Do, 18. Oktober 2018

Live in Wien und Linz

30.04.2018 07:00

David „The Hoff“ Hasselhoff: Einer von uns!

Ein Mann, eine Legende - kaum jemand genießt hierzulande einen derart hohen Kultstatus wie David Hasselhoff. Der 65-Jährige Amerikaner wandelt zeit seiner Karriere zwischen Chaos und Genie, Genialität und Absurdum. Nach zwei gefeierten, aber qualitativ mäßig hochwertigen Auftritten beim Nova Rock kommt „The Hoff“ diese Woche für zwei Einzelkonzerte nach Wien und Linz. Beste Unterhaltung ist jedenfalls garantiert.

So manch ewiges Rätsel der Menschheit wird nie gelöst werden. Gab es zuerst Henne oder Ei? Sind das da am Himmel Flugzeug-Kondensstreifen oder tatsächlich Chemtrails? Hat David Hasselhoff nun die Hauptverantwortung dafür, dass die Berliner Mauer fiel und es seit knapp drei Dekaden die Bundesrepublik Deutschland gibt? So mancher behauptet steif und fest, „The Hoff“ würde tatsächlich glauben, dass er dieses weltpolitische Erdbeben zu verantworten hat - so ganz ohne Selbstironie. Doch auch das ist wenig verwunderlich und passt perfekt in die Vita und Präsenz des 65-Jährigen Superstars, bei dem man seit knapp 40 Jahren eigentlich gar nicht wirklich weiß, warum er ein Superstar ist.

Scooter-Effekt
Überbordendes Talent ist dem Kultstar jedenfalls nirgendwo in die Wiege gelegt worden. Seine Fernsehausflüge bei „Knight Rider“ und „Baywatch“ waren zwar kultig, mit der schauspielerischen Leistung war er aber auch stets Topfavorit auf die „Goldene Himbeere“. Über seine Gesangsleistungen breitet man ohnehin am besten einen Mantel des Schweigens. Fleißige Nova-Rock-Besucher fernab ferngesteuerter „Hoff-Hypnose“ wurden in den letzten Jahren gleich zweimal Zeuge dieses Anti-Talents, das durch seine schamlose Zurschaustellung seines Selbst den umgekehrten Effekt in den Synapsen der Hörer erzeugt: eigentlich ist das alles ja wirklich genial. In hiesigen Breitengraden mag man auch vom Scooter-Effekt sprechen.

Doch Hasselhoff, seit 1996 mit einem Stern auf dem „Walk Of Fame“ in Hollywood ausgestattet, ist ein Spezifikum der besonderen Sorte. Ein Entertainment-Unikat, das als geografisches Pendant zu Arnold Schwarzenegger herangezogen werden kann. Der eine ging in das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, um sich mit beißendem Dialekt, Muskelaufbau und Schauspielinteresse bis zum „Governor“ von Kalifornien hinaufzudienen. Der andere startete seinen globalen Triumphzug inmitten der österreichischen Alpenkulisse - zumindest im musikalischen Sinne. Mit „Night Rocker“, „Crazy For You“ und „David“ gingen gleich drei Studioalbum auf Platz eins in den heimischen Charts, auch die Singles „Looking For Freedom“, „Crazy For You“ und „Do The Limbo Dance“ erfreu(t)en sich hierzulande größerer Beliebtheit als im Rest der Welt. Ob das für oder gegen den Geschmack der Österreicher spricht, sei dahingestellt - immerhin dominiert die hiesigen Bestenlisten auch ein Andreas Gabalier.

