Mi, 20. März 2019
08.10.2009 11:19

Explosion in Panzer

Fehlerhafter Granaten-Zünder ist schuld am Unfall

Nach einer durchgearbeiteten Nacht hat die Untersuchungskommission des Bundesheeres die Ursache des tödlichen Schieß-Unfalles in einer Panzerhaubitze am Mittwoch in Allentsteig (Niederösterreich) ermittelt: Es lag offenbar ein technisches Gebrechen am Zünder der explodierten Granate vor. "Es war kein menschliches Versagen", sagte Generalleutnant Günter Höfler am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Bei der Explosion im Inneren des M-109-Geschützes wurde Mittwochmittag auf dem niederösterreichischen Truppenübungsplatz ein 20-jähriger Korporal aus dem Südburgenland getötet, ein 19-jähriger Grundwehrdiener aus der Steiermark schwer verletzt. Im Panzer saßen insgesamt fünf Soldaten, die übrigen drei blieben unverletzt. Sie erlitten aber einen schweren Schock.

Granate nur zum Teil explodiert
Den bisherigen Erkenntnissen nach detonierte der Zünder, als die Granate noch im Laderaum war. Es gebe eigentlich eine zweifache Sicherung, die hätte jedoch versagt, so Höfler. Die Granate dürfte aber nur zum Teil explodiert sein. Wäre sie vollständig detoniert, so hätte die Explosion "niemand überlebt", meinte der Generalleutnant bei der Pressekonferenz.

Die übrigen Soldaten habe vor allem die funktionierende Explosionsunterdrückungsanlage in der Panzerhaubitze geschützt.

Verletztem Rekruten stehen Nachoperationen bevor
Der schwer verletzte 19-jährige Grundwehrdiener war am Mittwoch mit dem Hubschrauber "Christophorus 2" nach St. Pölten geflogen worden. Er befindet sich außer Lebensgefahr und wurde bereits aus der Intensivstation entlassen, hieß es am Donnerstag.

"Er hat Verletzungen an beiden Händen", so Höfler. Bis zu einer vollständigen Genesung dürften mehrere Nachoperationen nötig sein. Der Präsenzdienst ist für den jungen Steirer jedenfalls zu Ende.

Zünder aus gleichem Baujahr für Verwendung gesperrt
Der getötete Soldat und sein verletzter Kamerad waren die Richt- und Ladeschützen der Panzerbesatzung, hatte Bundesheer-Sprecher Oberst Michael Bauer am Mittwoch im krone.at-Gespräch erklärt. In der Panzerhaubitze befördern Schützen die Granaten händisch in die Abschussvorrichtung, der Schuss wird mit einem Ruck an einer Schnur ausgelöst. Eine Panzerhaubitze M-109 war übrigens auch bei der "Granatenpanne" in Allentsteig im September im Einsatz.

Die Munition, die am Mittwoch benützt wurde, war der Kommission zufolge nicht zu alt. Der Zünder stammt aus dem Jahr 1993 und hätte erst 2023 aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Wie viele dieser Modelle beim Bundesheer im Einsatz sind, wollte man "aus militärischen Gründen" nicht sagen. Es seien aber alle Zündertypen aus dem gleichen Baujahr zwecks weiterer Überprüfung gesperrt worden. Ob das Bundesheer eine Klage gegen die Herstellerfirma einbringen wird, wollte man noch nicht sagen. "Wir müssen die genauen Ergebnisse der Untersuchung abwarten", sagte Höfler.

"Ab nächster Woche wird wieder scharf geschossen"
Bei den Soldaten und den Bürgern in Allentsteig will man sich indes bemühen, wieder "Vertrauen in das Gerät" herzustellen. Am Donnerstag in der Früh wurden "ohne Probleme" die restlichen fünf Granaten abgefeuert, die sich noch in dem betroffenen Panzer befanden. Übers Wochenende schweigen die Waffen. "Ab nächster Woche wird aber wieder scharf geschossen", so Höfler.

Ingesamt 280 Soldaten des in den steirischen Garnisonen Feldbach und Fehring stationierten Aufklärungs- und Artilleriebataillon 7 übten seit 1. Oktober in Allentsteig, es waren Schul- und Gefechtsschießübungen geplant. Die Übungen waren nach dem Unfall zunächst abgebrochen worden.

Unfälle bei Großübung im August
Erst Ende August hatte es während der Großübung "Handwerk 09" in Allentsteig bei einem Zusammenstoß zweier Schützenpanzer vier Verletzte gegeben. Während der Übung hatte sich auch ein Unfall mit einem Truppentransporter ereignet, bei dem vier oberösterreichische Soldaten Verletzungen erlitten.

Den letzten Todesfall bei einer Truppenübung in Allentsteig gab es im April 2008. Ein Schützenpanzer war von der Straße abgekommen, hatte einen Holzstapel touchiert und war schließlich auf dem Dach zum Liegen gekommen. Ein 23-jähriger Kadersoldat wurde getötet.

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