Atomgespräche

Iran will wieder IAEO-Inspektoren zulassen

Ausland
01.10.2009 20:37
Die fünf UNO-Vetomächte und Deutschland haben sich am Donnerstag bei den Atomgesprächen in Genf mit dem Iran darauf geeinigt, Uran für das Land im Ausland anzureichern. Nach Angaben von EU-Chefdiplomat Javier Solana bekundeten die Gesprächspartner ihre grundsätzliche Zustimmung, dass "im Iran schwach angereichertes Uran für die weitere Anreicherung in andere Länder exportiert" werden soll. Der radioaktive Stoff soll demnach in einem Forschungsreaktor eingesetzt werden. Teheran deutete zudem an, IAEO-Inspektoren in seine neue Fabrik zu lassen.

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hatte bereits vor den Gesprächen vorgeschlagen, sein Land könne um 19,75 Prozent angereichertes Uran für medizinische Zwecke im Ausland einkaufen.

ElBaradei kündigt Iran-Reise an
Nach Solanas Angaben wird der Iran zudem "in den kommenden Wochen" Inspektoren der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) den Zugang zu der zweiten Atomanlage zur Urananreicherung nahe der Stadt Ghom (Qom) ermöglichen. Darüber hinaus habe man sich geeinigt, die Gespräche über das Atomprogramm des Landes zu intensivieren.

Die IAEO teilte indes mit, dass der Generaldirektor der UNO-Atombehörde "bald" auf Einladung der iranischen Behörden nach Teheran reisen werde. Mohamed ElBaradei werde dort "eine Reihe von Fragen erörtern", hieß es in einer Pressemitteilung der IAEO am Donnerstagabend.

Hillary Clinton: "Produktiver Tag"
Eine positive Bilanz der Genfer Gesprächsrunde zog US-Außenministerin Hillary Clinton. Es habe sich um einen "produktiven Tag" gehandelt, teilte Clinton in Washington mit. Allerdings wolle man nun noch konkrete Schritte vonseiten des Iran sehen, betonte sie. "Wir müssen jetzt darauf warten, wie schnell der Iran reagiert", sagte die US-Chefdiplomatin.

Frankreich drängt auf Beweise
Ähnlich äußerte sich der französische Unterhändler bei den Genfer Gesprächen, Jacques Audibert. Teheran müsse zunächst einmal innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Inspektion seiner neuen Atomanlage erlauben, sagte Audibert. "Die Zeit drängt. Wir müssen einen Beweis für die tiefgreifende Veränderung des iranischen Atomprogramms haben".

Iran pocht auf friedliche Nutzung der Atomkraft
Der iranische Chefunterhändler Said Jalili (Bild) bekräftigte indes neuerlich das Recht seines Landes auf friedliche Nutzung der Atomkraft. "Wir stehen zu unseren Verpflichtungen im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags (NPT), gleichzeitig schreiten wir aber voran und halten an unseren nuklearen Rechten im Rahmen des NPT fest", sagte Jalili nach der Genfer Gesprächsrunde vor Journalisten.

Obama warnt Teheran vor Verzögerungstaktik
US-Präsident Barack Obama hat indes im Atomstreit den Druck auf Teheran erhoht. Der Iran müsse Inspektoren der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) innerhalb von zwei Wochen ungehinderten Zutritt zu seiner kürzlich entdeckten Atomanlage in Ghom erlauben, sagte Obama am Donnerstagnachmittag in Washington. Nach der Annäherung bei den Genfer Gesprächen der Sechser-Gruppe mit dem Iran warnte Obama das Land vor einer Verzögerungstaktik im Atomstreit. "Die Geduld der USA mit dem Iran ist nicht unbegrenzt."

Der Iran habe in Genf "eine klare und einheitliche Botschaft der internationalen Gemeinschaft" zu seinem Atomprogramm vernommen, betonte der US-Präsident. Das Treffen sei ein "konstruktiver Anfang" gewesen. Teheran müsse nun "konkrete Schritte" setzen und unter Beweis stellen, dass sein Atomprogramm friedlicher Natur ist. "Wir reden nicht um den Redens willen mit dem Iran", sagte Obama. Washington sei bereit, "den Druck auf den Iran zu erhöhen", falls es keine Fortschritte in den Atomgesprächen gebe. 

Iran mit neuer Urananreicherungsanlage
Den Gesprächen in Genf war ein wochenlanges Tauziehen vorausgegangen. Erst vor wenigen Tagen hatte der Iran zugegeben, an einer zweiten Urananreicherungsanlage zu bauen. Die Anlage kann nach Ansicht von Experten aufgrund ihrer technischen Konzeption auch für die Produktion von kernwaffenfähigem Material genutzt werden.

Wenige Tage später starteten die iranischen Revolutionsgarden ein Manöver, bei dem Mittelstreckenraketen getestet wurden. Die Raketen mit einer Reichweite von 2.000 Kilometern können auch Israel und US-Militärstützpunkte in der Region erreichen (siehe dazu Storys in der Infobox). Gleichzeitig drohte der Iran mit Vergeltung, sollte Israel einen Militärschlag gegen seine Atomanlagen führen.

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