diese ,jetzt-erst-recht‘-Einstellung hat scheinbar ganz gut funktioniert.“

Dame ist mittlerweile auch auf Dauerration in den Formatradios und hat es ganz ohne Skandale und mit nur wenigen „Dicke-Hose-Texten“ geschafft, den Nerv gleich mehrerer Generationen zu treffen. Wohl gerade deshalb. „Bei meinen Konzerten stehen die Hip-Hopper neben den Metallern. Frauen neben Männern. 50-Jährige neben Teenagern.“ Das Geheimnis des allumfassenden Erfolgs scheint auf zwei Pfeilern gestützt zu sein. Einerseits durch die textliche Öffnung in emotionale und persönliche Bereiche, andererseits durch das Fehlen sämtlicher Berührungsängste. So hat Dame auch auf „Zeus“ wieder neue musikalische Ufer betreten und bei „Selbstfindungstrip“ mit Onk Lou und bei „Mühelos“ mit Tina Naderer zusammengearbeitet. „Solche Features passieren nicht wegen des Name-Droppings, die Chemie muss einfach passen. Es ist egal, ob die anderen Musiker aus dem Techno oder dem Rock kommen, solange etwas Gutes entsteht. Diese klassischen Rap-Kompositionen hängen dir nach zehn Jahren ohnehin beim Hals raus.“

Perfektes Sprachrohr
Als Rapper per se sieht sich Dame längst nicht mehr definiert, schon seit geraumer Zeit versucht er sein Image mehr in Richtung Musiker bzw. Singer/Songwriter, der eben rappt, zu drehen. „Ich war schon immer einer der wenigen Rapper, der richtig gesungen hat und dafür gab es viel Gegenwind. Ich höre privat viel mehr Rock, Pop und Soul als die meisten Leute glauben würden, aber das heißt nicht automatisch, dass der Hip-Hop nicht meine große Liebe bleibt.“ Dame hat früher Koch gelernt und früh seinen Hang zu Poesie entdeckt, schon in jungen Jahren viele Gedichte geschrieben. „Ich habe früh gemerkt, dass ich in diesem Genre am meisten Text unterbringen kann. Außerdem ist Hip-Hop nach wie vor ein wichtiges Sprachrohr und eine sehr ehrliche Musikrichtung.“

Mit dem so populären Gangsta-Rap, der gerade im deutschsprachigen Raum die Charts dominiert, hat Dame nur peripher etwas am Hut. „Ein bisschen sehe ich mich schon als Vorreiter, ich weiß aber nicht, ob das auch die anderen tun“, lacht er verschmitzt, „heute gibt es mit Cro, Alligatoah und Co. viele Rapper, die sich in ihren Texten auch öffnen. Ich finde es einfach schön, wenn Musik grenzübergreifend ist und letztendlich auch langweilig, wenn auf einem Album immer nur ein Thema besungen wird. Der Hip-Hop heute ist nicht mehr der, den ich kennenlernte und der mich in die Szene zog. Es gibt natürlich viele tolle Künstler und großartige Songs, aber es wird viel zu viel kopiert und viel zu viel klingt gleichgeformt.“ Vielseitigkeit und Abwechslungsreichtum sind Dame seit jeher wichtig. „Mit dem Song ,Pave Low‘ bin ich ja als ‚Gaming-Rapper‘ bekannt geworden und so war es mir schon sehr früh wichtig zu zeigen, dass ich nicht in der Nische bleiben will. Ich bin schon froh, dass auch andere Formen meiner Musik sehr früh schon sehr gut aufgenommen wurden.“

Hommage an den Papa
Die Stilpalette auf „Zeus“ ist bunt wie nie zuvor. „Bestmode (Mehr als bloß Hip-Hop)“ spricht etwa auf die Liebe zu seiner Musik an, auf „Nie ohne mein Lean“ widmet er sich mit viel Sarkasmus und Ironie den harten Genrekollegen, „Gib deinem Leben einen Gin“ ist eine Selbstbewusstseinsnummer und mit „Krawatte und Anzug“ huldigt er seinem geliebten Vater. „Man hört immer viele Songs über verstorbene Eltern, aber ich wollte einen machen, den mein Vater auch erlebt. Außerdem war es cool, dass er sich sehr darüber gefreut hat. Mein Papa ist Arzt und das wurde in meinen Kreisen damals nicht als so gut aufgenommen. Ich fand es schon damals wichtig, aus diesem Denken auszubrechen und stolz auf ihn zu sein. Ob man aus gutem Elternhaus oder von der Straße kommt macht per se keinen Unterschied. Es beschreibt nicht die Persönlichkeit eines Menschen.“ Mit „Zeus“ greift Dame ohnehin ein weiteres Mal auf den Genre-Thron und beweist, das harscher Doubletime-Rap und emotionale Klaviermelodie keinen Widerspruch ergeben müssen.

Dame ist im Zuge seiner großen „Zeus“-Tour im Oktober quer durch ganz Österreich unterwegs. Unter anderem im Wiener Gasometer, dem großen Linzer Posthof und dem Grazer ppc. Alle genauen Termine samt den Tickets finden Sie unter www.damestream.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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