28.12.2017 13:25 |

Reichelt Fünfter

Erstmals seit 21 Jahren kein ÖSV-Stockerlplatz

Drei Österreicher in den Top-Ten - und doch hat die Abfahrt von Bormio am Donnerstag eine unangenehme Rarität zutage gefördert: Erstmals seit 21 Jahren schaffte es auf der berüchtigten "Stelvio" kein ÖSV-Läufer aufs Podest. Hannes Reichelt wurde als bester Österreicher Fünfter. Der Sieg ging in einem wahren Hundertstel-Krimi an Dominik Paris.

Der Südtiroler markierte in 1:56,95 Minuten Bestzeit und distanzierte den zweitplatzierten Aksel-Lund Svindal um ganze vier Hundertstel-Sekunden. Svindals norwegischer Teamkollege Kjetil Jansrud landete mit 17 Hundertstel-Sekunden Rückstand auf dem dritten Platz. Für Paris war es der erste Podestplatz seit dem Weltcup-Finale der vergangenen Saison in Aspen, wo er die Abfahrt gewonnen und im Super-G Platz zwei belegt hatte. "Es war nicht so eine schlechte Fahrt. Ein paar Fehler habe ich gehabt, aber ich glaube, ich habe den Schwung ganz gut mitgenommen. Ich bin superhappy, dass ich wieder einmal vorne bin", sagte Paris im ORF-Interview. "Ich fühle mich wohl da", fügte er nach seinem zweiten Sieg auf der Stelvio hinzu.

Reichelt (+0,39) konnte mit Platz fünf jedenfalls leben. "Im Starthaus habe ich den Wind schon gespürt, es hat ziemlich den Hang raufgeblasen. Vielleicht war das auch der Grund, warum mir oben die Skier gekommen sind - sonst war die Fahrt nicht schlecht. Für den Sprung krieg‘ ich keine guten Noten. Meine Fahrt war ganz okay", so der ÖSV-Routinier im Zielraum. Unmittelbar hinter ihm landete mit Matthias Mayer (+0,61) ein weiterer Österreicher auf Platz sechs. Der Kärntner ließ bereits im oberen Abschnitt viel Zeit liegen. Im Flachen "muss ich schauen, dass ich ein bisschen schneller werde in den nächsten Rennen", meinte er. "Es ist oben ein relativ aggressiver Schnee, das heißt, dass die Kanten sehr schnell greifen." Mit dem Rest seiner Fahrt sei er zufrieden: "Da bin ich bei den Schnellsten dabei."

Max Franz wurde mit 0,88 Sekunden Rückstand Achter. Damit geht eine stolze Serie für den ÖSV zu Ende: Erstmals seit 1996 steht kein Österreicher in Bormio am Stockerl. Damals war Pepi Strobl beim Sieg von Luc Alphand Fünfter gewesen, so wie Reichelt am Donnerstag. Vincent Kriechmayr (28.) war bis zur vorletzten Zwischenzeit schneller unterwegs als Paris, kassierte dann durch einen schweren Fehler aber noch knapp zweieinhalb Sekunden Rückstand. Nachdem es am Vortag heftig geschneit hatte, waren die Pistenarbeiter am Vormittag intensiv beschäftigt, wodurch sich der Start des Rennens um eine Dreiviertelstunde nach hinten verschob. Die Ideallinie war jedoch durch Neuschnee praktisch nicht beeinträchtigt. "Die Piste ist in einem perfekten Zustand", lobte Paris sogar.

Svindal durfte auch nach der vierten Abfahrt der Saison auf dem Podest jubeln. Vor Bormio, das erstmals seit 2013 wieder im Weltcup-Kalender stand, hatte er in Beaver Creek und Gröden trotz Knieschmerzen zwei Siege en suite gefeiert. Diesmal war Paris im untersten Abschnitt einen Hauch schneller. "Ich glaube, Paris ist gut gefahren, und ich bin nur vier Hundertstel hinten. Also so schlecht war es sicher nicht. Es war schon gut", analysierte der Norweger, der vor zwei Tagen seinen 35. Geburtstag gefeiert hatte. "Der Schnee ist ein bisschen komisch", meinte er allerdings. "Es ist hart, aber wenn man auf den Ski drückt, dann bremst es trotzdem ein bisschen durch diesen Neuschnee. Vielleicht war ich teilweise ein bisschen hart auf den Karten." Sein rechtes Knie habe er diesmal nicht so stark gespürt.

