Do, 13. Dezember 2018

Katalonien-Referendum

01.10.2018 21:59

Friedliche Proteste schlagen in blanke Gewalt um

Der erste Jahrestag nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien begann am Montag mit großen Demonstrationen und mündete am Abend in mehreren Städten in blanke Gewalt. In Barcelona, wo zuerst rund 180.000 Menschen friedlich auf die Straßen gegangen waren, versuchte am Abend eine militante Gruppe das lokale Parlament zu stürmen. In Girona lieferten sich ebenfalls Demonstranten schwere Auseinandersetzungen mit Polizisten.

Der Protestmarsch in Barcelona, zu dem mehrere separatistische Bürgerplattformen aufgerufen hatten, führte von der zentralen Plaza de Catalunya bis zum katalanischen Regionalparlament in der Nähe des Hafens. Dutzende Personen führten den Marsch mit Wahlurnen an, die während der Volksbefragung vor genau einem Jahr benutzt wurden, um sie Parlamentspräsident Roger Torrent und Regierungschef Quim Torra symbolisch zu übergeben.

„Ich vergesse nicht, ich verzeihe nicht“
In den Urnen befanden sich Wunschzettel der Protestmarschteilnehmer - und nicht alle Schreiben dürften den beiden Separatistenführern gefallen haben. Denn auf der Demo wurde nicht nur für die Freilassung der „politischen Gefangenen“, für die Unabhängigkeit und das Recht auf Selbstbestimmung protestiert. Immer wieder hörte man auch Rufe wie „Ich vergesse nicht, ich verzeihe nicht“, mit dem die Demonstranten erneut die Polizeigewalt verurteilten, die damals den friedlichen Urnengang überschattet und internationale Kritik am Vorgehen Madrids gegen das verbotene Unabhängigkeitsreferendum ausgelöst hatte.

Am Abend entlud sich dann der aufgestaute Frust an einigen Orten in Gewalt. In Barcelona spielten sich rund um das Regionalparlament wilde Szenen ab, als eine Gruppe von Demonstranten das Gebäude stürmen wollte. Die „Mossos“ genannte Polizei Kataloniens griff teilweise hart durch. Auch in Girona kam es zu heftigen Auseinandersetzungen rund um einige Straßensperren. An mehreren Orten in Spanien sollen auch Nationalflaggen in Flammen aufgegangen sein.

90 Prozent vor einem Jahr für die Unabhängigkeit
Separatistenführer Carles Puigdemont ließ vor einem Jahr trotz des Verbots durch das Verfassungsgericht ein illegales Referendum über eine Loslösung von Spanien abhalten. 90 Prozent stimmten damals dafür. Doch nur knapp 42 Prozent der Wahlberechtigten nahmen überhaupt teil. Puigdemont rief trotzdem drei Wochen später die Unabhängigkeit aus, setzte sie aber sofort wieder aus, um Verhandlungen mit Madrid aufzunehmen. Seine Regierung wurde daraufhin abgesetzt.

Bei den Neuwahlen gewannen die Separatistenparteien aber erneut eine knappe Mehrheit. Dennoch ist der Unabhängigkeitsprozess seitdem ins Stocken geraten. „Seit der Ausrufung der Unabhängigkeit am 27. Oktober ist nichts weiter passiert und die Menschen empfinden deshalb eine gewisse Frustration“, versicherte etwa ein Demonstrationsteilnehmer.

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