Di, 19. Februar 2019
24.11.2018 08:54

Just am Fenstertag

US-Regierung präsentiert dramatische Klimaprognose

Ausgerechnet am Fenstertag - am Donnerstag beging man jenseits des Atlantiks das Erntedankfest Thanksgiving - hat die US-Regierung unter Klima-Skeptiker Donald Trump einen 1650 Seiten starken Bericht veröffentlicht, der alle Zweifel des Präsidenten an der globalen Erwärmung Lügen straft. Selten zuvor wurde von offizieller Seite so drastisch vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Gegensteuern könne nur der Verursacher der Misere, also der Mensch, heißt es im Bericht.

In den USA ist die Prognose durch die Veröffentlichung zwischen Feiertag und Wochenende - Oppositionelle sehen darin die Absicht, die vom Bericht geschlagenen Wogen kleinzuhalten - fast ein wenig untergegangen.

Doch das 1650-Seiten-Papier, das von der Regierung in Washington unter dem Titel „4. Nationale Klimabewertung, Band II“ veröffentlicht wurde, ist brisant - vor allem in einer Zeit, in der das Land von einem Klimaskeptiker geführt wird und der Bundesstaat Kalifornien gerade von den schwersten Waldbränden seit Jahrzehnten gebeutelt wurde.

Autoren überrascht von vorzeitiger Veröffentlichung
Der Bericht hätte eigentlich erst im Dezember am UN-Klimagipfel in Polen präsentiert werden sollen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Samstag. Selbst die Forscher, die das Papier geschrieben haben, wurden Anfang der Woche von der Nachricht der frühzeitigen Veröffentlichung überrascht. Zumal die darin dargelegten Erkenntnisse klar den Positionen der US-Regierung widersprechen, die im Klimawandel „natürliche Schwankungen“ sieht und nicht so recht an eine globale Erwärmung glauben will.

In dem Papier wird klar kommuniziert: „Das Klima der Erde verändert sich nun schneller als an jedem anderen Punkt der Geschichte der modernen Zivilisation, vorwiegend als Resultat menschlicher Aktivitäten. Die Annahme, dass aktuelle und künftige Klimabedingungen denen der jüngeren Vergangenheit ähneln werden, ist nicht länger gültig. Der Trend der Erwärmung kann nur vom Einfluss menschlicher Aktivitäten erklärt werden, insbesondere der Treibhausgase.“

Klimawandel hat auch verheerende wirtschaftliche Folgen
Detailliert skizziert der Bericht auch die wirtschaftlichen Folgen der globalen Erwärmung. Allein in den USA könnte extremes Wetter bis zum Jahr 2100 Kosten in Höhe eines Zehntels des Bruttoinlandsprodukts verursachen - durch Dürren, Fluten, Waldbrände, Stürme und deren Folgekosten bis hin zu höheren Gesundheitsausgaben durch Luft- und Wasserverschmutzung. Das lässt insbesondere angesichts des Ausstiegs der USA aus dem Pariser Klimaabkommen aufhorchen.

Doch man braucht nicht bis zum Jahr 2100 warten, um die Folgen der globalen Erwärmung zu spüren, heißt es in dem Bericht. Allein seit 2015 haben Katastrophen wie die Waldbrände, die dieser Tage Kalifornien gebeutelt haben, mehr als 400 Milliarden US-Dollar (rund 350 Milliarden Euro) gekostet. Die langfristigen Folgen, die beispielsweise schlechte Luft auf das Wohlbefinden der US-Bürger und damit die Gesundheitsausgaben haben wird, sind da noch gar nicht eingerechnet.

Droht den USA eine Binnenvölkerwanderung?
Langfristig, heißt es in der Studie, könnte die Klimaerwärmung in den USA sogar so etwas wie eine Binnenvölkerwanderung auslösen. Regionen wie New Orleans oder Miami, die vom steigenden Meeresspiegel bedroht werden, könnten ebenso zum Abwanderungsgebiet werden wie das südliche Kalifornien oder Texas, wo immer extremere Dürren und Hitzephänomene zu erwarten seien.

Im abschließenden Fazit heißt es: „Wir entkommen nicht den Verbindungen von Wasser, der Gesundheit des Ökosystems, Energie, Nahrung, dem Wohlbefinden der Ureinwohner, urbanen Systemen, Landverbrauch, Transport, Gesundheit und gesellschaftlicher Widerstandsfähigkeit.“ Durch die Veröffentlichung des Berichts am Fenstertag könnte die Trump-Regierung aber einer breiteren öffentlichen Debatte zum Thema entkommen sein, befürchten ihre Kritiker.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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