Peter Westenthaler:

„In Haft hört man einfach auf zu funktionieren“

Im August letzten Jahres hat der frühere FPÖ-Politiker und Ex-BZÖ-Chef Peter Westenthaler seine Haftstrafe angetreten. Seit Ende Jänner ist der er wieder ein freier Mann. Wie es ihm im Gefängnis ging und wie er die derzeitige politische Lage sieht, erzählt der enge Vertraute des verstorbenen Politikers Jörg Haiders im krone.at-Livetalk mit Gerhard Koller.

Fünf Monate verbrachte Westenthaler in der Haftanstalt in Wien-Simmering - eine Zeit in „der Hölle“, wie er im Interview erzählt. „Sieben Quadratmeter Wohnfläche, vorne die Stahltür, hinten doppeltes Gitter: Das ist ein Einschnitt ins persönliche Leben, der mich geprägt hat“, so der Ex-Politiker. Acht Kilogramm habe er in nur wenigen Tagen verloren. „Man hört einfach auf zu funktionieren, man lebt nur mehr von einer Sekunde zur anderen.“ Im geschlossenen Vollzug habe Westenthaler ausführliches Tagebuch geführt und „nicht zurückgedacht, was war - sonst wird man verrückt“.

„Der Sinn war es, mich wirtschaftlich zu ruinieren“
Der ehemalige FPÖ-Politiker ist nach wie vor davon überzeugt, dass das „Skandal-Urteil“ ungerecht war und auf die „Befangenheit einer linken politischen Richterin“ zurückzuführen ist. „Der Sinn und Zweck war es, mich wirtschaftlich zu ruinieren und es möglich zu machen, dass ich nie wieder in die Politik zurückgehe - und das ist ihnen gelungen“, so Westenthaler. Acht Jahre seines Lebens sei er jeden Tag in der Früh aufgewacht, mit dem Ballast eines Justizverfahrens gegen ihn. „Das geht nicht spurlos an einem vorüber.“ Ob Westenthaler beim Europäischen Gerichtshof Beschwerde erheben wird, habe er noch nicht entschieden. „Was mir aber ein Anliegen wäre, ist, dass diese Richterin kein politisches Verfahren mehr leiten kann.“

„Grasser hat nichts gemacht“
Ein „entsetzliches und nicht gerechtes Urteil“ werde es auch im Verfahren bei Walter Maischberger und Karl-Heinz Grasser geben, befürchtet Westenthaler. Auch da liege nämlich nichts auf dem Tisch. „Der (Anm. d. Red. Grasser) hat nichts gemacht. Es gibt nur einen Indizienprozess.“

„Hartes Durchgreifen der Bundesregierung ist an der Zeit“
Zufrieden ist Westenthaler hingegen mit der aktuellen Bundesregierung, die einen „tadellosen Job“ mache. Angesichts der dramatischen Entwicklung in der Kriminalität (Frauenmorde, Vergewaltigungen), sei ein „hartes Durchgreifen“ an der Zeit. Westenthaler zweifelt laut eigener Aussage nicht daran, dass die Regierung diese Kriminalität in den nächsten Jahren auch senken könne.

Beruflich ist Westenthaler weiterhin mit der der Arbeit als Verlagsleiter und Kolumnist des Magazins „alles roger?“ beschäftigt. Ob das die berufliche Endstation sei, wisse er allerdings noch nicht.

„Bin gelassener geworden“
Die Zeit im Gefängnis habe ihn jedenfalls verändert: „Ich glaube, dass ich gelassener geworden bin. Wenn man so etwas erlebt hat, wie ich, werden manche Dinge klein, die früher Groß waren.“

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