22.10.2018 12:08 |

Nächster Akt im Krimi

ÖVP-Amon an BVT: „Habt ihr was über die Bomben?“

Ein ÖVP-Politiker befragt aktuell im BVT-Untersuchungsausschuss jene Staatsanwälte, die gegen ihn ermitteln: Im nächsten Akt der österreichischen Geheimdienst-Tragikomödie spielt Ex-VP-Generalsekretär Werner Amon die Hauptrolle - einige seiner 200 SMS an einen BVT-Abteilungsleiter könnten ihn und einen Ex-Kabinettschef massiv belasten. Die „Krone“ hat das bisher vertrauliche Telefonprotokoll.

„Habt ihr was über die Bomben in Bangkok?“, wollte Werner Amon etwa am 17. August 2015 um 13.44 Uhr von P., dem Abteilungsleiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), per SMS wissen. Der ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Ex-Parteigeneralsekretär, der nun für seine Fraktion im BVT-Untersuchungsausschuss spricht und Zeugen befragt, hat also ziemlich gute Kontakte in einem Nachrichtendienst, der von mittlerweile vielen Kritikern als Saustall bezeichnet wird.

Und pikanterweise sollte ausgerechnet Werner Amon, der über Jahre eine private Freundschaft zu einem hochrangigen Geheimdienstmitarbeiter des BVT pflegte, diese Abteilung des Innenministeriums als Vorsitzender des ständigen Unterausschusses für Fragen des Verfassungsschutzes und der Terrorismusbekämpfung kontrollieren.

Wie jetzt SMS-Protokolle der Justiz beweisen, hat der ÖVP-Politiker mit dem Geheimdienst-Experten nicht nur über die Kinder oder über Karten für „Tosca“ kommuniziert: So erkundigt sich Amon bei seinem BVT-Insider am 30. November 2015 um 11.09 Uhr per SMS: „Gibt’s was Neues in Sachen Staatsbürgerschaft?“ Klarerweise hätten beide Personen - rein offiziell - nichts mit Einbürgerungen zu tun.

Pläne für Treffen mit „Onkel aus dem Ausland“
Und am 31. August 2016 schreibt BVT-Abteilungsleiter P. an Amon, der auch Präsident der Österreichisch-Koreanischen Gesellschaft ist: „Lieber Werner und Alexander! Bad News über den 7. September - die Techniker dürfen aus Sicherheitsgründen nicht fliegen. Wollt ihr Euch trotzdem treffen (mit dem Onkel aus dem Ausland)?“

SMS über Kabinettschef des Ex-Innenministers
Interessant auch das SMS Amons vom 10. März 2017 an BVT-Abteilungsleiter P.: „Hast Du mit Kloibi geredet?“ Offenbar meinte der ÖVP-Politiker den damaligen Kabinettschef des Innenministers, Michael Kloibmüller. Die Antwort kam um 17.00 Uhr: „Am Montag Abend.“ Somit scheint die Annahme nicht ganz unrealistisch, dass sich der in der SMS genannte Kloibmüller mit einem ÖVP-Spitzenpolitiker und einem führenden Geheimdienstmitarbeiter über Themen unterhalten haben könnte, die besser im BVT bleiben sollten. „Dass Kloibmüller über Interna des BVT informiert werden will, ist nichts Außergewöhnliches. Interessant ist nur das Engagement Amons“, kommt dazu von einem ÖVP-Insider.

Laut den Akten der Staatsanwaltschaft besteht auch der Verdacht, dass Amon der „Gelegenheitsinformant Viator“ („Der Reisende“, Anm.) des BVT sein könnte.

Werner Amon wollte mit der „Krone“ nicht über diese SMS-Inhalte reden. Er schickte nur eine kurze Stellungnahme per E-Mail: „Die SMS-Protokolle gehen über viele Jahre zurück - ich kann deshalb unmöglich zu einzelnen Nachrichten Stellung nehmen.“

Richard Schmitt
Richard Schmitt
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