14.01.2019 15:41 |

Besserung in Sicht

Schnee und Sturm: Wetterchaos zieht ins Finale

Bis zu ein Meter Neuschnee in nur 24 Stunden in den Bergen hat die Lage am Montag in Österreich teils erneut verschärft. Auch der Deutsche Wetterdienst warnte vor extremem Schneefall. Dazu kam ein teils heftiger Sturm. Am Dienstagnachmittag geht das Wetterchaos dann ins langersehnte Finale: Es soll endlich weniger schneien.

Im Bundesland Salzburg waren am Montag rund 17.000 Menschen wegen Straßensperren eingeschlossen. In Teilen des Landes stieg die Lawinengefahr auf die höchste Warnstufe 5. Mehrere Lawinen waren bereits in der Nacht abgegangen, wie etwa in Obertauern, sie dürften aber keinen Personenschaden verursacht haben. In Faistenau im Flachgau stürzten vier Arbeiter rund sechs Meter mit einer Dachlawine ab, ein 47-Jähriger kam ums Leben.

Sturm war stärker als erwartet
Schneefälle und starker Sturm verschärften die Lage. Noch unklar ist, welche Schäden der Sturm in der Nacht auf Montag angerichtet hat. Dieser fegte mit bis zu 160 km/h (bei der Rudolfshütte) über das Land. Dieses Ausmaß habe man nicht erwartet, sagte Markus Kurcz, der Einsatzleiter des Landes. Sechs Gemeinden waren von der Außenwelt abgeschnitten: Obertauern, Unken, Lofer, St. Martin und Weißbach, dazu blieb auch Rauris weiter nicht erreichbar, wo alleine etwa 3000 Einwohner und 2000 Urlauber festsaßen. Mehr als 30 Schulen blieben im Land geschlossen. Am Vormittag waren laut Salzburg AG etwa 230 Kunden ohne Strom.

Auch in Tirol spitzte sich die Schnee- und Lawinensituation weiter zu. Die bereits am Sonntag ausgegebene und vorerst ausschließlich für den Westen des Landes geltende Lawinenwarnstufe 5, also sehr große Lawinengefahr, wurde kurzfristig ausgeweitet - und zwar auf den Bereich des Karwendels von Innsbruck bis ins Unterinntal, die Venedigergruppe und die Hohen Tauern in Osttirol, die Nördlichen Zillertaler Alpen sowie die Glockturmgruppe im Oberland. Grund dafür laut Lawinenwarndienst: die teilweise größeren Schneemengen als prognostiziert, vor allem im Hochgebirge, und die stürmischen Winde. Unmittelbare Siedlungsgebiete seien aber „bis dato nicht betroffen“, hieß es.

Zahlreiche Tiroler Orte von Außenwelt abgeschnitten
Etliche Orte sind weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten, etwa die bekannten Wintersportorte Ischgl und Galtür im Paznauntal, die hinteren Bereiche des Pitz-, Kauner- und Stubaitals, Sölden im Ötztal und einige Gemeinden im Unterland. Zahlreiche Bundes- und Landesstraßen blieben ebenso gesperrt wie die Arlbergbahnstrecke und der Fernpass. Zudem waren Stromausfälle zu verzeichnen. Am Vormittag waren mehr als 1000 Haushalte in elf Gemeinden betroffen. Rund 50 Trafostationen fielen aus, gegen Mittag waren es noch 20.

In Vorarlberg wurde am Montag die höchste Lawinenwarnstufe 5 (sehr große Lawinengefahr) erreicht. Spontane Abgänge von Lockerschnee- und Schneebrettlawinen seien zu erwarten, hieß es. Aufgrund der Lawinengefahr waren zahlreiche höher gelegene Straßenverbindungen gesperrt und damit mehrere Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Betroffen waren unter anderem die Arlberg-Orte Lech, Zürs und Stuben, aber auch im hinteren Bregenzerwald und im Montafon waren Ortschaften nicht erreichbar. Manche der Sperren - etwa am Arlberg - sollten bis mindestens Dienstag aufrecht bleiben.

Video: Lech am Arlberg nach wie vor von Außenwelt abgeschnitten

„Intensivster Einsatz seit Tschernobyl“
Die Lawinensituation in der nördlichen Steiermark bleibt mit Warnstufe vier weiterhin angespannt, die Gefahr durch Lawinen ist groß. Am Wochenende hatte neuerlich Schneefall eingesetzt und die Lage wieder zugespitzt. Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ) sprach vom „intensivsten Einsatz seit Tschernobyl“. Man hoffe, dass er bis Freitag beendet sei. In der Ramsau verschütteten Schneemassen die Dachsteinstraße und der Präbichl musste wieder gesperrt werden. Insgesamt waren Montagfrüh rund 580 Menschen in der Steiermark in ihren Orten eingeschneit.

Ein Busunfall auf winterlicher Fahrbahn ging am Montagvormittag auf der Ennstal-Bundesstraße nahe Pruggern glimpflich aus. Der Lenker dürfte zu weit auf das Bankett geraten und abgerutscht sein. Der Flixbus - er war von Salzburg Richtung Graz unterwegs - stürzte rund zehn Meter eine Böschung hinunter und blieb seitlich liegen. Ein Dutzend Fahrgäste kam mit Blessuren davon, rund ein weiteres Dutzend blieb unverletzt.

In Niederösterreich wurde die Lawinengefahr auch am Montag in den Ybbstaler Alpen und in der Rax-Schneeberggruppe über der Waldgrenze als „groß“ und damit mit Stufe 4 von 5 bewertet. In den übrigen Regionen wurde das Risiko als „erheblich“ (Stufe 3) beurteilt. Erneut sehr angespannt präsentierte sich die Lage am Hochkar (Bezirk Scheibbs). Rund 180 Personen, unter ihnen Mitglieder von Feuerwehr und Bundesheer, waren eingeschlossen, weil die Hochkar-Alpenstraße Montagfrüh auch für Einsatzkräfte gesperrt werden musste. Wegen Sturmgefahr geschlossen wurde das Skigebiet Gemeindealpe Mitterbach im Bezirk Lilienfeld.

In Oberösterreich blieb es auch am Montag bei Lawinenwarnstufe vier, die Situation ist weiter angespannt. Der Schnee wurde in mittleren und tieferen Lagen immer schwerer, mehr als 1000 Feuerwehrmitglieder und Soldaten waren damit beschäftigt, Dächer abzuschaufeln, vor allem in Rosenau und Gosau. Die größeren Passstraßen - Pyhrnpass, Koppenpass und Hengstpass - sind weiterhin wegen Lawinengefahr gesperrt, Hallstatt und Obertraun waren nur per Zug und Schiff erreichbar. In 23 Schulen im Land fiel der Unterricht aus, in mehreren Skigebieten standen teilweise die Lifte still - im Mühlviertel wegen gesperrter Zufahrtsstraßen. Dort fiel auch in manchen Orten der Linienverkehr des Verkehrsverbundes aus.

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