In Oberösterreich:

Glaubenskrieg um Folgen von Tempo 140 für die Luft

Belastet Tempo 140 auf der Westautobahn-Teststrecke die Luft kaum zusätzlich? Darum tobt nun eine Art „Glaubenskrieg“ zwischen Greenpeace und Autobahnbetreiber Asfinag. UmweltlandesratAnschober (Grüne) will nun nachmessen, was wiederum Infrastrukturlandesrat Steinkellner kritisch sieht.

Zweimal 16 Kilometer lang ist die Teststrecke zwischen Knoten Haid und Sattledt, auf der seit 1. August 2018 zwischen 5 und 22 Uhr mit bis zu Tempo 140 gefahren werden darf. Schon im November 2018 hatten Verkehrsminister (damals noch Norbert Hofer, FPÖ) und Asfinag eine Zwischenbilanz gezogen, derzufolge die Luft kaum zusätzlich belastet werde.

Luftbelastung „kreativ niedriggerechnet?“
Die nun erfolgte Wiederholung dieser Darlegung (auf Basis eines Gutachtens vom Dezember 2018) sorgte für heftigen Widerspruch von Greenpeace („kreativ niedriggerechnet“) und einen Eingriff von Umweltlandesrat Rudi Anschober als (parteiischer) Schiedsrichter: Er will nun selbst messen lassen.

Zuwächse wirklich nur „ein bis zwei Prozent“?
Hauptaufreger ist offenbar die Darstellung der Asfinag, dass die Zuwächse bei Kohlendioxid und Stickstoffoxiden abgasseitig nur ein bis zwei Prozent betragen würden. Im November hieß es noch, das hätten „Testfahrten“ ergeben. Greenpeace hat aus den Zahlen des Gutachtens zwei bis dreimal höhere Zunahmen errechnet. Was wieder die Asfinag zurückweist.

Andere Zahlen vom Umweltbundesamt
Wem glaubt man da? Anhaltspunkte, wie es wirklich sein könnte, liefert das Umweltbundesamt. Das rechnet unter dem Titel „Höhere Geschwindigkeit führt zu höherer Umweltbelastung“ vor, dass (siehe Tabelle) die Stickoxid-Emissionen beim Limit 140 gegenüber 130 um 16,18 Prozent steigen und die CO2-Ausstöße um 10,33 Prozent. Das gilt für die tatsächlich gefahrenen Realgeschwindigkeiten, die sich bei Limit 140 von 118,4 auf 127,5 km/h erhöhen.

Kritik an Standorten für Messstationen
Die Standortwahl von Luftmessstationen sorgt immer wieder für einige Zweifel. Dem einen (Umweltlandesrat Rudi Anschober) sind die Messstationen zu weit weg von den 140er-Teststrecken, der andere (Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner) rügt, die Messstation in Enns/Kristein, die den Lufthunderter steuert, sei zu sehr aufs „Einfangen“ von Schadstoffen ausgelegt.

25 Meter Entfernung von der Autobahn
Im Fall von Tempo 140 rügt Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne), dass die Asfinag-Messstation in Allhaming 25 Meter von der Autobahn weg sei; es müssten 10 Meter sein. Die Asfinag kontert, der Grüne ziehe hier rechtliche Vorgaben heran, die in diesem Fall nicht zuträfen. Wichtig sei der Vergleich vor und nach Limiteinführung und diese Messungen habe man.

Anschobers Verwunderung über Luftwerte
Anschober wundert sich auch, dass die Temporeduzierung durch den Lufthunderter bei Enns die Luft sehr entlaste,die höhere Geschwindigkeit bei Sattledt aber kaum Auswirkungen haben soll. Er kündigt eigene Messungen des Landes an der 140er-Teststrecke an.

Verschwendung von Steuergeld?
Die würden aber nichts aussagen können, weil Anschober der Vergleich mit vorher (ohne Limiterhöhung) fehle; daher seien diese Messungen Verschwendung von Steuergeld. Das meint Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner (FPÖ). Außerdem sei die Station Enns/Kristein in einer Mulde situiert, was den Lufthunderter öfter auslöse als abgasebedingt tatsächlich angebracht sei.

Lufthunderter bei Enns gibt’s seit 2007
Seit dem Jahr 2007 gibt’s den Lufthunderter auf der A 1 zwischen Linz und Enns; anfangs starr mit Taferln, später flexibel auf Überkopfwegweisern. Was er an Luftentlastung bringt, wird jährlich evaluiert, wobei der nächste Bericht Anfang September vorliegen wird.

Schalthäufigkeit war in etwa gleich
Der aktuelle Evaluierungsbericht (Zeitraum Mai 2018 bis April 2019) befindet sich noch in Ausarbeitung und wird spätestens Anfang September vorliegen. Dazu vorab aus dem Büro von Umweltlandesrat Rudi Anschober: „Die Ergebnisse werden in etwa im Bereich der Zahlen der gleichen Periode 2017/18 liegen, da die Schalthäufigkeit von Tempo 100 in etwa die gleiche war.“

Nur bei schweren Lkw greift Limit nicht
Ein Blick in den älteren Bericht zeigt, dass der Lufthunderter in 60 Prozent der Betriebszeit eingeschaltet war. Auf dem circa. 13 km langen Autobahnabschnitt konnten der gesamte Ausstoß aller Fahrzeuge an Stickstoffoxiden um knapp9 Prozentund an CO2 um 3,4 Prozent verringert werden. Die Schaltung kann aber die Emissionen der Lkw werktags nicht reduzieren, da diese ja langsamer als mit 100 km/h fahren.

Werner Pöchinger, Kronen Zeitung

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