Fr, 22. Juni 2018

Buwog-Prozess

22.02.2018 16:44

Von Petrikovics „belogen und in die Irre geführt“

Am Donnerstag ist der Buwog-Strafprozess mit der Einvernahme des ehemaligen Immofinanz-Managers Christian Thornton fortgesetzt worden. Dabei ging Richterin Marion Hohenecker zahlreiche To-do-Einträge, Telefonkonferenzen und auch die Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft durch. Da er damals keine Akteneinsicht hatte, erklärte der Ex-Chef des Rechnungswesens: "Es wäre damals besser gewesen, nichts zu sagen." Seinem ehemaligen Vorgesetzten, Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics, warf Thornton vor, ihn "belogen und in die Irre geführt" zu haben.

Als es um die sich widersprechenden Aussagen von Petrikovics und Thornton ging, wurde der Befragte auch emotional. "Was hat der Herr Petrikovics gegen Sie?", fragte die Richterin. Darauf wusste der ehemalige Manager keine wirklich Antwort, konnte nur mutmaßen: weil dieser die Verantwortung abschieben wolle. Er sei aber entgegen den Angaben seines Ex-Chefs bei keinen entscheidenden Abschlussverhandlungen des sogenannten Österreich-Konsortiums während des Kaufprozesses der Bundeswohnungen dabei gewesen.

Thornton will auch die Vereinbarungen zwischen dem von der Immofinanz angeheuerten damaligen Lobbyisten Peter Hochegger und Petrikovics bezüglich der Vermittlungsprovisionsaufteilung über den Verkauf des Bundeswohnungsanteils ESG nicht gekannt haben. Den sogenannten Geschäftsbesorgungsvertrag, der bei einem Notar auflag, kannte er ebensowenig. Thornton betonte, er habe lediglich Anweisungen seines Chefs durchgeführt und die Kommunikation zwischen den beiden Partnern ermöglicht.

Anweisungen über Telefon auch zu ungewöhnlichen Tageszeiten
Anweisungen habe sein Chef oft auch aus dem Urlaub und wegen der Zeitverschiebung zu ungewöhnlichen Tageszeiten gegeben. Dabei seien die Anrufe mit unterdrückter Nummer erfolgt. Erst 2007 habe er schließlich eine der Handynummern Petrikovics' erhalten, erläuterte Thornton. Bei mangelnder Information habe er dem Chef vertraut bzw. habe man auch nicht oft nachfragen dürfen, denn das Arbeitsklima sei ziemlich angespannt gewesen bei der Immofinanz. Petrikovics sei damals ein anerkannte Manager gewesen, der durchaus "beinhart" agiert habe. "Wenn man bei Petrikovics nachgefragt hat, hat man sich entweder anschreien lassen müssen oder den Job verloren", sagte Thronton.

Im Zuge seiner Zusammenarbeit mit Hochegger hatte der Manager laut eigenen Angaben den Eindruck gewonnen, dass hinter dem Lobbyisten "eine kleine Gruppe von Leuten" oder "ein Netzwerk" gestanden hatte. Er habe diese Schlussfolgerungen gezogen, weil Hochegger ihm einmal im Zuge der Abwicklung der Millionenprovision eine E-Mail geschickt habe mit Verweis auf seine ungeduldigen Projektpartner, sagte Thornton. Diese "Gruppe" hinter Hochegger bestand laut Anklage aus Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger und Ernst Karl Plech.

Manager will nur "Bote" gewesen sein
Bereits am Vortag hatte Thornton versucht, seine eigene Rolle bei der Bezahlung der Millionenprovision an Hochegger kleinzureden: "Ich war schlicht ein Bote", sagte er. Er habe immer nur im Auftrag seines ebenfalls angeklagten Chefs Petrikovics gehandelt. Thornton hatte die Provision ausgezahlt, die laut Anklage schlussendlich an die ebenfalls angeklagten Grasser, Meischberger und Plech weitergeleitet wurde.

Im Detail sah die Provisionszahlung so aus: Die Rechnungen für Hochegger als "Sub-Makler", die Thornton abwickeln musste, wurden nicht offiziell verbucht, sondern mittels Scheinrechnungen als angebliche Honorare der Hochegger-Firma Astropolis für Immoeast-Immobilienprojekte in Osteuropa von der "Zahlstelle" der Constantia Privatbank abgerechnet. Im Zuge dieser Rechnungslegungen wurden sogar um 300.000 Euro mehr als die vereinbarten 9,6 Millionen Euro überwiesen. Wie das passieren konnte, wollte die Richterin wissen. Thornton erklärte: "Ich kannte die 9,6 Millionen nicht." Die Klärung des Fehlers gelang an dieser Stelle nicht, was die Richterin wunderte, da Petrikovics ja als sehr genauer Vorgesetzter galt, der sich angeblich über entdeckte Fehler "freute".

Thornton, der sich zu den Anklagepunkten Untreue und Bestechung nicht schuldig bekennt, hatte die Ermittlungen rund um die Causa Buwog erst richtig ins Rollen gebracht. Sein Anwalt habe nach der ersten Einvernahme und den darauffolgenden Medienberichten geraten, aktiv auf die Staatsanwaltschaft zuzugehen, sagte er. Der Ex-Manager ist nach dem teilgeständigen Lobbyisten Hochegger sowie Petrikovics und dem ehemaligen Vorstandsmitglied der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Georg Starzer, der vierte Angeklagte, der in diesem Prozess befragt wird. Der Hauptangeklagte Grasser muss weiter auf seine Einvernahme warten.

Richterin lässt sich nicht in die Karten blicken
Wie es nach dem vierten Angeklagten, dessen Befragung wohl auch die nächsten Prozesstage in Anspruch nehmen wird, weitergeht, ließ sich die Richterin am Donnerstag nicht entlocken. Grassers Anwalt Manfred Ainedter erkundigte sich und erhielt lediglich folgende Antwort: "Wie es der Prozessfahrplan nach der Strafprozessordnung vorsieht." Das sei eine "schön verpackte Nicht-Information", scherzte Hohenecker.

Gabor Agardi
Gabor Agardi

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