17.02.2019 19:41 |

Lévy mag Kanzler nicht

„Für Sanktionen gegen das Österreich von Kurz“

Der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy hat über Österreichs Kanzler „nicht viel Gutes“ zu sagen. Hatte der populäre Intellektuelle Sebastian Kurz bereits vor einigen Wochen als das „Gegenteil von Macron“ bezeichnet, wettert Lévy jetzt in einem Interview im Vorfeld seiner Bühnenshow in Wien weiter gegen den „feschen“ Kanzler - und fordert „Sanktionen gegen das Österreich von Kurz“. Für das Habsburgerreich fand er hingegen lobende Worte …

Bernard-Henri Lévy gilt vielen als der derzeit wichtigste und populärste französische Intellektuelle. Der streitbare Denker prägt über die Grenzen Frankreichs hinweg immer wieder wichtige öffentliche Diskurse in Europa: von der Kopftuch- bis zur #MeToo-Debatte.

Er kritisierte in der Vergangenheit auch die „Schwäche“ im Kampf gegen den islamistischen Terror. Ein Blatt vor den Mund nimmt sich der umstrittene Philosoph sicherlich nicht, wie auch seine Tweets deutlich machen. So twitterte er 2016 als Reaktion auf den Aufruf von Studenten einer Pariser Elite-Hochschule, einen Tag lang ein muslimisches Kopftuch zu tragen: „Wann ein Tag der Scharia? Der Steinigung? Der Sklaverei?“

Lévy wurde in der Vergangenheit auch mehrmals mit Torten beworfen, etwa 2017 bei der Präsentation eines Dokumentarfilms in Belgrad. Der Franzose hatte die Belagerung von Sarajevo (1992-1995) durch die bosnischen Serben sowie das Regime des damaligen serbischen Staatschefs Slobodan Milosevic stets scharf kritisiert.

„Ich kann keine hohe Meinung vom Kanzler haben“
Jetzt hat der Philosoph, der im März mit seiner Bühnenshow „Looking for Europe“ in Wien haltmacht, Österreichs Kanzler Kurz ins Visier genommen. Gegenüber dem „Kurier“ sagte Lévy am Sonntag, er könne „keine hohe Meinung von einem Kanzler haben, der in seiner Regierung Vertreter einer Partei, der FPÖ, hat, die von Nazi-Regime-Nostalgikern gegründet wurde“.

Lévy spricht in diesem Zusammenhang von einer „Erbsünde“, die auch in der Kurz-ÖVP bleibe: „der Nationalismus, dieser populistische Rückzug, der in Europa immer zum Schlechtesten geführt“ habe. „Euer Kurz hat etwas von Donald Trump an sich, das ich nicht mag und das vor allem nicht auf der Höhe der großen Vergangenheit Österreichs ist“, kritisiert der Franzose den Kanzler.

„Europa ist kein Gasthaus“
Zwar sei Kurz, so Lévy weiter, „fesch“, aber den UN-Migrationspakt abzulehnen, sei „weder das Richtige, um die Probleme zu lösen, noch um die Idee und die Werte Europas zu würdigen“. Der streitbare Philosoph geht dann sogar so weit, „Sanktionen gegen das Österreich von Kurz“ zu fordern. Seine Argumentation: Gegen „das Österreich von Jörg Haider“ seien damals für Geringeres Sanktionen angestrebt worden. „Diese Entschiedenheit müssten wir heute wieder haben. Europa ist kein Gasthaus, in dem man nur das bestellt, was einem passt.“

Die Ursache für die Probleme des Europas der Gegenwart sieht Lévy indessen in der Trägheit und Mutlosigkeit der Europäer. Ein Befund, den der Franzose übrigens durchaus mit Kurz teilt. Dieser hatte am Wochenende in einem Interview auch seine Sorge um ein Zurückbleiben Europas im Vergleich zu anderen Teilen der Welt bekräftigt. „Bei vielen Europäern hat ein Sättigungsgefühl eingesetzt. Das halte ich für gefährlich“, so Kurz gegenüber der „Presse am Sonntag“.

Lévy lobt das „gute“ Habsburgerreich
Lévys Lösungsvorschlag, abseits der Forderung nach Sanktionen gegen Österreich? „Die Idee wiederfinden, dass Europa nicht nur ein Kontinent ist, sondern eine Sicht auf den Menschen und die Geschichte. Oder auch: wieder anknüpfen an das Beste des habsburgischen Geistes. Es gab schlechte Reiche, aber auch gute. Und das habsburgische war unbestrittenerweise ein gutes Reich.“

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