13.01.2010 15:58

Wahre Geschichte

"Nanga Parbat": Brüderdrama am Schicksalsberg

"König der Berge" wird er genannt und "Schicksalsberg", weil seine schroffe Schönheit schon so viele Leben gefordert hat - darunter das von Reinhold Messners jüngerem Bruder Günther. "Nanga Parbat" nennt ihn der neue Film von Joseph Vilsmaier, der das Brüderdrama im Jahr 1970 als mitreißende menschliche Kulisse für ein gewaltiges Naturschauspiel verwendet. Mit einem Budget von 6,35 Millionen Euro und viel Bergwetterglück brachten Vilsmaier und Messner gewaltiges Bildmaterial aus dem westlichen Himalaya auf die Leinwand.

Zwei ungleiche Brüder, beide infiziert von der Höhe. Schon als Kinder ist jede Mauer eine unwiderstehliche Herausforderung, gemeinsam schaffen Reinhold und Günther Messner später riskante Erstbesteigungen. Als es dem Älteren schließlich gelingt, auch Günther in das Expeditionsteam zum Nanga Parbat zu bringen, ist es das schönste Weihnachtsgeschenk. Er solle auf seinen Bruder gut aufpassen, sagt die Mutter beim Abschied. Jahrzehntelang wird sich Reinhold Messner nach seiner Rückkehr vom Himalaya des Vorwurfs erwehren müssen, für den Tod Günthers verantwortlich zu sein.

Aber Vilsmaier geht es nicht um Schuld und Messner, der am Film intensiv mitgearbeitet hat, nicht um Rechtfertigung. Seine Version der Ereignisse, nachdem er allein zum Gipfel aufgebrochen, und sein Bruder ihm auf eigene Faust gefolgt war, wurde bereits 2005 durch den Fund der sterblichen Überreste von Günther untermauert.

Darum muss Reinhold im Film auch nicht als Sympathieträger herhalten: Florian Stetter porträtiert einen leichtfertigen, arroganten, wenn auch charismatischen Draufgänger, der nicht in Risiken, sondern in Triumphen denkt. Und der damit durchkommt, knapp zwar, nach tagelangem Abstieg, ohne Ausrüstung und Nahrung, höhenkrank und erfroren, während dem Schwächeren die Kräfte ausgehen.

Messner wünschte sich Markovics
Die traurige Geschichte der beiden Brüder ist aber nur die menschliche Kulisse für ein nicht weniger dramatisches Naturschauspiel. "Nanga Parbat" - das ist die Schönheit, der Wahnsinn, die Tragik des Extrembergsteigens, gegossen in halsbrecherische Originalaufnahmen. Die Wolken ziehen über dem Gipfel, die weiten Felsformationen und das ewige Eis verschlingen die winzigen Bergsteiger aus der Ferne. Mit sorgenvollem, getriebenem Blick betrachtet Karl Markovics als Expeditionsleiter Karl Maria Herrligkoffer im Basislager das Wettertreiben. Messner selbst wünschte sich Markovics für die Rolle dieses zwiegespaltenen Mannes, mit dem er sich wegen dessen Vorwürfen zum Tod Günthers niemals aussöhnte, und seine Darstellung gerät zur stärksten Präsenz des ganzen Films.

Mit Florian Stetter und Andreas Tobias hat sich Vilsmaier für zwei Männer entschieden, die glaubwürdige Brüder vor allem im gemeinsamen Streben nach dem Gipfel sind, im Aufblicken und Nacheifern des Jüngeren, in der Zuneigung und Voranschreiten des Älteren, mit all seinen tragischen Konsequenzen.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Emotion, Schicksal und wüste Wetterkapriolen bilden das perfekte Basislager für großes Kino. Regisseur Joseph Vilsmaier, der in den Dolomiten und in Pakistan drehte, setzt hier ein gewaltiges Bergdrama um, das den vagen Koordinaten einer tragischen Geschichte folgt, die von der Sucht fanatischer Gipfelbezwinger nach Ruhm und von gefährlicher Rivalität erzählt.

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