Betrugsvorwürfe
Stichwahl in Afghanistan nötig
Jetzt sei nicht die Zeit, über Untersuchungen zu diskutieren, sagte Karzai auf einer Pressekonferenz. Vielmehr müssten Fortschritte hin zu "Stabilität und nationaler Einheit" erzielt werden. Die Afghanen rief er auf, an der zweiten Runde der Wahlen teilzunehmen. Abdullah erklärte sich mit der Stichwahl nach Angaben seines Sprecher einverstanden.
"Würdevolle Kampagne" erwartet
An der Pressekonferenz am Dienstag, die sich um Stunden verzögerte, nahmen auch der UN-Sondergesandte Kai Eide und US-Senator John Kerry teil. Kerry lobte Karzai als "Staatsmann" mit "Leadership" und meinte: "Eine Zeit enormer Ungewissheit ist zu einer großen Gelegenheit gemacht geworden." Eide sagte, er erwarte eine "würdevolle Kampagne" und ein "faires Ergebnis" bei der Stichwahl. Nach der Wahl müssten die afghanische Regierung und die Internationale Gemeinschaft sich zusammensetzen und besprechen, wie die gemeinsame Arbeit verbessert werden könne. "Wir können es besser machen und müssen es besser machen."
Karzai kam nach dem offiziellem Endergebnis auf 49,67 Prozent, wie IEC-Sprecher Noor weiter mitteilte. Er verpasste damit die absolute Mehrheit knapp, was die Stichwahl erforderlich macht. Das Ergebnis von Abdullah werde am Mittwoch auf einer Pressekonferenz verkündet, sagte Noor. Die Verkündung des offiziellen Endergebnisses kam auf den Tag genau zwei Monate dem ersten Durchgang vom 20. August.
Positive internationale Reaktionen
Die internationale Gemeinschaft reagierte positiv auf Karzais Zustimmung zur Stichwahl. Obama betonte, es sei jetzt notwendig, dass alle Teile der Gesellschaft in Afghanistan gemeinsam Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit voranbrächten. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte ausdrücklich die Wahlkommission und die Beschwerdekommission, die mehrere zehntausend Stimmen für Karzai für ungültig erklärt und den zweiten Wahlgang ermöglicht hatten.
Auch der britische Premierminister Gordon Brown lobte Karzai. Zugleich sagte Brown, es sei offensichtlich gewesen, dass es beim ersten Wahlprozess vor zwei Monaten "Mängel" gegeben habe. Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der EU-Außenbeauftragte Javier Solana äußerten sich positiv.
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon versicherte, die Stichwahl habe die Unterstützung der Vereinten Nationen. "Wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass die Wahlen so glaubwürdig, transparent und sicher ablaufen wie nur möglich", sagte Ban in New York. "Wir haben eine sehr wertvolle, aber schmerzhafte Lektion bei der ersten Wahl gelernt." NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen teilte aber auch mit, es müssten nun "die nötigen Schritte getan" werden, um sicherzustellen, dass bei der Stichwahl "ein höherer Standard als in der ersten Wahlrunde erreicht" werde. Die NATO werde alles tun, um die Sicherheit beim nächsten Wahlgang zu garantieren.
Zahlreiche Stimmen für ungültig erklärt
Nach dem vorläufigen Ergebnis hatte Karzai im ersten Durchgang rund 55 Prozent der Stimmen erzielt. Bei diesem Ergebnis wäre Karzai direkt wiedergewählt gewesen. Die von der UNO unterstützte afghanische Wahlbeschwerdekommission hatte am Montag jedoch die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wegen Betrugs für ungültig erklärt. Die endgültige Entscheidung musste aber die IEC treffen, die als Karzai-freundlich gilt.
Zuvor war der internationale Druck auf Karzai angewachsen, einer möglichen Stichwahl zuzustimmen. Es sei "sehr wichtig", dass es einen zweiten Wahlgang gebe, sagte etwa der französische Außenminister Bernard Kouchner. Dies wäre ein "Demokratiebeweis".
Weiteres Sinken der Wahlbeteiligung befürchtet
Die Abhaltung einer Stichwahl am 7. November birgt erhebliche organisatorische Schwierigkeiten. Angesichts des hereinbrechenden Winters und der Gefahr durch Anschläge der Taliban fürchten Beobachter eine noch niedrigere Wahlbeteiligung als die 38,7 Prozent im ersten Durchgang. Zuletzt wurde immer wieder auch über die Bildung einer Einheitsregierung spekuliert, bei der Abdullah in das Kabinett Karzais eingebunden wäre.











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