ÖBB-Pilotprojekt

Alkoholverbot in Regionalzügen steht direkt bevor

Österreich
20.10.2009 12:45
Alkoholkonsum in Zügen - viele Reisende und Pendler fühlen sich dadurch belästigt. Wie berichtet, wollen die ÖBB das Problem nun mit neuen Maßnahmen in den Griff bekommen. Am Dienstag wurden Details bekannt gegeben: Geplant ist demnach ein Alkoholverbot im Regionalverkehr. In anderen Zügen und in Speisewagen darf hingegen munter weiter getrunken werden.

Thomas Berger, Sprecher der ÖBB-Holding, kündigte am Dienstag das Pilotprojekt rund ums Alkoholverbot an. Es soll zunächst in zwei Bundesländern gelten. Welche das sein werden, steht aber noch nicht fest. "Es geht um den Alkoholkonsum im Regionalverkehr und die damit verbundene Belästigung anderer Passagiere. Die neuen Bestimmungen gelten aber nicht für den Reiseverkehr und für das Gastronomie-Angebot in den Zügen", so Berger.

Kontrollieren, abmahnen, strafen
Berger: "Die Kunden haben sich bei uns über Verschmutzung, Lärm und Belästigung durch Betrunkene beschwert." Man werde nun auf einzelnen Strecken an bestimmten Tagen kontrollieren, abmahnen und in weiterer Folge auch strafen. Wann das Projekt starten soll, ist noch unklar. Die ÖBB müssen noch die Details neuer Bestimmungen ausarbeiten.

Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) sah unterdessen keinen Grund für eine gesetzliche Regelung in Sachen Alkoholverbot in den ÖBB-Zügen. Es gäbe jetzt schon, wie in der Gastronomie, auch in der Bahn die Möglichkeit, an Betrunkene keinen Alkohol auszuschenken, sagte Bures vor dem Ministerrat am Dienstag. Die Fahrgäste sollten jedenfalls nicht von Alkoholisierten belästigt werden.

Alkoholverbot in Deutschland bald schon Realität
Die Diskussion um ein Alkoholverbot nahm ihren Anfang bei der deutschen Privatbahn "Metronom", die in Niedersachsen zehn Millionen Passagiere pro Jahr befördert. Diese will ab 15. November ein Alkoholverbot in ihren Zügen einführen. Laut Berger stellt auch die Deutsche Bahn Überlegungen in dieser Richtung an.

"Verbote nützen nichts, wenn man sie nicht umsetzen kann"
Kritisch äußerte sich dazu allerdings die deutsche Bahngewerkschaft GDBA: Es sei gut und richtig, dass man darüber nachdenke, wie die Sicherheit in Zügen verbessert werden könne, sagte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel laut AFP am Dienstag im Morgenmagazin des ZDF. Allerdings stehe nicht genügend Personal zur Verfügung, um ein Alkoholverbot zu kontrollieren. "Verbote helfen wenig, wenn man sie nicht umsetzen kann", sagte Hommel.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte zuvor ein teilweises Verkaufsverbot von Alkohol an Bahnhöfen gefordert. "Es muss über ein Verkaufsverbot von Alkohol an Bahnhöfen, wenn zum Beispiel Fußballchaoten zu den Spielen unterwegs sind, nachgedacht werden", sagte Gewerkschaftschef Konrad Freiberg der "Bild"-Zeitung vom Montag. Zudem müsse kontrolliert werden, dass Fahrgäste keinen Alkohol mit in die Bahnen nähmen. Eine Bahn-Sprecherin erklärte in Berlin zu der GdP-Forderung, die Bahn stehe der Diskussion um ein Alkohol-Verbot im öffentlichen Nahverkehr offen gegenüber.

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