Do, 21. Februar 2019
01.02.2019 17:31

Neuer Fleischskandal

Kranke Kühe geschlachtet, als „gesund“ verkauft

Ein neuer Fleischskandal erschüttert Europa. In einem inzwischen gesperrten Schlachthof in Polen wurden Tausende kranke und verletzte Rinder geschlachtet und als gesund verwertet. Neben Knochenbrüchen litten die Tiere aber auch an Tumoren oder Abszessen, die einfach aus dem Fleisch geschnitten wurden. Etwa 9,5 Tonnen des als „gesund“ deklarierten Fleisches gelangten aus dem Schlachthof in Umlauf, zwei Drittel davon in Länder der EU. Die EU-Kommission hat bereits Ermittlungen eingeleitet.

Aufgedeckt wurde der Skandal durch die Undercover-Recherche eines polnischen TV-Teams. Ein Reporter hatte sich bei der Firma als Arbeiter eingeschleust. Videoaufnahmen zeigen, wie kranke, verletzte und bereits verendete (!!) Kühe in dem Schlachthaus in der Woiwodschaft Masowien heimlich bei Nacht angeliefert und verwertet werden. Die Tiere werden mit Seilwinden von Lkws gezerrt und noch lebend aufgehängt. Quälende Minuten vergehen, bis ein Schlachter ihr Leiden endlich beendet. 

Hier können Sie den Bericht von TVN24 nachsehen. Achtung, der Beitrag enthält verstörende Aufnahmen!

Diseased meat for human consumption. Watch the full report by "Superwizjer" TVN

Poland produces about 560,000 tonnes of beef a year, with 85 percent exported to countries including Britain, Spain, Italy and Germany. Consumer concerns about food safety have increased after an undercover reporter from "Superwizjer" TVN got a job in a slaughterhouse in an undisclosed area in Poland's Masovian region where he was ordered to kill cows and butcher their meat.

„Illegales Prozedere ohne Veterinäraufsicht“
Zu keinem Zeitpunkt ist ein Tierarzt anwesend. Der Leiter des polnischen Hauptveterinäramts, Pawel Niemczuk, bestätigte die rechtswidrigen Praktiken: „Das war ein illegales Prozedere in der Nacht, als es keine Veterinäraufsicht gab.“ Die Behörden nahmen das Fleisch und die Produkte vom Markt, schlossen eine Gefahr für die Gesundheit von Menschen jedoch aus. Das Fleisch und daraus erzeugte Produkte könnten verzehrt werden, teilten das polnische Veterinär- und Sanitäramt nach Untersuchungen mit. Polens Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski sprach von einem Einzelfall. Dieser Betrug schade dem Ruf polnischer Lebensmittel enorm, kritisierte er. Warschau kündigte als Reaktion verschärfte Kontrollen von Schlachtbetrieben an.

13 Länder in und außerhalb der EU betroffen
Mindestens 13 Länder sind betroffen, Österreich wurde nicht genannt. Laut EU-Kommission sind nach bisherigem Stand außer Polen auch Deutschland, Frankreich, Spanien, Estland, Finnland, Ungarn, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei, Schweden und Portugal betroffen. Das endgültige Ausmaß des Skandals ist noch nicht vollends klar, hieß es. Kontrolleure aus Brüssel reisen am Montag nach Polen, um die Situation zu analysieren, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag mit. 

Betroffene Staaten setzen erste Maßnahmen
Nach Frankreich sind laut Landwirtschaftsminister Didier Guillaume rund 800 Kilogramm verdorbenes Fleisch gelangt, 150 Kilo davon wurden sichergestellt. Ob verdorbenes Fleisch auch in den Handel kam, sei bisher nicht klar. Tschechien kündigte intensive Kontrollen von importiertem Rindfleisch aus Polen an. In der Slowakei sind mindestens 300 Kilogramm Rindfleisch offenbar in den Handel und sogar in Schulküchen gelangt, hieß es aus dem Agrarministerium in Bratislava. Regierungschef Peter Pellegrini richtete eine Videobotschaft an alle Schulleiter der Slowakei, in ihren Schulküchen kein Importfleisch mehr zu erlauben.

Zuletzt hatte 2013 ein Fleischskandal die EU erschüttert - ein Großhändler hatte 50.000 Tonnen nicht deklariertes Fleisch aus den Niederlanden in mehrere europäische Länder verkauft. Wie sich später herausstellte, war darunter nicht kontrolliertes Pferdefleisch, welches auch in die Lebensmittelproduktion gelangt war. In Österreich wurden damals etwa in Rindfleisch-Tortelloni Pferdefleisch gefunden. 

Kaum Fleischimporte nach Österreich
Österreich hat, was Fleisch angeht, einen hohen Selbstversorgungsgrad, was bedeutet, dass mehr produziert als konsumiert wird. Laut dem Statistik-Portal Statistika deckt Österreichs Fleischprduktion den Eigenbedarf aktuell zu 109 Prozent. Deswegen wird kaum Fleisch importiert, sehr wohl allerdings Produkte, die aus Fleisch gefertigt wurden, wie z.B. Fertiggerichte.

Michaela Braune
Michaela Braune

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Champions League
2:0! Atletico Madrid schockt Ronaldos Juventus
Fußball International
Champions League
3:2! ManCity wankt bei Schalke, fällt aber nicht!
Fußball International
Europa League
FC Sevilla zieht gegen Lazio ins Achtelfinale ein!
Fußball International
EU-Parlament stimmt ab
Lkw-Abbiegeassistenten kommen schon ab 2021!
Österreich
Didi Kühbauer im VIDEO
Rapid bei Inter: „Das Unmögliche möglich machen“
Fußball International
Nordische Ski-WM
Exotische Note in der Langlauf-Qualifikation
Nordische Ski-WM
Nordische Ski-WM
FIS-Chef Kasper glaubt an sehr gute Seefeld-WM
Nordische Ski-WM
Radsport-Höhepunkt
Tour de France 2021 startet in Kopenhagen
Sport-Mix
Golfer-„Kommandant“
Steve Stricker Kapitän des US-Ryder-Cup-Teams
Sport-Mix
Liquiditätsprobleme
Betreiber von 56 Asylquartieren in NÖ pleite
Niederösterreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.