Mi, 16. Jänner 2019

Fünf Auszeichnungen

16.12.2018 08:50

„Cold War“ räumt bei 31. Europäischem Filmpreis ab

Pawel Pawlikowskis Liebesdrama „Cold War“ ist der große Gewinner des 31. Europäischen Filmpreises: Die Schwarz-Weiß-Geschichte wurde am Samstagabend in Sevilla mit fünf Preisen ausgezeichnet, darunter in den Königskategorien Bester Film und Regie. Hinzu kamen die Ehrungen für Drehbuch und Schnitt sowie für Joanna Kulig, die sich als beste Schauspielerin unter anderen gegen Marie Bäumer durchsetzte.

Bäumer war für ihre Rolle der Romy Schneider im österreichisch koproduzierten „3 Tage in Quiberon“ nominiert gewesen. Bei den Männern hingegen konnte Marcello Fonte als Hundefriseur in Matteo Garrones „Dogman“ Hollywoodstar Rupert Everett („The Happy Prince“) ebenso hinter sich lassen wie Tomasz Kot, der für seine Rolle des Wiktor in „Cold War“ den Kürzeren zog.

Als bester Dokumentarfilm ging aus dem Abend Jane Magnussons „Bergman - A Year in a Life“ über den Gründer der European Film Academy, Ingmar Bergman, hervor, der heuer 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Ehrenpreise für Fiennes, Maura und Costa-Gavras
Bereits im Vorfeld festgestanden hatten die drei heurigen Ehrenpreise: Der britische Schauspieler und Regisseur Ralph Fiennes wurde für seinen Beitrag zum Weltkino prämiert und sinnierte über sein Wesen als Europäer im Gegensatz zum lärmenden Streit in seiner englischen Heimat.

Die vor Glück ihre Englischkenntnisse vergessende Almodovar-Schauspielerin Carmen Maura wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, und Akademiepräsident Wim Wenders würdigte die 85-jährige griechisch-französische Regielegende Constantin Costa-Gavras als politische Stimme im Kulturleben. „Die Gala gibt ein Beispiel, wie Europa heute sein sollte“, streute Costa-Gavras der Veranstaltung Rosen.

„Essen und trinken Sie nichts, bei dessen Zubereitung Sie nicht dabei waren“
Auch abseits dessen gestaltete sich die Preisgala überwiegend melancholisch und politisch, zog sich doch das vor dem Brexit und inneren Spannungen stehende Europa wie ein roter Raden durch viele der Reden. Die Wahrheit im Gegensatz zu Fake News wurde wiederholt als Ziel jeder Kunst eingefordert. Und nicht zuletzt wurden zahlreiche Spitzen gen Russland abgeschossen.

„Diese Entscheidung war sehr mutig - schließlich steht der Film in Russland auf dem Index. Sie stehen mithin alle auf der Liste: Essen und trinken Sie nichts, bei dessen Zubereitung Sie nicht dabei waren“, warnte Regisseur Armando Iannucci die Anwesenden nach der Zuerkennung des Komödienpreises an sein Werk „The Death of Stalin“.

Ein Chor von Stimmen
Überdies betonte Agnieszka Holland als Vorsitzende der European Film Academy in ihrer Rede in Richtung Russland die Verbundenheit mit dem unter Hausarrest stehenden Regisseur Kirill Serebrennikow und dem in russischer Haft befindlichen ukrainischen Kollegen Oleg Senzow.

„Europa spricht nicht mit einer Stimme - sondern ist ein ganzer Chor von Stimmen“, hob Regisseurin Holland zugleich als positive Kraft hervor. Deshalb habe man sich bei der Präsentation des Abends nicht für eine, sondern gleich sechs Personen entschieden. Das halbe Dutzend Schauspieler - darunter Almodovar-Aktrice Rossy de Palma - sorgte jedoch für eine etwas bemühte und zerfahrene Moderation, die noch durch unmotiviert eingestreute Flamenco-Elemente unnötig in die Länge gezogen wurde.

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