Do, 13. Dezember 2018

„Krone“-Interview

08.03.2018 06:00

Frau Minister, warum brauchen wir den Frauentag?

Mit radikalen Feministinnen à la Alice Schwarzer hat Juliane Bogner-Strauß wenig gemeinsam. Sie gilt als Pragmatikerin, ist Wissenschaftlerin in einer Männerdomäne, dreifache Mutter – und Frauenministerin. Im „Krone“-Interview spricht sie über die gewaltige Einkommensschere, das Binnen-I, die Quote und warum sie das Frauenvolksbegehren nicht unterschreibt.

„Krone“: Frau Minister, wozu brauchen wir den heutigen internationalen Frauentag?
Juliane Bogner-Strauß: Darüber habe ich mir heute tatsächlich schon länger Gedanken gemacht. Wir brauchen diesen Tag ganz dringend, in Europa und in Amerika, auf anderen Kontinenten aber noch viel mehr. Wir sind weit von der Gleichstellung entfernt, und an einem Tag wie heute wird die Bewusstmachung erhöht.

Die ungleiche Bezahlung und andere Benachteiligungen sind schon lange ein Thema. Viele haben den Eindruck, dass sich nichts verbessert.
In den vergangenen Jahren hat sich wirklich nichts verbessert. Österreich ist bei der Einkommensschere das fünftschlechteste Land in Europa. Nur ein Viertel der Frauen weiß über die Einkommensberichte, die die Lohnunterschiede transparent und bekämpfbar machen sollen, Bescheid. Wir müssen hier noch viel Bewusstsein schaffen.

Hat da nicht auch die Politik versagt? Erst vor wenigen Tagen zeigte eine Analyse der Statistik Austria, dass der Unterschied zwischen den mittleren Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern 38 Prozent beträgt.
Die Betriebe sind angehalten, die Einkommensberichte besser publik zu machen. Es gibt leider auch immer eine Neiddebatte. Kaum jemand spricht über sein Einkommen. Wenn wir uns diesbezüglich mehr austauschen würden, würde das einiges erleichtern. Und wenn mehr Frauen in Führungspositionen sitzen, ändert sich da auch etwas.

Die Frauenquote ist umstritten. Sind Sie dafür?
Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der staatsnahen Unternehmen liegt mittlerweile bei 46 Prozent. Das ist ein wirklich guter Schritt. Ich sage ganz dezidiert Ja zur Quote, aber es ist auch klar, dass 50 Prozent quer über alles drüber nicht machbar ist. Das gilt vor allem in die andere Richtung, etwa in Schulen oder im Pflegebereich.

Sie werden das Frauenvolksbegehren nicht unterschreiben. Wieso?
Es gibt viele Gemeinsamkeiten, die wir umsetzen wollen. Vielleicht auf anderen Wegen. Aber es gibt einige Punkte, die ich einfach nicht unterschreiben kann, wie die starre 50-Prozent-Quote für alle Bereiche oder die 30-Stunden-Woche.

Wie stehen Sie zum Gendern, zum Binnen-I oder zur nicht mehr ganz so neuen Bundeshymne?
Die Bundeshymne, so wie sie jetzt ist, ist großartig. Es geht darum, ein Zeichen zu setzen. Ich versuche auch stets bei der Sprache zu gendern, das schafft Bewusstsein. Meine Kinder wachsen ganz natürlich damit auf.

Hat #metoo etwas verändert?
Ich weiß nicht, ob sich jetzt schon etwas verändert hat. Die Diskussion ist sehr breit getragen, und es ist traurig, dass es im Jahr 2018 so etwas braucht. Aber es wird sich etwas bewegen. Frauen wollen kein Opfer sein, da ist es natürlich schwierig, sich laut zu äußern und es zuzugeben, dass man in einer Rolle ist, die man nicht will. Nicht nur in diesem Punkt brauchen wir Solidarität und Frauen, die zusammenstehen.

Wie lange werden wir den Frauentag noch brauchen? Oder anders gefragt: Wann wird es die Gleichberechtigung geben?
Laut Statistik werde ich das nicht erleben, denn das soll angeblich in 100 bis 170 Jahren so weit sein. Vielleicht erleben es aber meine Kinder schon. Sich hinzustellen und laut zu sein, hilft auf jeden Fall. Und wenn wir den Frauentag nicht mehr brauchen, weil wir die komplette Gleichberechtigung erreicht haben, sollten wir ihn dann zelebrieren.

Doris Vettermann, Kronen Zeitung/krone.at

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