Mo, 10. Dezember 2018

Bluttat mit Hackbeil

25.04.2018 17:58

Prozess um Mafia-Mord an Paar endet ohne Urteil

Die Leichen eines chinesischen Paares, die man im Jahr 2000 in Niederösterreich fand, waren grauenhaft zugerichtet - mit einem Hackbeil. Es sollen Mafia-Morde gewesen sein, und das männliche Opfer Konkurrent eines Bandenchefs. Am Mittwoch saß ein heute 35-Jähriger auf der Anklagebank in Wien, der im Alter von 18 Jahren an der Ermordung der damals 19-jährigen Frau beteiligt gewesen sein soll. Er bestritt die Vorwürfe beim Prozess am Mittwoch, ein Urteil gab es nicht …

Unter den Bandenbossen war es wegen Schulden zum Streit gekommen. Da beschloss der eine, sein Konkurrent Haifeng Mao müsse „weg“, ebenso seine Freundin Xiao Lu Chen. Dazu wurde das Paar getrennt: Die 19-Jährige blieb zunächst bewacht in Wien zurück, während ihr Freund in Niederösterreich mit einem Hackbeil ermordet wurde. Dann wurde auch sie nach Niederösterreich gebracht und schließlich brutal getötet: Ihr wurde der Kopf mit einem Hackbeil fast völlig abgetrennt. Die meisten Täter wurden mittlerweile bereits verurteilt. Einer beging Selbstmord, einige sind noch flüchtig.

Der nun Angeklagte (Anwälte Alfred Boran, Nikolaus Rast) war im Vorjahr in Deutschland festgenommen worden. Er hatte für den Bandenboss als Dolmetscher fungiert. Dass er nun vor Gericht landete, ist auf einen ehemaligen Komplizen zurückzuführen, der ebenfalls an der Bluttat beteiligt war. Dieser erkannte den 35-Jährigen auf der Beerdigung seines Stiefvaters wieder. Er verlangte von ihm Schweigegeld, drohte, ihn ansonsten an die Behörden zu verraten. Da der 35-Jährige nicht zahlte, machte der Ex-Komplize seine Drohung schließlich wahr.

„Habe gedacht, dass sie ein paar Watschen kriegt“
Der Beschuldigte soll laut Anklage damals geholfen haben, die Frau zu fesseln und ins Gebüsch zu zerren. Was er jetzt bestreitet. Er sei zwar am Tatort gewesen, räumte er ein, aber im Pkw sitzen geblieben. Und er habe nicht gewusst, dass sie umgebracht werden sollte:
„Ich habe gedacht, dass sie ein paar Watschen kriegt. Ich habe denen nicht zugetraut, dass die der Frau was Schlimmes machen.“

Als er aufgefordert worden sei, mitzufahren, sei er davon ausgegangen, dass sie nur außer Landes gebracht werden sollte. Vom Doppelmord habe er erst am nächsten Tag aus der Zeitung erfahren, erklärte er vor dem Geschworenengericht.

Wahrspruch ausgesetzt, kein Urteil
Auf ein Urteil in dem Prozess wartete man am Mittwoch allerdings vergeblich. Die Geschworenen entschieden letztlich zwar auf Freispruch - sie hatten
 den Mord mit 4:4 Stimmen und damit mit dem knappestmöglichen Quorum zugunsten des Angeklagten verneint -, die drei Berufsrichter setzten das Urteil wegen Irrtums der Laienrichter allerdings aus. Nun muss also ein neu zusammengesetztes Geschworenengericht in der Causa entscheiden. Bis dahin bleibt der Angeklagte in U-Haft.

Silvia Schober, Kronen Zeitung und krone.at

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