21.03.2019 10:25 |

Kritik an Aktivistin

„Klima-Greta“ muss Lob für Atomkraft korrigieren

Die Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg ist nicht mehr aus den internationalen Schlagzeilen wegzudenken. Die 16-jährige Schwedin ist für den Friedensnobelpreis nominiert und zum Gesicht einer ganzen Generation geworden, die sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft unseres Planeten macht. Doch dieser Tage kassiert Thunberg mit einem Facebook-Posting nicht nur Spott und Häme von ihrer ohnehin nicht kleinen Schar an Kritikern, sondern sorgt für Irritationen bei ihren eigenen Fans: weil sie sich - wenn auch mit Einschränkungen - für die Atomenergie als „kleinen Teil“ der Lösung der Klimakrise ausspricht. Ein rotes Tuch für viele Umweltschützer, am Ende musste gar Gretas Vater einschreiten.

„Die Leute fragen mich immer wieder: ,Was ist die Lösung der Klimakrise?‘ und ,Wie lösen wir dieses Problem?‘. Sie erwarten von mir, die Antwort zu kennen. Das ist absolut absurd“, schrieb Greta, die weltweit Millionen Fans hat, vor Kurzem in einem Posting auf Facebook. Zusatz: Niemand wisse genau, was zu tun sei.

Atomkraft als Puzzlestück in gesamtheitlichem Weg aus der Krise?
Es gebe viele Dinge, die wichtig und notwendig seien, listet die Umweltaktivistin, die in Deutschland auch für den renommierten TV-Preis Goldene Kamara nominiert ist, die ihrer Ansicht nach wichtigsten Lösungswege auf: erneuerbare Energieformen wie Solar- und Windkraft, Recycling, nachhaltige Landwirtschaft, vegane Ernährung ... Aber es gehe ums Ganze und nicht nur um Teilaspekte, und auf der Suche nach einem gesamtheitlichen Weg nach vorne dürfe die Menschheit - und genau damit sorgt Greta Thunberg für erhitzte Gemüter - auch die Atomkraft nicht einfach so außer Acht lassen.

Eine Debatte über Kernkraft sei Zeitverschwendung, so Greta weiter: „Wir müssen eine große Anzahl von Gedanken zur gleichen Zeit im Kopf behalten und brauchen Veränderungen in beispielloser Geschwindigkeit. Atomenergie kann laut Weltklimarat IPCC ein kleiner Teil einer sehr großen kohlenstofffreien Energielösung sein, insbesondere in Gegenden, die nicht vollständig durch erneuerbare Energien versorgt werden können.“

„Atomlobbyistin“, „Wer hat dich gekauft?“
Angesichts der Reichweite, über die die Jugendliche mittlerweile weltweit verfügt, um ihre Botschaften zu verbreiten, überraschen die aufgeregten Reaktionen auf diese Aussagen nicht - auch wenn Greta selbst noch anfügte, sie halte Atomenergie für „extrem gefährlich“ und „viel zu teuer“. Auf Facebook und Twitter wurde bald nach der Veröffentlichung des Postings lautstark gefragt, wer sie denn „gekauft“ habe. Damit nicht genug, wurde die 16-Jährige gar als „Atomlobbyistin“ bezeichnet.

Doch auch seriöse Kritik ist zu lesen: Auf Facebook beschrieben etwa ältere Menschen ihren lebenslangen Kampf gegen die Atomenergie und zeigten sich sichtlich verwundert darüber, dass ausgerechnet die junge Umweltaktivistin Kernkraft als Lösung für das Klima-Problem ins Spiel brachte.

Posting korrigiert: „Persönlich bin ich gegen Atomkraft“
Doch wie so oft bei tief fliegenden Shitstorms im Internet wurde die durchaus fragwürdige Atom-Argumentation der Aktivistin von vielen Kritikern verkürzt und teils sogar verfälscht dargestellt. Greta selbst reagierte wenig später und überarbeitete ihr ursprüngliches Posting. Seit Mittwoch steht auf Facebook unmissverständlich zu lesen: „Persönlich bin ich gegen Atomkraft.“

„Ich habe eine winzige Änderung im Text vorgenommen“, kommentierte Greta die Kritik und kritisierte zugleich die selektive Wahrnehmung der Öffentlichkeit: „Einige Leute - sogar Zeitungen - betreiben andauernd Rosinenpickerei, wenn ich etwas schreibe, und lassen Teile der geschriebenen Sätze aus.“

Vater rief bei Zeitung an: „War nicht so gemeint“
Gretas Vater Svante Thunberg sah sich angesichts der Flut an Kritik dazu veranlasst, direkt bei Medienhäusern vorstellig zu werden. So rief er etwa den Schweizer „Blick“ an, um mitzuteilen, dass es nicht so gemeint war, „wie es aussah“. Auch der 49-Jährige wies auf die nachträglich eingefügte Passage „Ich persönlich bin gegen Atomenergie, aber ...“ hin, die die Dinge ins rechte Licht rücken solle.

Der Rest von Gretas Text in dem sozialen Netzwerk blieb unverändert. Er endet mit einem Plädoyer gegen Politiker, die sich im täglichen Kleinkrieg verheddern würden. Greta abschließend: „Wir brauchen eine völlig neue Denkweise …“

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