Fr, 20. Juli 2018

Durchnässt verhaftet:

20.02.2018 05:00

Flucht über den Inn nach Muttermord

Schwamm der Mordverdächtige, nachdem er seine Mutter erwürgt hatte, gar durch den eisigen Inn? Jener 28-jähriger Student soll in Polling seine Mutter (63) ermordet haben. Dann flüchtete er in den niederbayrischen Ort Malching, wo er sich völlig durchnässt widerstandslos festnehmen ließ. Vorm Inn-Übergang hatte er in Mining den vom Bruder gestohlenen Pkw stehen lassen, war dann zu Fuß geflüchtet.

„Wir verstehen nicht, wie das passieren hat können – der Matthias ist ein extrem sensibler Mensch, er war immer total liebenswürdig“, sagt Ilse Sch., die Tante des Verdächtigen und Schwester des Opfers. Der Mord dürfte im Badezimmer der Witwe Eleonore Sch. stattgefunden haben. Sohn Matthias (28), der in Nürnberg lebt, war seit dem Wochenende bei der Mama (63) zu Besuch, soll sie dort erwürgt haben.

Anruf bei Bruder
„Er hat dann seinen Bruder angerufen und gesagt, dass mit der Mutter etwas passiert sei“, erklärt Alois Ebner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ried.

Sohn versuchte Mutter zu retten
Der ältere Sohn Johannes (31) fand die leblose Mutter, versuchte sofort, sie wiederzubeleben. Seine Reanimationsversuche blieben jedoch erfolglos, auch ein Notarzt konnte der Frau nicht mehr helfen. Matthias Sch. (die Unschuldsvermutung gilt) schnappte sich unterdessen den Autoschlüssel des Bruders und flüchtete mit dessen grauem Mercedes CLA, einem Firmenauto mit Passauer Kennzeichen, in Richtung Deutschland. Das Auto wurde später bei Mining sichergestellt, wo der Student zu Fuß ein Innkraftwerk überquert (s. Grafik) oder den Inn durchschwommen hatte, da er durchnässt war.

Widerstandslose Festnahme
Nicht einmal eine Stunde später konnte der Verdächtige im bayrischen Malching festgenommen werden, wo Bruder Johannes lebt. Der 28-Jährige leistete keine Gegenwehr und wurde zur Einvernahme, an der auch Beamte des Landeskriminalamtes OÖ teilnahmen, nach Passau gebracht.

Auslieferung beantragt
„Wir haben einen Auslieferungsantrag gestellt. Sollte dem stattgegeben werden, wird es nicht lange dauern, bis der Verdächtige überstellt ist“, so Ebner.

Psychose als Hintergrund
Der mutmaßliche Täter dürfte an einer Psychose leiden und auch entsprechend behandelt worden sein. Das bestätigt auch Tante Ilse Sch. Zuletzt dürfte bei Matthias Sch. wieder eine Verschlechterung eingetreten sein: „Man hat gemerkt, dass er Probleme hat.“

Nachbarn schockiert
Davon merkten die Nachbarn nichts. „Es macht mich sprachlos, wir haben nie mitgekriegt, dass er gegenüber der Mutter aggressiv geworden wäre“, sagt Musikschullehrer Herbert Pomarolli, der vis-a-vis wohnt. Josef Lindlbauer, der Eleonore Sch. vor eineinhalb Jahren das Grundstück verkauft hat, als sie nach dem Tod des Gatten von Malching nach Polling zog: „Das schockt mich total – dass so was passiert, war unvorhersehbar.“

Jürgen Pachner/Kronen Zeitung

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