09.07.2019 08:04

Immer mehr Parasiten

Alpenvereine bekämpfen Bettwanzen in Berghütten

Sie schlagen nachts zu und laben sich am Blut ihrer schlafenden Opfer - Bettwanzen werden in den letzten Jahren immer mehr zum Ekel-Problem in Schutzhütten in den Alpen. Die Alpenvereine Österreichs, Deutschlands und Südtirols wollen gegen die widerlichen Parasiten vorgehen - und bitten Wanderer, Bergsteiger und Hüttenwirte um Hilfe im Kampf gegen die Insekten.

Sie galten einst als ausgestorben, doch nun ist die Bettwanze wieder im Vormarsch. Als Ursache gilt der Tourismus: Denn der Parasit wird meist in Hotels und Hostels, aber auch in Verkehrsmitteln wie der Bahn gefunden. „Das Problem ist also kein hüttenspezifisches, es ist in den Bergen nur sehr viel schwieriger zu bekämpfen“, so Peter Kapelari vom Österreichischen Alpenverein über die unappetitliche Angelegenheit.

Wanzen werden von Wanderern in nächste Hütte mitgeschleppt
„Ein Befall hat auch nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Die Tiere werden eingeschleppt.“ Besonders seit Weitwandern so hoch im Kurs stehe, reisen im Rucksack oft nicht nur die Ausrüstungsgegenstände der Bergsteiger, sondern auch Wanzen von Hütte zu Hütte mit.

Ein einziges mitgeschlepptes befruchtetes Weibchen kann dann schon ausreichen, um anderswo einen Befall auszulösen. „Das Problem aus Angst vor Gästeschwund oder Imageverlust totzuschweigen, ist dabei die völlig falsche Strategie“, betonte Kapelari. Vielmehr sei eine rasche Reaktion wichtig. „Wenn ich eine Saison lang nichts tue, vermehren sich die Tiere. Zuerst von Raum von Raum, dann bis nur mehr sehr aufwendig gehandelt werden kann.“

Schutzhütte um 100.000 Euro von Bettwanzen befreit
Die Klagenfurter Hütte in den Karawanken musste etwa 2017 als Ganzes in ein Zelt gepackt werden und mehrere Tage ausgegast und erhitzt werden, nachdem andere Maßnahmen nichts gebracht hatten. Bettwanzen überleben Temperaturen von über 55 Grad über einen längeren Zeitraum nicht. Kostenpunkt damals: mehr als 100.000 Euro, Umsatzeinbußen noch nicht mitgerechnet.

Rucksack sollte lieber aus Schlafraum verbannt werden
Dank einer neuen Broschüre sollen Wanderer und Hüttenwirte Sensibilität für das Thema entwickeln. „Wenn ich jemanden mit typischen Wanzenstichen im Gesicht sehe, sollte es heißen, dein Rucksack geht besser nicht mit ins Lager“, so Kapelari. Dort wo die Tiere Blut saugen, bilden sich meist juckende gerötete Pusteln, manchmal auch Blasen und Quaddeln. Freilich: Für Stiche - vor allem im Sommer - können auch andere Insekten infrage kommen. Krankheiten übertragen Bettwanzen übrigens nicht.

Der Flyer empfiehlt Wanderern etwa, ihre Rucksäcke nicht nur regelmäßig auf Wanzen zu kontrollieren, sondern sie auf Hütten in fest verschließbaren Säcken aufzubewahren, damit keine Tiere rein- oder rausgelangen können. Oder eigene Räume für Rucksäcke zu nutzen, wenn es sie gibt. „Am Jakobsweg sind solche Schleusen schon gang und gebe, damit keiner seinen Rucksack mit aufs Zimmer nimmt“, sagte Kapelari. Und es kann helfen, sein Gepäck an Kleiderhaken oder auf Stühlen weit weg vom Schlafplatz zu deponieren.

„Manchmal geben Wirtsleute auch eigene Hüttenschlafsäcke aus, die täglich mit 60 Grad gewaschen werden.“ Das sei aber auf vielen Hütten angesichts der Wasserversorgung, des hohen Energiebedarfs und der verwendeten Waschmittel oft nicht ökologisch. Auch der Einsatz von Insektiziden wird darum von den Alpenvereinen skeptisch gesehen.

Wanzenspürhunde helfen im Kampf gegen Parasiten
Hüttenwirte sollten auch sofort informiert werden, wenn Bettwanzen, ihre Kotspuren - kleine schwarze Punkte in den Verstecken der Tiere - oder Häutungshüllen entdeckt werden. Weil die Wanzen nachtaktiv sind und sich bei Tag in Holzritzen, Hohlräumen, hinter Wandverkleidungen, Zierleisten oder Steckdosenverkleidungen verstecken, bekommt man sie allerdings selten zu Gesicht. „Wichtig ist, nicht in Panik zu verfallen“, betonte Kapelari. Bisher habe man das Problem lediglich bei 1,2 Prozent der ÖAV-Hütten mit Gegenmaßnahmen behandeln müssen. Außerdem habe man regelmäßig Wanzenspürhunde im Einsatz. „Das ist im Zweifel die verlässlichste Methode, einen Befall festzustellen.“

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