So, 18. November 2018

In Häftling verliebt

09.09.2018 06:00

Doppelmörderin Estibaliz C. will wieder heiraten

In einem neuen Buch spricht Estibaliz C. über ihre baldige Hochzeit mit einem Häftling: „Ich will mit ihm in eine Kuschelzelle.“ Sie gesteht einen „misslungenen Giftmord“. Und dass sie ihre beiden Gräueltaten - auch - aus finanziellen Motiven begangen hat.

„Ich glaube weder an die ewige Liebe noch an die Ehe als Institution. Ich will ihn aus anderen als romantischen Gründen heiraten. Jetzt können sie uns mit der Begründung, wir hätten negativen Einfluss aufeinander, voneinander fernhalten. Sind wir verheiratet, haben wir Rechte. Ich will ihm schreiben dürfen. Geschenke mit ihm austauschen dürfen. Ihn manchmal sehen dürfen. An einem Besuchertisch, an dem wir einander an den Händen halten. Hier in Asten oder bei ihm in Garsten. Ich denke nicht darüber nach, ob unsere Beziehung eine Zukunft hätte. Ich weiß ja nicht einmal, ob ich selbst eine Zukunft habe. Ich lebe heute. Ich liebe jetzt.“

Eine Stelle aus „Zelle 14“ - dem Buch, das Verleger und Autor Bernhard Salomon über das Seelenleben von Estibaliz C. geschrieben hat, in dem zu lesen ist über die Beziehung der Doppelmörderin zu einem Häftling - Martin L., einem als geistig abnorm geltenden Gewalttäter und Brandstifter. Nach dem Auffliegen ihrer Affäre war der Mann im Frühjahr 2018 in eine andere Justizanstalt verlegt worden, seitdem ist dem Paar der Kontakt zueinander untersagt. Jetzt wollen die beiden für eine Hochzeit hinter Gittern kämpfen. Und für Besuche in einer „Kuschelzelle“.

„Meine Sehnsucht nach Martin besteht aus allem Möglichen. Er ist attraktiv. Er war sexuell verfügbar. Meine Beziehungssucht spielt vielleicht eine Rolle“, reflektiert Esti: „Aber es ist nicht das alte Muster. Wirtschaftliche Dinge zum Beispiel. Was soll er mir bringen? Außer Pralinen und Problemen habe ich von ihm nichts zu erwarten.“

Was vermutlich die Justiz interessieren wird: In „Zelle 14“ legt die 40-Jährige neue Geständnisse ab, sie gibt nun zu, - auch - aus Habsucht getötet zu haben.

„Den ersten Mann, den ich umbrachte, lernte ich in Berlin kennen. Wir gingen nach Wien und investierten sein Geld und meine Ersparnisse in einen Eissalon.“ Nach der Scheidung „wollte er nach Indien. Ich hätte ihn auszahlen müssen und hatte das Geld nicht. Ich hätte den Eissalon verkaufen müssen. Dass er starb, war für mich die beste Lösung.“ Weiters beichtet sie: „Der zweite Mann, den ich umbrachte, investierte ein kleines Vermögen in eine neue Einrichtung und neue Maschinen für mein Lokal. Dafür gab ich ihm eine Beteiligung. Hätte ich mich von ihm getrennt, statt ihn umzubringen, wäre mein Eissalon weg gewesen.“

Und sie schildert grauenhafte Details über den - offenkundig von langer Hand geplanten - Mord an ihrem zweiten Opfer, Manfred H., den sie zunächst mit hochgiftigen Pflanzensamen vergiften wollte:

„Ich schüttete sie in seinen Kaffee. Er hätte tot sein müssen. Am Boden liegen mit unerklärbarer Todesursache. Denn diese Samen sind tödlich und nicht nachweisbar. Er ging zu Bett, als wäre nichts, und verlangte am nächsten Morgen Frühstück von mir. Ich gab ihm die Samen noch einmal. Als er wieder nicht starb, stellte ich die Dose mit den Samen zu den Gewürzen und gab sie ihm jeden Tag. Es ging ihm schlecht. Er nahm ab. Ihm war oft übel. Er wurde schwach. Er brauchte mich. Er ging ins Krankenhaus.

Die Ärzte schüttelten ihre Köpfe. Ihre Organe zersetzen sich, sagten sie. Er wäre bald daran gestorben. Ich wäre zu seinem Begräbnis gegangen. Ich hätte ein paar ehrliche Tränen geweint. Unserer guten Momente wegen. Doch es kam der Moment, in dem ich schoss. Vor Gericht spielten die Samen keine Rolle. Es gab Indizien, dass ich ihn vergiften wollte. Beweise fehlten.“

Geliebter: „Esti ist Opfer, das zur Täterin wurde“
Ihrem Verlobten - Martin L. - sind diese Bekenntnisse bekannt. „Im Gefängnis“, sagt er, „kümmert man sich nicht darum, was jemand getan hat.“ Außerdem sei Estibaliz C. „ein Opfer, das zur Täterin wurde. Die beiden Männer haben sie gedemütigt. Ein in die Ecke gedrängter Hund beißt eben irgendwann einmal zu.“ In Martin L.s Zelle, über seinem Bett, hängt ein Bild von Esti: „Ich sehe sie vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen. Dazwischen denke ich an sie.“

Die Doppelmörderin habe ihn vor dem Tod gerettet: „Ich plante bereits meine Exekution. Mir schwebte vor, dass ich meinen Haftraum von innen verriegle und ins Internet stelle, wie ich mich umbringe. Seit Esti in mein Leben kam, ist alles anders. Ich habe keine Selbstmordgedanken mehr. Und ich weiß, dass ich nie wieder eine Straftat begehen werde. Weil ich liebe.“

Die neue Beichte der Mörderin
Sowohl ihrem Ex-Mann Holger H. als auch ihrem Lebensgefährten Manfred H. jagte Estibaliz C. mehrere Kugeln in den Kopf, bevor sie die Leichen zerstückelte, in Kübeln, einen Trolley und in eine Tiefkühltruhe einbetonierte - und dann im Keller ihres Eissalons versteckte. Über das Tatmotiv sagte sie bei ihrem Prozess, dass sie „von beiden Männern extrem schlecht behandelt“ worden sei. Jetzt gesteht sie - auch - finanzielle Gründe für ihr schreckliches Handeln ein. Und sie gibt zu, Manfred H. über Monate hindurch hochgiftige Pflanzensamen verabreicht zu haben. Bevor sie ihn erschoss.

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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