Lage weiter dramatisch

Drei Pkw unter Lawine: „Sperren sind kein Spaß“

Steiermark
06.01.2019 13:28

Die Lawinensituation in der Obersteiermark blieb am Sonntag angespannt: „Wir haben kein klares Lagebild, die Lage bleibt absolut dramatisch“, sagte LH-Stellvertreter. Michael Schickhofer (SPÖ) mittags bei einer Besprechung in der Landeswarnzentrale in Graz. Rund 2000 Menschen, Einheimische wie Touristen, sind in mehreren Orten abgeschnitten. Vier Hubschrauber warteten auf besseres Wetter zur Lageerkundung.

Katastrophenreferent Schickhofer warnte wie auch der Leiter der Landesabteilung Katastrophenschutz, Harald Eitner, Sperren von Straßen sowie Lawinenhinweise und das Wetter überhaupt zu ignorieren. Im Raum Wildalpen (Bezirk Liezen) hatte eine Gruppe von zwölf Touristen in drei Autos einfach das Sperrgitter zu einem lawinengefährdeten Bereichzur Seite geschoben und hatte versucht, abzureisen. Prompt verschüttete eine Lawine die drei Fahrzeuge, Rettungskräfte bargen die Urlauber unter hohem eigenen Risiko. Weitere Rettungskräfte suchten auf der Planai in der Nacht nach einem vermissten Skifahrer. Es stellte sich in den Mittagsstunden heraus, dass der Mann alkoholisiert in der Nacht ins Tal gefahren war. In Schladming wurde er dann von einem Security eines Lokals entdeckt, der die Polizei informierte. „Wir warnen eindringlich davor, von Routen und Pisten abzuweichen und Sperren zu ignorieren“, sagte Schickhofer: „Die sind nicht zum Spaß da“. Er nehme an, dass der alkoholisierte Skifahrer noch von der Polizei hören werde.

landeswarnzentrale,steiermark (Bild: © Elmar Gubisch)
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Viele Sperren
Steiermarkweit waren fast 2000 Menschen abgeschnitten, nachdem auch die Straße in die Radmer bei Eisenerz mit rund 500 Bewohnern wegen drohender Lawinen gesperrt wurde. Die Versorgung sei jedoch weitgehend sichergestellt. Für die medizinischen Zentren in Mariazell und in Eisenerz sei zusätzliches Personal in Bereitschaft gerufen worden, sagte Schickhofer. Laut Eitner seien mehrere hundert Einsatzkräfte rund um die Uhr im Einsatz: „Allein in den 39 tätigen Lawinenkommissionen seien zumindest sieben Personen aktiv, alle freiwillig“, betonte Eitner. Viele Sperren seien eingerichtet worden, weil die Situation wegen der schlechten Sicht und der Schneefälle unübersichtlich sei: „Wir wissen zum Beispiel nicht, was sich da am Grimming oben abspielt“, sagte Schickhofer zur Sperre der Ennstalstraße (B320) zwischen Espang und Trautenfels.

Michael Schickhofer in der Landeswarnzentrale Steiermark (Bild: Elmar Gubisch)
Michael Schickhofer in der Landeswarnzentrale Steiermark

Erkundungsflug im Murtal möglich
Vier Hubschrauber standen in Bereitschaft, zwei Alouette III des Bundesheeres in Aigen im Ennstal sowie zwei Polizei-Helikopter, einer in Graz, einer in Klagenfurt. Kurzfristige Wetterbesserungen kamen den Einsatzkräften entgegen: Ein Polizeihubschrauber war zu Mittag zur Erkundung des oberen Pölstals im Bereich Bretstein und St. Johann am Tauern unterwegs. Zu Mittag gelang es der Besatzung einer Bundesheer-Maschine, Lebensmittel und andere Versorgungsgüter ins abgeschnittene Sölktal zu fliegen.

Keine Besserung in Sicht
Wetterbesserung ist laut Meteorologen bis zur nächsten Woche nicht in Sicht. Die Lawinenwarnstufe blieb am Sonntag auf der zweithöchsten Warnstufe („groß“) in den meisten Teilen der Obersteiermark, in den anderen bergigen Bereichen der Grünen Mark auf drei („erheblich“) auf der fünfteiligen Skala. Für die nächsten Tage sind weiterhin Schneefälle angesagt, die Sicht bleibt schlecht.

Schneeräumfahrzeug gerammt
Neben den zahlreichen Einsätzen der Feuerwehren zur Bergung von Fahrzeugen kam es Samstagabend im oststeirischen Bezirk Weiz zu einer Kollision eines Pkw mit einem Räumfahrzeug. Ein 35-jähriger Autolenker aus dem Bezirk Voitsberg hatte auf der Weizer Straße (LB72) von Weiz kommend in Richtung Birkfeld einen Pkw überholt. Dabei prallte er gegen ein entgegenkommendes Schneeräumfahrzeug, gelenkt von einem 29-Jährigen aus dem Bezirk Weiz. Der verletzte 35-Jährige wurde ins LKH Weiz gebracht.

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