Manifest in Frankreich

Initiative kämpft gegen „neuen Antisemitismus“

Ausland
22.04.2018 15:48

Antisemitismus wird in Frankreich zunehmend zu einem Problem. Angriffe auf jüdische Mitbürger häufen sich: Erst vor einem Monat wurde eine 85-jährige Holocaust-Überlebende ermordet und verbrannt (siehe Video). Nun will eine Initiative auf das Dilemma aufmerksam machen. „Jüdische Franzosen sind 25 Mal mehr gefährdet, angegriffen zu werden, als ihre muslimischen Mitbürger“, heißt es in einem dazu veröffentlichten Manifest.

300 Vertreter der französischen Gesellschaft prangern einen „neuen Antisemitismus“ in Frankreich an. In einer am Sonntag in der Zeitung „Le Parisien“ veröffentlichten Erklärung kritisieren sie eine „lautlose ethnische Säuberung“ in einigen Stadtvierteln, die auf eine „islamistische Radikalisierung“ zurückzuführen sei.

Diese Demonstration in Straßburg wurde anlässlich der Ermordung der Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll abgehalten. (Bild: AFP)
Diese Demonstration in Straßburg wurde anlässlich der Ermordung der Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll abgehalten.

Den Medien werfen sie vor, über die Entwicklung zu schweigen. „Wir fordern, dass der Kampf gegen dieses Scheitern der Demokratie, den Antisemitismus, zur nationalen Angelegenheit erklärt wird, bevor es zu spät ist. Bevor Frankreich nicht mehr Frankreich ist“, heißt es in dem Manifest.

Ex-Präsident Sazkozy und Schauspieler Depardieu unterstützen Initiative
Zu den Unterzeichnern gehören Politiker aus dem rechten wie linken Lager wie Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und der ehemalige sozialistische Ministerpräsident Manuel Valls, außerdem Künstler wie der Sänger Charles Aznavour und der Schauspieler Gerard Depardieu, ferner Intellektuelle und Vertreter der jüdischen und muslimischen Gemeinden sowie der katholischen Kirche.

Nicolas Sarkozy (Bild: AFP)
Nicolas Sarkozy
Gerard Depardieu (Bild: APA/EPA/Franck Robichon)
Gerard Depardieu

In der jüngeren französischen Geschichte seien elf Juden „von radikalen Islamisten getötet und zum Teil gefoltert“ worden, erklären die Unterzeichner. Sie verweisen unter anderem auf Ilan Halimi, der 2006 verschleppt und drei Wochen lang gefoltert wurde, die Erschießung von drei Schülern und einem Lehrer vor der jüdischen Schule in Toulouse 2012 und den Anschlag auf den jüdischen Supermarkt Hyper Cacher in Paris 2015

Bei einem Angriff in einem jüdischen Supermarkt wurden vier Geiseln und der Attentäter getötet. (Bild: AFP)
Bei einem Angriff in einem jüdischen Supermarkt wurden vier Geiseln und der Attentäter getötet.

Für Entsetzen sorgte 2017 auch der Fall von Sarah Halimi, die von ihrem muslimischen Nachbarn aus dem Fenster gestoßen worden sein soll, und die Ermordung der 85-jährigen Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll Ende März.

In diesem Sozialbau im Süden von Paris wurde die Holocaust-Überlebende ermordet und verbrannt. (Bild: APA/AFP/Thomas Samson, facebook.com, krone.at-Grafik)
In diesem Sozialbau im Süden von Paris wurde die Holocaust-Überlebende ermordet und verbrannt.

5000 Juden laut Manifest zu Umzug in sichere Gebiete gezwungen
„Jüdische Franzosen sind 25 Mal mehr gefährdet, angegriffen zu werden, als ihre muslimischen Mitbürger“, heißt es in dem Manifest weiter. Rund 50.000 Juden seien zum Umzug gezwungen, weil sie in einigen Städten nicht mehr sicher seien und ihre Kinder nicht mehr zur Schule gehen könnten. Frankreich hat die größte jüdische Gemeinde Europas mit geschätzt rund einer halben Million Mitglieder.

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