Skandale? Egal!
„Vor mehr als 30 Jahren hat meine Musikkarriere in einer kleinen Stadt namens Wiener Neustadt begonnen und mein Vater hat damals noch das Merchandise gemacht“, erinnert sich Hasselhoff zurück, „wir haben dort in einem Zelt gespielt und den furchtbaren Song ,Night Rocker‘ gesungen. Ich hatte aber nirgendwo anders in meiner Karriere auch nur annähernd so viel Erfolg wie hier in Österreich. Ich fühle mich geehrt, bin dankbar dafür und kann nicht aufhören zu lächeln, wenn ich immer wieder zurückkomme.“ Egal was „The Hoff“ auch macht, in Österreich strahlt sein Stern heller als überall anders. Da können auch Skandale oder Skandälchen, die sich während einer so üppigen Karriere unweigerlich ansammeln, nichts ändern. Scheidungsverfahren werden ihm ebenso verziehen wie die schiefe Gesangsstimme oder dereinst alkoholische Ausfälle, die sogar soweit gingen, dass ihn seine Tochter dabei filmte, wie er volltrunken am Boden kriechend einen Burger verdrückte.

Wie kein zweiter vermittelt Hasselhoff einerseits als Sänger, andererseits als Schauspieler ein Gefühl nonchalanter Leichtigkeit. Es geht um die Liebe, das Leben und Gerechtigkeit. Als „Knight Rider“ jagte er mit seinem sprechenden Auto „K.I.T.T.“ die Bösen durch die ganze USA, bei „Baywatch“ rettete er Menschenleben aus den Meeresfluten bei Santa Monica und war nebenbei noch der Idealvater für den pubertierenden Seriensohn Hobie und in seinen Musikvideos spiegelte er mit pompösen Porno-Sonnenbrillen, offenen Hemden und abenteuerlichen Frisuren wie kein Zweiter das Lebensgefühl der dekadenten 80er-Jahre wider. Hasselhoff ist einer der wenigen Prominenten, der sich schon zu Lebzeiten einen Legendenstatus eroberte. Quasi das erste It-Girl, das dem brav arbeitenden Normalbürger zeigte, dass man auch gänzlich ohne großes Talent zum erfolgreichen Weltstar aufsteigen könne.

Mit allem rechnen
Rund 35 Jahre nach seinem Start in eine unvergleichliche Karriere geht Hasselhoff nun endlich wieder dort auf Tour, wo man ihm ehrfürchtig zu Füßen liegt. Es ehrt den 1,93 Meter großen Hünen, dass er seine Show ernster nimmt als jeder einzelne der mehreren Tausend Besucher, wie er uns schon letzten Sommer beim Nova Rock verriet. „Wir haben viel Zeit und Entwicklung in dieses Konzert gesteckt. Die erste Showhälfte ist sehr sexy und wird cool sein, dann kommen der Rock’n’Roll und all die großen Hits.“ Man darf oder muss eben mit allem rechnen. Auch mit kruden Kostümierungen, abgedrehten Tanz-Choreografien und so manch Hoff-typischer Selbstironie, die ihn so angenehm sympathisch aus dem Wulst allzu versteifter Künstlerseelen herausstechen lässt.

Rund zwei Stunden sind für die „Greatest Hits“-Show des 65-Jährigen anberaumt, in der der Trash-Faktor neue Höhen erreicht und garantiert niemand nicht unterhalten werden wird. Dass Hasselhoff zu den drei berühmtesten Menschen der Welt gehört, ist ein unbestätigtes Gerücht. Es mag aber durchaus stimmen, denn nur so ist es zu erklären, dass er am Ende des Konzertabends David Bowies „Heroes“ covert und dabei auf einer Leinwand Bilder vom Fall der Berliner Mauer in die Halle projiziert. Es gibt Selbstvertrauen, Selbstüberschätzung und David Hasselhoff. Ein Mann, der keine Regeln kennt, sämtliche Grenzen (des guten Geschmacks) übertritt und gerade deshalb alle Generationen eint und zu einer einzigen großen Party lädt. Wie könnte man da anzweifeln, dass so jemand die Weltpolitik entscheidend mitgeprägt hat?

Zweimal live
David Hasselhoff spielt diese Woche zwei exklusive Shows in Österreich. Für den Auftritt am 3. Mai im Wiener Gasometer gibt es nur noch vereinzelte VIP-Tickets, tags darauf ist er in der Linzer Arena zu Gast, wofür es noch normale Kaufkarten zu erwerben gibt.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.