06.11.2018 06:00 |

Gezwungen „freiwillig“

12-Stunden-Tag: Immer mehr Delikte werden publik

Drinnen wurde gefeiert, draußen demonstriert: Während das Sozialministerium sein hundertjähriges Bestehen zelebrierte, protestierte die Gewerkschaft erneut gegen den Zwölf-Stunden-Tag. Ein neuer Fall aus Tirol, wo ein großes Hotel sich die Freiwilligkeit zur Mehrarbeit im Vertrag bestätigen lassen wollte, bringt die Regierung weiter unter Druck. Das Ministerium geht den Verstößen nach.

„Der Arbeitnehmer erklärt seine ausdrückliche und freiwillige Bereitschaft, bei Vorliegen eines erhöhten Arbeitsbedarfes eine Tagesarbeitszeit von bis zu zwölf Stunden sowie eine Wochenarbeitszeit von bis zu 60 Stunden leisten zu wollen“, so heißt es in dem fragwürdigen Arbeitsvertrag, mit dem sowohl ein Betrieb in Salzburg als nun auch ein großes Hotel am Arlberg die Freiwilligkeit, die das Gesetz vorschreibt, umgehen wollten.

Das Sozialministerium will in dieser Woche nun alle bisher bekannten Fälle genau unter die Lupe nehmen. Über eine Verschärfung der Strafen wird bereits laut nachgedacht. Auch verstärkte Kontrollen seien möglich, so heißt es.

Schwarze Schafe machen, was das Gesetz zulässt
„Wir brauchen beim Zwölf-Stunden-Tag nicht über schwarze Schafe diskutieren! Die machen das, was das Gesetz zulässt - es ist und bleibt schlecht gemacht. Was wir jetzt an Beispielen sehen, ist Spitze eines Eisberges“, so Gewerkschafts-Präsident Wolfgang Katzian.

Jene Wiener Hilfsköchin, die gekündigt worden ist, weil sie nicht zwölf Stunden pro Tag arbeiten wollte, möchte das Angebot der Regierung für rechtliche Hilfe nicht annehmen. Sie fühle sich durch die Arbeiterkammer bestens vertreten, lässt die Frau nun ausrichten.

Doris Vettermann, Kronen Zeitung

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