30.01.2019 07:00 |

Auftritt auf dem Dach

Vor 50 Jahren: Das letzte Konzert der Beatles

Auf den Tag genau vor einem halben Jahrhundert, am 30. Jänner 1969 zur Mittagszeit, haben die Beatles ihr allerletztes Konzert gespielt: Am Dach des Sitzes ihrer Firma Apple Corps in der Londoner Savile Row 3, unweit des Piccadilly Circus. Nur vor einer Handvoll geladener Gäste sowie Mitarbeitern der Filmcrew, die den Auftritt für den Dokumentarfilm „Let It Be“, der erst 1970 - nach der Trennung der Fab Four - in die Kinos kam, auf Zelluloid bannten.

Live gesehen haben den legendären Auftritt nur wenige Menschen, doch die Musik war in den umliegenden Straßenzügen zu hören, in denen sich ein Verkehrschaos anbahnte, weshalb auch die Polizei anrückte. Im Film, bei dem Michael Lindsay-Hogg Regie führte, scheint es, als hätten die Bobbys das Konzert beendet, doch tatsächlich hatten die Polizisten nur gebeten, die Lautstärke etwas zu reduzieren.

Billy Preston unterstützte die Fab Four
Weil der 30. Jänner 1969 ein kalter, windiger Tag war, hatte sich John Lennon eine Pelzjacke seiner Frau Yoko Ono geliehen und Ringo Starr saß im knallroten Regenmantel seiner Frau Maureen hinter dem Schlagzeug. Knapp eine Dreiviertelstunde spielten sich die Beatles - unterstützt von Billy Preston, der von George Harrison ins Boot geholt worden war - durch insgesamt neun Songs, an denen sie in den Wochen zuvor für einen Film, der die Entstehung des neuen Beatles-Albums dokumentieren sollte, gearbeitet hatten. Das Projekt mit dem Arbeitstitel „Get Back“ sollte dazu dienen, John, Paul, George und Ringo wieder zu ihren musikalischen Wurzeln und zueinander finden zu lassen.

„Gehen wir doch einfach aufs Dach“
Als Höhepunkt für den Film war ein Live-Auftritt der Beatles an einem ausgefallenen Ort angedacht worden. „Das Palladium (ein Theater des Londoner West Ends, das auch als Konzerthalle diente; Anm.) wurde vorgeschlagen, oder die Sahara“, erinnerte sich Starr Jahre später. „Aber dann hätten wir unser gesamtes Equipment dort hinschaffen müssen, und so beschlossen wir: ,Gehen wir doch einfach aufs Dach.‘“ Und genau das machte man schließlich aus Zeit- und Kostengründen.

Von den Songs, die die Beatles an diesem Tag spielten, wurden fünf - „Get Back“ (von dem sie drei Durchläufe einspielten), „Don’t Let Me Down“ (siehe Video unten), „I‘ve Got A Feeling“, „One After 909“ und „Dig A Pony“ - für den Film „Let it Be“ verwendet. Ein Teil der Live-Aufnahmen landete auch auf der gleichnamigen Platte, der letzte Song, den die Liverpooler bei ihrer „Rooftop Performance“ anno 1969 anstimmten, „Get Back“, wurde knapp 27 Jahre später auf dem Album „Anthology 3“ veröffentlicht.

Alan Parsons: „Es war ein magischer Tag“
Im Keller des Beatles-Hauptquartiers in der Savile Row saßen Beatles-Produzent George Martin mit den Tontechnikern Glyn Johns und Alan Parsons - letzterer hatte erst eine Woche zuvor begonnen für Martin zu arbeiten - hinter zwei 4-Spur-Tonbandgeräten, um den Auftritt aufzunehmen. „Das war einer der besten und aufregendsten Tage meines Lebens. Die Beatles live spielen zu sehen war unglaublich. Es war ein magischer Tag“, erzählte Parsons, der Ende der 1970er- bis Mitte der 1980er-Jahre mit seinem Alan Parsons Project und Songs wie „Lucifer“, „The Gold Bug“ oder „Eye In The Sky“ selbst zu Hit-Ehren kommen sollte, später.

Es sei ein eigenartiger Gig gewesen, weil man kein richtiges Publikum gehabt habe, erinnerte sich Paul McCartney später. „Wir spielten buchstäblich vor niemandem - höchstens vor dem Himmel, und das war auch nicht schlecht.“  Im Film „Let It Be“ ist rund die Hälfte des Konzertes zu sehen, weil einige Songs mehrfach gespielt wurden und jeweils nur eine Version ausgewählt wurde, wobei der Titel „Get Back“ den Auftritt der Beatles am Dach des Apple-Gebäudes eröffnet und beendet.

Der Film „Let It Be“ wurde - wie das gleichnamige Album (Bild oben) - erst nach der Trennung der Beatles 1970 veröffentlicht. Im Jahr 1984 kam der Streifen als VHS-Video auf den Markt, wurde jedoch schon kurze Zeit später wieder aus dem Verkehr gezogen. Seither warten Fans in aller Welt sehnsüchtig auf eine Neuveröffentlichung der Dokumentation, die 1971 mit dem Oscar für die beste Filmmusik ausgezeichnet wurde, auf DVD oder Blu-ray.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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