27.02.2019 12:56 |

Versorgung gesichert?

Was nach der Karriere als Polit-Mitarbeiter folgt

Wer in die Politik geht, ist sich wohl bewusst darüber, dass es mit seiner Karriere schnell wieder vorbei sein kann. Genau dasselbe gilt übrigens für die Mitarbeiter der Mächtigsten im Land - denn mit jedem Ministerabgang sind auch dessen Mitarbeiter angezählt. Wohin es all diese Bediensteten auf ihrem weiteren Karriereweg verschlägt, hat sich die Rechercheplattform Addendum mal genau angeschaut.

Dabei wurden 338 Personen unter die Lupe genommen, die unter Bundeskanzler Werner Faymann und dessen Nachfolger Christian Kern in Ministerkabinetten und den Büros von Staatssekretären tätig waren.

Nur 18 Prozent in staatsnahen Betrieben
Dabei fällt auf, dass die Vermittlung an staatsnahe Betriebe gar nicht so einen großen Anteil ausmacht, wie gedacht. Lediglich 18 Prozent vormaliger SPÖ-Kabinettsmitarbeiter wechselten in Betriebe wie die ÖBB. Bei der Volkspartei waren es gar nur acht Prozent. Das weitaus größte Auffangbecken bietet die Verwaltung - 41 Prozent der schwarzen und 35 Prozent der roten Vertrauensleute wechselten dorthin.

Besonders praktisch ist dabei, dass mehr als die Hälfte der Leute dafür nicht einmal umziehen musste. Sie erhielten nämlich einen Posten in eben jenem Ministerium, in dessen Kabinett sie gearbeitet hatten.

Qualifikation spielt untergeordnete Rolle
Die Qualifikation spielt übrigens eine untergeordnete Rolle, da Kabinettsmitarbeiter ohne objektive Auswahlkriterien ins Kabinett kommen und lediglich auf Wunsch des Ministers bestellt werden können. Positiv ist das dann für die „Weiterversorgung“ der Mitarbeiter, denn so können sie problemlos von einem Ressort ins nächste verschoben werden.

Denn die klassische Farbenlehre wird bei der neuen Karriere doch gerne beibehalten. Wer aus dem Kabinett eines SPÖ-Politikers kam, erhielt also praktisch ausschließlich Jobs in roten Ministerien oder deren Dienststellen - für das ÖVP-Personal galt dasselbe.

Klar ist laut Addendum damit auch, dass die massenhafte Beförderung parteinaher Mitarbeiter in die Verwaltung einen Bruch des Ausschreibungsgesetzes darstellt. Mitunter werden die Annoncen sogar auf die Bewerber angepasst.

Wechsel in Privatwirtschaft und Interessensvertretungen
Während sich die meisten Kabinettsmitarbeiter also in der Verwaltung neu orientieren können, treibt es manche dennoch in die Privatwirtschaft. Diesen Weg haben 20 Prozent aus der Volkspartei und 12 Prozent der Sozialdemokraten eingeschlagen. Von den Pressesprechern waren es sogar 12 von 39.

In Interessenvertretungen - also die Wirtschaftskammer oder den Gewerkschaftsbund - wechselten 10 Prozent der ÖVP-Kabinettsmitarbeiter und 8 Prozent der SPÖ-Kabinettsmitarbeiter.

46 Mitarbeiter aus der alten Regierung noch am Werk
Doch manch einer aus der letzten Regierung ist immer noch in Amt und Würden: Genau genommen 46 Kabinettsmitarbeiter - darunter zwei Offiziere, eine Sekretärin und 43 Vertreter der Kanzlerpartei.

Besonders gerne wurde das Personal aus dem Justizministerium übernommen: Josef Moser behielt neun Mitarbeiter von Wolfgang Brandstetter. Auch vom jetzigen Bundeskanzler konnten sich relativ viele Personen halten - zehn arbeiten immer noch in einem Kabinett, davon sieben von ihnen im Bundeskanzleramt.

Auffällig dagegen ist, dass nur in zwei der ehemaligen SPÖ-Ministerien - dem Verkehrs- und dem Verteidigungsministerium - Kabinettsmitarbeiter in die neuen Kabinette übernommen wurden. Das heißt: keine Kabinettsmitarbeiter aus den anderen SPÖ-Ministerien haben den Sprung in neue Kabinette geschafft.

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