09.06.2019 11:19 |

Hoffnung schwindet

Spurlos verschwunden: Das Drama um Seraphin

Er ist einer der traurigsten Väter Österreichs: Alexander K. (33). Seit vergangenem Februar fehlt von seinem geliebten Sohn jede Spur, die Mutter hat ihn entführt. „Mit jedem Tag, der vergeht“, sagt der Mann, „wird meine Hoffnung kleiner, dass mein Bub gefunden wird ...“

Alexander K. sitzt im Garten seines Hauses in Wien. Der 33-Jährige wirkt angespannt; um seinen Mund sind kleine Furchen. Sie zeugen davon, dass er schon einiges Leid erlebt haben muss. „Die vergangenen Jahre waren grauenhaft“, sagt der Mann, „weil ich mit ansehen musste, wie mir mein geliebtes Kind immer mehr entglitt.“ In eine fremde Welt, abseits der Normalität; in eine Welt, in der völlig andere Gesetze herrschen, „in der nur die Meinungen meiner Ex-Frau Desiree zählen“.

„Meine ,Ex verbat ihm sogar den Schulbesuch“
Der gemeinsame Bub – Seraphin, er ist heute acht – solle nicht in einer Konsumgesellschaft aufwachsen, keinen Unterricht besuchen, ein Dasein frei von „staatlichen Zwängen“ führen. „Hunderte Male hörte ich Desirees absurde Vorträge; Hunderte Male versuchte ich sie davon zu überzeugen, dass unser Sohn ein strukturiertes Umfeld braucht.“ Vergeblich. „Deshalb wandte ich mich wiederholt an die Behörden.“ Endlich, „nach einem ewigen Kampf“, am 5. Februar 2019 eine Gerichtsverhandlung, bei der dem Kellner das alleinige Sorgerecht für Seraphin zugesprochen wurde. „Danach sah ich ihn nie wieder.“

Denn seine Mutter hat ihn entführt. Wie Recherchen der Kripo mittlerweile ergaben, flüchtete sie mit ihm kurz nach der Urteilsverkündung in die Schweiz. Die weitere Route: unbekannt. In ganz Europa wird nun nach den beiden gefahndet, die Frau ist zur Verhaftung ausgeschrieben: „Mit jedem Tag, der vergeht, wird meine Hoffnung kleiner, dass Seraphin gefunden wird.“

„Es entwickelte sich schleichend“
Herr K., was war der Anfang des Dramas? „Es entwickelte sich schleichend.“ Und ja, natürlich, irgendwann, „viel früher“, sei „alles wunderbar gewesen“. Er und seine „Ex“ stammen aus Oberschützen, sie kannten einander von Jugend an: „Ich war 20, sie 18, als wir uns ineinander verliebten. Desiree studierte damals Soziologie, ich arbeitete bereits in der Gastronomie, wir gingen zusammen nach Wien.“

Bald die Heirat, am 12. März 2011 kam Seraphin zur Welt: „Wir dachten, dass es für ihn besser wäre, in der Natur aufzuwachsen, darum kauften wir im Burgenland ein altes Haus.“ Auch nach dem Umzug blieb die Beziehung des Paares, vorerst, harmonisch: „Obwohl sich meine Frau nach und nach radikalisierte.“ Inwiefern? „Sie lehnte plötzlich den Kontakt zu anderen Menschen ab und verstieg sich zunehmend in esoterischen Gedanken.“

„Wochenlang nicht erreichbar“
2013 ein Hangrutsch, „es fehlte uns an Geld für notwendige Umbaumaßnahmen, deshalb beschloss ich, das Grundstück zu veräußern. Ein Schritt, den mir Desiree nicht verzieh. Ich hätte unsere Idylle zerstört, warf sie mir dann ständig vor.“ 2014 die Scheidung, die einstigen Eheleute sollten sich in der Folge die Obsorge ihres Kindes teilen. Aber gleich gab es damit Probleme: „Meine ,Ex‘ war oft wochenlang nicht erreichbar, nur selten durfte mein Bub bei mir sein.“

Schließlich erfuhr der Vater, dass der Kleine und seine Mutter in einem Wohnwagen hausten: „Seraphin war ungewaschen, wenn ich ihn doch manchmal sah, und er verhielt sich laufend seltsamer – denn er übernahm immer mehr die wirren Ideen seiner Mama.“ Zudem fand der Vater heraus, „dass mein Sohn nur selten in die Schule ging, Desiree meinte nämlich, er würde dort bloß zu einem Rekruten des Staats ausgebildet.“

„Die Grenzen des Erträglichen“
Die Sorge um sein Kind, „so lange schon“, hat den Mann „an die Grenzen des Erträglichen“ gebracht: „Ohne die Hilfe eines Psychotherapeuten würde ich es nicht schaffen, mit meiner Situation fertigzuwerden.“

Wo vermutet er die Ex-Frau und seinen Sohn? „Bei einer Kommune, irgendwo in Spanien oder Portugal.“ Unzählige Male habe er bereits überlegt, in diese Länder zu reisen und die beiden zu suchen: „Aber in welcher Gegend? Mir fehlt doch jeder Anhaltspunkt.“

Alexander K. geht vom Garten in sein Haus, in das Zimmer seines Buben. Das Bett ist frisch überzogen, überall – in Kästen, auf dem Boden, in Regalen – Spielzeug von dem Kleinen: „Ich weiß, Seraphin würde hier sehr glücklich sein“, sagt der Vater, und Tränen laufen aus seinen Augen.

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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