23.01.2019 15:10 |

Katias Kolumne

Mehr Feiertage auch für Muslime und Orthodoxe?

Der Europäische Gerichtshof entschied in seinem mit Spannung erwarteten Urteil, dass ein eigener, bezahlter Feiertag nur für die Angehörigen der evangelischen Kirchen diskriminierend ist. Der Feiertag samt anfallendem Feiertagsentgelt müsste nämlich für alle Beschäftigten - unabhängig ihrer Religion - gelten oder eben nicht gelten, ansonsten wäre das eine Ungleichbehandlung aufgrund des Glaubens. Und das geht nicht. Dabei ist eine Gesellschaft ohne jegliche Diskriminierung ohnehin bloß ein frommer Wunsch.

Denn öffnet man die unselige Box der Ungleichbehandlungs-Pandora, müssten wir auch über die Feiertags-Diskriminierung anderer Religionen sprechen. So sind nämlich laut Statistik die zweitgrößte, in Österreich anerkannte Religionsgruppe nach den Katholiken mit rund 700.000 Angehörigen, jene der Muslime - ohne eigenen, im Feiertagsgesetz verankerten Feiertag, obwohl die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) sich seit Jahren dafür stark macht. Handelt es sich dabei nicht etwa auch um eine religiöse Diskriminierung? Könnte das EuGH-Urteil somit hier auch greifen?

Gleiches Recht für alle?
Will man jegliche Ungleichbehandlung gemäß der „political correctness“ auflösen, müsste man aber auch über die Feiertags-Besserstellung von Beamten sprechen. So haben Behörden, Schulen und Ämter zu St. Leopold, St. Martin oder St. Rupert in bestimmten Bundesländern laut Landesrecht geschlossen, während alle anderen arbeiten müssen. Handelt es sich dabei nicht auch um eine glatte Diskriminierung gegenüber Angestellten und Einwohnern anderer Bundesländer?

Welt ohne Ungleichbehandlung reine Utopie
Eine Welt ohne jegliche Ungleichbehandlung ist somit ohnehin reine Utopie. Die Quintessenz ist, dass es ohne Diskriminierung kaum gehen wird. Immer, wenn man es dem einen recht machen will, wird sich ein anderer benachteiligt fühlen, was dazu führen kann, dass man am besten gar nichts mehr tut, oder man benachteiligt kurzerhand alle. Die Arbeit eines Politikers wird durch die Entscheidung des EuGHs sicher nicht leichter, weil praktisch jedes Wirken das Risiko einer Diskriminierung in sich trägt.

Feiertag für Orthodoxe
So oder so birgt das EuGH-Urteil Sprengstoff, schließlich ist nun die Regierung am Zug, sich darauf zu einigen, wie mit der Entscheidung umzugehen ist. Schafft sie den Karfreitag ab, wird die evangelische Kirche wohl wenig erfreut sein. Gewährt sie am evangelischen Feiertag auch allen anderen - unabhängig ihrer Religion - einen arbeitsfreien Tag, könnte das eine Diskussion rund um die Feiertags-Diskriminierung von Muslimen, Orthodoxen oder Juden entfachen. Und das könnte dann ein weiteres Mal spannend werden.

Katia Wagner

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