Mi, 15. August 2018

Zahlungsverzug

08.03.2018 16:58

Bei -12°C: EVN ließ Hotel stundenlang frieren

Die Kältewelle war am Höhepunkt. Es hatte minus zwölf Grad, alle 40 Zimmer im Stadthotel in Deutsch-Wagram waren voll belegt. Plötzlich standen am Abend des 26. Februar Scharen von Gästen an der Rezeption. Das Gebäude war eiskalt, es gab weder Warmwasser noch Heizung. Die niederösterreichische EVN hatte wegen Zahlungsverzugs das Gas abgedreht – trotz des ausgerufenen Abschaltstopps während der extremen Kälte. Mehrere Stunden lang mussten die Gäste frieren.

Das Hotel war immer wieder in Zahlungsschwierigkeiten geraten, war aber im Begriff, die Schulden abzuzahlen. Etwa 1000 Euro waren am 26. Februar noch offen, als die Gasversorgung des Hotels abgeschaltet wurde. 50 bis 60 Gäste waren zu dem Zeitpunkt im Hotel, Ausweichmöglichkeiten gab es im kleinen Deutsch-Wagram keine.

„Müssen tun wir gar nix“
Als der Hotelbetreiber am 26. Februar um 19.20 Uhr bei der EVN anrief und sie eindringlich bat, das Gas wieder einzuschalten, kam erst eine lapidare Antwort zurück. „Müssen tun wir gar nix“, hieß es beim Störungsdienst. Nach einer Stunde wurde das Gas dann wieder eingeschaltet. Weil die Heizung aber über einen Boiler läuft, dauerte es weitere zwei Stunden, bis die Temperaturen im Gebäude wieder erträglich wurden.

Am selben Morgen hatte die EVN öffentlich versichert, keine Abschaltungen durchführen zu wollen, solange die Kältewelle anhielt. Dem Unternehmen war offenbar ein Kommunikationsfehler unterlaufen: Als der Techniker die Abschaltung durchführte, hatte er vom ausgerufenen Abschaltstopp noch nichts erfahren.

Hotelbetreiber Ali Shamkhani weiß, dass zum Zeitpunkt der Abschaltung offene Rechnungen zu begleichen gewesen waren. Dass ein Hotel im Jänner oder Februar weniger Geld habe, sei saisonbedingt. Er sieht durch die Aktion aber die Gesundheit seiner Gäste gefährdet. 

Damita Pressl
Damita Pressl

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