KH-Nord-Energetiker:

„Durch meine Arbeit wurden Millionen gespart“

Österreich
18.12.2018 20:02

Bei der letzte Zusammenkunft der Untersuchungskommission zum Krankenhaus-Nord-Skandal ist am Dienstagabend auch Energetiker Christoph Fasching erschienen. Wie berichtet, hatte der Ex-Autohändler und NLP-Trainer um 95.000 Euro einen „Schutzring“ rund um das Gebäude gelegt. Fasching stand der Kommission Rede und Antwort, die Kritik sei aber aus seiner Sicht ungerechtfertigt. Dabei zeigte er sich davon überzeugt, dass seine Arbeit Früchte getragen habe, da seit Beginn seines Wirkens das Projekt wieder „rund“ laufen würde: „Ich möchte nicht wissen, wie viele Millionen man sich durch unsere Arbeit gespart hat.“ Der Energetik-Spezialist hätte bereits vor zwei Wochen aussagen sollen, ließ sich damals jedoch krankheitsbedingt entschuldigen.

Wie mehrfach berichtet, hatte Fasching den Auftrag erhalten, einen „Energie-Schutzwall“ um das Gebäude zu ziehen, um zu verhindern, dass „negative Energien aus dem Umfeld Einfluss auf das Haus und die Menschen nehmen“. Mit dieser Tätigkeit auf der Floridsdorfer Krankenhausbaustelle zu Jahresbeginn hatte Fasching für Schlagzeilen bzw. für Staunen gesorgt. 95.000 Euro hatte er dafür berechnet. Ausschreibung für den Auftrag hatte es damals keine gegeben. Aufträge bis zu einem Grenzwert von 100.000 Euro konnten frei von der Projektleitung vergeben werden.

Energetiker Christoph Fasching bei der Untersuchungskommission (Bild: krone.tv)
Energetiker Christoph Fasching bei der Untersuchungskommission

„Habe nichts mit Esoterik zu tun“
Zu Beginn der Befragung bekam Fasching Gelegenheit sich vorzustellen und nützte diese, um „ein anderes Bild von mir selbst zu geben“. Er sei Unternehmensberater, Autor von sieben Büchern und Gründer des Forschungszentrums für Bewusstsein und habe damit mit Esoterik nichts zu tun. Seine Aufgabe sei es, das Bewusstsein zu bearbeiten und zu verändern - eben auch jenes von Unternehmen oder Projekten.

Der Energetiker Christoph Fasching vor der Sitzung der U-Kommission KH Nord im Rathaus Wien (Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER)
Der Energetiker Christoph Fasching vor der Sitzung der U-Kommission KH Nord im Rathaus Wien

Über eine Kollegin, mit der er auch im Anschluss die Arbeiten am KH Nord durchführte, wurde er an die Projektleitung des Megaspitals vermittelt. Die ehemalige Programmleiterin des KH Nord, Susanne Lettner, sowie die ehemalige ärztliche Leiterin des Spitals, Sylvia Schwarz, hätten Fasching gemeinsam mit den beiden Stellvertretern Lettners für seine Dienste engagiert. Daraufhin habe er ein Pauschalangebot von 95.000 Euro gelegt, in dem jedoch keine Einzelleistungen definiert wurden, „damit wir frei sind, die Dinge zu tun, die zu tun sind“, sagte Fasching.

(Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)

„Schutzring“ war nur ein Nebenprodukt
Der bereits bekannte energetische „Schutzring“ sei dabei nur ein Nebenprodukt gewesen. Über einen Zeitraum von vier Monaten habe er die Projektleitung begleitet und beraten - dabei könne man nicht zwischen „mentaler Arbeit und Coaching unterscheiden“, da es hier in seinem Tun keine klare Abgrenzung gäbe. Neben dieser Beratung sei es seine Aufgabe gewesen, das „Bewusstsein der Teilprojekte zu bearbeiten und Störfaktoren zu beseitigen“.

