31.08.2018 12:29 |

Lira-Krise

Nationalbank bietet der Türkei ihre Hilfe an

Die von einer Währungskrise gebeutelte Türkei könnte bald Hilfe aus Österreich bekommen. Am Rande des Forums Alpbach hat Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, eine ähnliche Unterstützung wie im Rahmen der „Vienna Initiative“ für den Bankensektor in Osteuropa angeboten. „Es ist sicherlich keine einfache Situation, aber sie ist nicht unlösbar. Bei Bedarf sind wir bereit, unsere Expertise einzubringen“, erklärte Nowotny.

Die OeNB habe bei der „Vienna Initiative“ mitgeholfen, „eine schwierige Situation“ im Bankensektor in Osteuropa zu entschärfen. Ein ähnliches Vorgehen kann sich Nowotny auch für die Türkei vorstellen. Die „Vienna Initiative“ sei ein „interessantes Modell“, weil auch die Gläubigerbanken ins Boot geholt wurden. Die Initiative schaffte es in der Wirtschaftskrise 2009 und danach, die Finanzstabilität Mittel- und Osteuropas aufrechtzuerhalten.

„Gutes Verhältnis mit türkischer Notenbank“
Im Rahmen des Internationalen Währungsfonds sind Österreich und die Türkei gemeinsam in einer Stimmrechtsgruppe. „Wir sind als Oesterreichische Nationalbank im guten Verhältnis mit der türkischen Notenbank“, so Nowotny. Zur Währungskrise in der Türkei gebe es aktuell aber keine konkreten Gespräche.

Der österreichische Bankensektor hat vor allem wegen den Aktivitäten der Deniz Bank und Vakif Bank Risikopositionen im Wert von 7,5 Milliarden Euro gegenüber der Türkei. Zum Vergleich: Der spanische Bankensektor hat ein Exposure von knapp 71 Milliarden Euro gegenüber der Türkei, französische Institute rund 31 Milliarden Euro und italienische Banken rund 16 Milliarden Euro.

Lira stabilisiert sich leicht
Die türkische Lira hat sich am Freitag ein wenig stabilisiert. Hintergrund dürften die jüngsten finanzpolitischen Maßnahmen der Regierung in Ankara sein. Diese hat Steuern auf Guthaben in ausländischer Währung erhöht. Die Quellensteuer auf Geldeinlagen in ausländischer Währung von bis zu sechs Monaten wurde laut einem im Amtsanzeiger veröffentlichten Präsidialdekret von 18 auf 20 Prozent angehoben. Die Quellensteuer auf Geldeinlagen in Lira von bis zu sechs Monaten wurde dagegen von 15 auf fünf Prozent gesenkt.

Hinter dem Lira-Verfall steht unter anderem ein Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Washington wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei. Zudem sehen Investoren zunehmend die Unabhängigkeit der türkischen Notenbank in Gefahr.

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