28.07.2019 20:25 |

Mega-Behördenversagen

Vorfall um Mädchenmord schockt ganz Rumänien

In Rumänien sorgt ein unfassbares Behördenversagen im Zusammenhang mit einem Mädchenmord für Entsetzen: In der Kleinstadt Caracal im Süden des Landes wurde eine 15-jährige von einem mutmaßlichen Serienmörder entführt und vergewaltigt. Obwohl die gefangen gehaltene Schülerin danach mehrmals heimlich die Polizei kontaktieren und um Hilfe bitten konnte, ging der Einsatz zu ihrer Rettung völlig daneben. Das Mädchen wurde von seinem Peiniger getötet und zerstückelt. Im ganzen Land kam es am Wochenende zu Protesten gegen die Inkompetenz der Ermittlungsbehörden.

Die 15-jährige Alexandra war am Mittwoch von dem 66-jährigen Mann, der als Gelegenheits-Taxifahrer unterwegs war, entführt und in sein Haus gebracht worden, wo er sie zunächst vergewaltigte. Am Donnerstag wählte sie mit einem Handy, das sie heimlich ihrem Peiniger entwendet hatte, dreimal den Notruf und bat die Polizei um Hilfe: Sie sei entführt, in eine Baracke auf einem heruntergekommenen Anwesen gebracht, mit Draht gefesselt und vergewaltigt worden.

Mädchen ermordet, während Polizisten vor Haus warteten
Bereits die Ortung der Anrufe verlief äußerst schleppend. Nachdem der Standort schließlich doch ausfindig gemacht werden konnte, warteten die Polizisten geschlagene drei Stunden vor dem Haus des Täters auf einen Durchsuchungsbefehl, bevor sie in der Nacht auf Freitag das Anwesen stürmten. Währenddessen waren das Mädchen getötet, seine Leiche zerstückelt und Teile davon in einem Fass mit Batteriesäure aufgelöst worden. Kriminalbeamte fanden später den Schmuck der 15-Jährigen sowie Knochenüberreste am Boden des Fasses.

Noch vor den Notrufen hatte eine Nachbarin des Verdächtigen aus dem Haus Schreie gehört und dies nach eigenen Angaben der Polizei gemeldet - die darauf nicht reagiert habe. Zum Umgang mit den Notrufen Alexandras erklärte die Polizei, dass es technisch nicht möglich gewesen sei, die Anruferin zu orten, welche die Adresse ihres Aufenthaltsorts nicht genau angeben habe können.

Geständiger Täter ist vermutlich ein Serienmörder
Der mutmaßliche Täter, ein ehemaliger Automechaniker namens Gheorghe Dinca, sitzt in Untersuchungshaft und gestand am Sonntag nach Angaben seines Rechtsanwalts, die 15-Jährige getötet zu haben - ebenso wie zuvor eine 18-Jährige. Ermittler hatten mehrere Säcke mit eingefrorenem Fleisch „nicht tierischen Ursprungs“ auf seinem Anwesen entdeckt. Ersten Erkenntnissen zufolge dürfte es sich dabei um die sterblichen Überreste der seit April verschollenen 18-Jährigen handeln.

Seinem Geständnis zufolge hatte Dinca beide Mädchen kennengelernt, als sie per Anhalter unterwegs waren. Er habe sie in seinem Auto mitgenommen und zu sich nach Hause gebracht, um Sex mit ihnen zu haben. Weil die jungen Frauen dies ablehnten, habe er sie umgebracht. Wie die rumänische Presse am Sonntag berichtete, scheinen die Ermittler inzwischen aber sogar von mindestens drei Opfern auszugehen.

Entlassungen lösen grundsätzliches Problem nicht
Noch am Freitagabend hatte Innenminister Nicolae Moga angesichts des gewaltsamen Todes der 15-jährigen Alexandra und der damit verbundenen Schlamperei der Behörden Polizeipräsident Ioan Buda sowie den Präfekten und den Polizeichef des zuständigen Landeskreises Olt entlassen. Staatspräsident Klaus Johannis stellte dazu klar, dass Rücktritte und Entlassungen zwar „zwingend, jedoch keineswegs ausreichend“ seien. Er kündigte an, den Fall vor den obersten Verteidigungsrat des Landes zu bringen.

Johannis sieht in der erschreckenden Causa ein Zeichen dafür, dass aufgrund korrupter Praktiken inkompetente Menschen bei der Polizei arbeiten dürfen. „Solange Korruption, Inkompetenz und die Beförderung aufgrund anderer Kriterien als Fachkenntnis von politischen Entscheidungsträgern gefördert werden, leidet die ganze Gesellschaft“, sagte der Präsident am Sonntag. Auch Ministerpräsidentin Viorica Dancila warf den Ermittlungsbehörden Versagen vor.

Lichtermehr in Bukarest, Proteste im ganzen Land
Ganz Rumänien steht unter Schock, im ganzen Land kam es zu Straßenprotesten. Tausende Demonstranten bildeten am Samstagabend in Bukarest ein Lichtermeer. Dort und in anderen Städten beschuldigten sie unter dem Motto „Für Alexandra - gegen einen gleichgültigen Staat“ die Polizei der Inkompetenz.

Bereits in der jüngeren Vergangenheit hatten Massendemonstrationen gegen die von den Sozialdemokraten geführte Regierung und für eine härtere Korruptionsbekämpfung statt einer von dem Kabinett angestrebten Aufweichung der entsprechenden Regelungen Rumänien erschüttert.

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