Do, 13. Dezember 2018

Ab 27. Juli

25.07.2018 09:57

„Orange is the new Black“ geht in die neue Staffel

Nachschub aus dem Frauenknast: Es geht weiter bei „Orange is the new Black“ (OITNB). Staffel 6 startet am 27. Juli beim Streaming-Platzhirschen Netflix. Litchfield, der bisherige Gefängnisort, ist allerdings Geschichte. Was bleibt, sind Mobbing, Rassismus, Intrigen und Misshandlungen.

Und das alles diesmal unter verschärften Bedingungen durch die Verhörsituation im Rahmen der Ermittlungen nach dem gewaltsamen Häftlingsaufstand, mit dem Staffel 5 zu Ende gegangen ist. Die Idee zu OITNB lieferte das autobiografische Buch der US-amerikanischen Autorin Piper Kerman „Orange Is the New Black: Mein Jahr im Frauenknast“, das 2010 erschienen ist. Von Jenji Kohan („Weeds“) wurde es für Netflix verfilmt, 2013 startete die erste Staffel. Längst ist daraus ein Serien-Epos (Regie: Mark A. Burley) geworden. Das Genre-Etikett Comedy-Drama oder Dramedy, das für OITNB oft benutzt wird, trifft es nur ansatzweise.

Keine einfache Frauenknastgeschichte
OITNB hat mehrere Ebenen und ist in jedem Fall nicht einfach eine Frauenknastgeschichte mit allerlei schrägen Charakteren. Man kann die Serie als sarkastische Analyse der US-Gesellschaft verstehen, in deren Gefängnissen Gewalt und Rassismus dominieren und Gerechtigkeit ein Fremdwort ist. Oder noch schwärzer: als Parabel auf das Böse im Menschen, das durchbricht, sobald in einer schwer zu kontrollierenden Parallelwelt wie dem Gefängnis die üblichen Regeln der Zivilgesellschaft außer Kraft gesetzt sind.

OITNB zeigt Frauen, die vor keiner Gemeinheit zurückschrecken und Gefängniswärter, vor denen man sich noch mehr fürchten muss als vor den Häftlingen. All das gilt für Staffel 6 mehr denn je. Sie spielt nach dem gewaltsamen Aufstand in einem neuen Gefängnis, die Hauptfiguren sind aber alte Bekannte - nicht zuletzt die von Taylor Schilling gespielte Piper Chapman. Die durch den Verrat ihrer Partnerin Alex im Knast gelandete blonde Managerin steht in Piper Kermans Buch im Mittelpunkt. Und auch der frühere Gefängnisdirektor von Litchfield, Joe Caputo (Nick Sandow), ist weiterhin dabei: als trostloser zum Nichtstun verdammter, Pornos konsumierender Dauerquerulant.

Die Trennlinien werden klarer
Nach dem Ende des Aufstands in Litchfield und dem Umzug in ein neues Gefängnis kommen in Staffel 6 die Unterschiede zwischen den verschiedenen Frauengruppen umso stärker zum Tragen: Latinas und Schwarze, Block C und Block D - die Trennlinien sind klar, die Regeln im Knast auch. Wer sich an den falschen Tisch setzt, riskiert eine Schlägerei, wer Schwäche zeigt, den Spott der anderen. Chapman verliert einen Zahn, als eine Mitgefangene sie brutal zu Fall bringt und sie mit dem Gesicht auf den Boden knallt.

Und noch schlimmer als bisher: Gerechtigkeit zählt wenig, wenn es darum geht, bei der Suche nach den Rädelsführern des Aufstands nicht zu den Hauptschuldigen zu gehören. Die Ermittler haben enormen Druck von oben, sie sollen die Schuldigen liefern, die für den Tod des Wärters Desi Piscatella verantwortlich sind. Und so geht es um existenzielle, unangenehme Fragen: Wer nennt den Ermittlern Namen? Wer kann einen Deal machen? Wer ist bereit, andere zu verraten? Wer soll zu lebenslänglich verurteilt werden?

Gloria Mendoza (Selenis Leyva) beschuldigt Maria Ruiz (Jessica Pimentel), den Aufstand angeführt zu haben. Aber die Fingerabdrücke von Cindy Hayes (Adrienne C. Moore) waren auf der Tatwaffe. Und sie war zusammen mit Suzanne (Uzo Aduba), die durch die Ermittlungen an den Rand der psychischen Belastbarkeit gerät, auch am Tatort. Die Ermittler merken sofort, dass an Cindys Aussage dazu manches nicht stimmen kann. Aber genauso gerne würden sie Galina „Red“ Reznikov (Kate Mulgrew) als Rädelsführerin verurteilen lassen. Wer wirklich dahinter steckt, ist ihnen herzlich egal. Staffel 7 ist schon beschlossene Sache, Stoff für weitere Folgen gibt es bestimmt.

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