Christoph Fasching (Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER)
Christoph Fasching

Fasching sei zu einem Zeitpunkt engagiert worden, indem es eine Vielzahl von Problemen gegeben habe. Einerseits auf personeller Ebene - der Druck auf Mitarbeiter sei so hoch gewesen, dass es zu vielen Krankenständen, hoher Fluktuation oder auch Burn-Outs gekommen sei. Andererseits habe es beim Bau des Krankenhauses nahezu einen „Totalstillstand“ gegeben. Vom Erfolg seiner Arbeit zeigte sich Fasching überzeugt, denn „seit einem Jahr läuft es rund. Ich kann mir durchaus ein bisschen auf die Schulter klopfen“, er habe „einen Teil dazu beigetragen“. Die Methodik seiner Arbeitsweise liege in einem vom Forschungszentrum für Bewusstsein „selbst entwickelten geistigen Prozess“.

Planungschaos, Geldverschwendung & Co.: Das Krankenhaus Nord (Bild: Jöchl Martin)
Planungschaos, Geldverschwendung & Co.: Das Krankenhaus Nord

Honorar von 95.000 Euro „durchaus üblich“
Dem KAV habe Fasching ein 15-seitiges Angebot mit „klar definierter Leistung“ vorgelegt sowie nach Abschluss der Arbeit auch ein Protokoll von 36 Seiten übermittelt. Das gestellte Honorar von 95.000 Euro empfand Fasching als durchaus üblich und gerechtfertigt und stellte daraufhin die Frage an die Abgeordneten: „Wie viele Millionen wurden hier für Berater ausgegeben?“ Seine Arbeit habe er vor Ort, aber auch aus der Entfernung erledigt, da er in Salzburg wohnhaft ist.

(Bild: APA/HANS KLAUS TECHT, krone.at-Grafik)

Schutzring“-Auftrag von vier Personen vergeben
Laut der früheren Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger sei vom KAV berichtet worden, dass vier Personen in die Auftragsvergabe verwickelt gewesen seien und dass entsprechende disziplinäre Maßnahmen gesetzt würden. Die Auftragssumme Faschings möchte sich der KAV jedenfalls wieder zurückholen, wobei auch rechtliche Schritte im Raum stehen. Der KAV vermisst unter anderem eine Dokumentation der Leistungen.

Ex-Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) (Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER)
Ex-Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ)

„Goldenes Brett“-Pokal am Tisch platziert
Skurriles Detail am Rand: Noch ehe Fasching vor der U-Kommission Platz nehmen konnte, hatte ihm NEOS-Landessprecher Christoph Wiederkehr das „Goldene Brett vorm Kopf“, ein Satirepreis den der Energetiker für den „größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres“ verliehen bekommen hatte, auf den Tisch gestellt. Fasching zeigte sich sichtlich irritiert und bat schließlich die Kommissionsleitung darum, das Objekt zu entfernen. Dem Wunsch wurde entsprochen (siehe Video unten).

Christoph Wiederkehr (NEOS) überreicht dem KH Nord-Energetiker das „Goldene Brett vorm Kopf“ für den herausragendsten wissenschaftlichen Unsinn 2018. (Bild: NEOS Wien)
Christoph Wiederkehr (NEOS) überreicht dem KH Nord-Energetiker das „Goldene Brett vorm Kopf“ für den herausragendsten wissenschaftlichen Unsinn 2018.

Frauenberger: „Ist unter dem Radar passiert“
Am Dienstag war bereits zahlreiche Prominenz erschienen: Als erster auf der Zeugenliste stand Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der zu seiner Rolle als Wohnbaustadtrat befragt wurde. Sein Fazit: Er sei nicht eingebunden gewesen. Mit der frühere Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger wurde unter anderem die „Schutzring“-Affäre thematisiert. „Das ist einfach unter dem Radar passiert“.

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