"Es ist jetzt besser, als es in Gröden war. Ich war gespannt auf Bormio, das ist oft für den Körper nicht so schön zum Fahren. Aber es war heuer Gott sei Dank ein bisschen schöner als vor vier Jahren", befand Svindal, der wieder einmal schneller war als sein Kumpel Jansrud. Der war mit Platz drei auf einer Strecke, die ihm in der Vergangenheit nie Glück gebracht hatte, dennoch glücklich. "Es ist eigentlich eine Strecke für die Italiener, und auch die Österreicher sind immer schnell. Ich bin zufrieden und ganz happy mit dem Skifahren", meinte der passionierte Liverpool-Fan. Vierter wurde Weltmeister Beat Feuz aus der Schweiz.

Der Deutsche Dominik Schwaiger kam mit Startnummer 47 zu Sturz wurde mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert. Der 26-Jährige hatte bei einem Sprung in der Luft das Gleichgewicht verloren und war nach der Landung mit einem Bein mehrfach hart auf die Piste geprallt. Womöglich noch schlimmer erwischte es den Franzosen Matthieu Bailet, der sich bei einem Sturz laut dem Veranstalter eine Schulterluxation und mehrere Brüche in einem Schultergelenk zuzog. Für den 21-Jährigen aus Nizza war es das erste Rennen auf der Stelvio-Piste.

Das Ergebnis:
1. Dominik Paris (ITA)           1:56,95 Minuten
2. Aksel Lund Svindal (NOR)      +0,04 Sekunden
3. Kjetil Jansrud (NOR)          +0,17
4. Beat Feuz (SUI)               +0,31
5.
Hannes Reichelt (AUT)         +0,39
6. Matthias Mayer (AUT)          +0,61
7. Adrien Theaux (FRA)           +0,85
8. Max Franz (AUT)               +0,88
9. Patrick Küng (SUI)            +1,03
10. Manuel Osborne-Paradis (CAN)  +1,12
10.
Aleksander Aamodt Kilde (NOR) +1,12
12. Thomas Dreßen (GER)           +1,16
13. Peter Fill (ITA)              +1,29
14. Christof Innerhofer (ITA)     +1,31
14. Mauro Caviezel (SUI)          +1,31
16. Bryce Bennett (USA)           +1,34
17. Otmar Striedinger (AUT)       +1,68
18. Jared Goldberg (USA)          +1,69
19. Marc Gini (SUI)               +1,83
20. Gian Luca Barandun (SUI)      +1,87
21. Urs Kryenbühl (SUI)           +1,99
22. Nicolas Raffort (FRA)         +2,04
23. Johan Clarey (FRA)            +2,07
24. Wiley Maple (USA)             +2,16
25. Brice Roger (FRA)             +2,19
26. Romed Baumann (AUT)           +2,22
26. Gilles Roulin (SUI)           +2,22
28. Vincent Kriechmayr (AUT)      +2,35
29. Bostjan Kline (SLO)           +2,42
30.
Andreas Sander (GER)          +2,43
Weiters:
33. Christian Walder (AUT)        +2,56
46.
Frederic Berthold (AUT)       +3,73
Ausgeschieden:Markus Dürager (AUT), Dominik Schwaiger (GER), Guillermo Fayed (FRA), Travis Ganong (USA), Matthieu Bailet (FRA)

Der Stand im Gesamtweltcup:
1. Marcel Hirscher (AUT)         534 Punkte
2. Henrik Kristoffersen (NOR)    505
3. Aksel Lund Svindal (NOR)      454
4. Kjetil Jansrud (NOR)          405
5. Beat Feuz (SUI)               316
6. Max Franz (AUT)               303
7. Alexis Pinturault (FRA)       287
8. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 284
9. Matthias Mayer (AUT)          278
10. Dominik Paris (ITA)           272
11. Vincent Kriechmayr (AUT)      259
12. Adrien Theaux (FRA)           216
13. Hannes Reichelt (AUT)         209
14. Matts Olsson (SWE)            198
15. Christof Innerhofer (ITA)     180
Weiters:
19. Manuel Feller (AUT)           163

36. Romed Baumann (AUT)            88
40. Michael Matt (AUT)             74
44. Marco Schwarz (AUT)            63
49. Christian Hirschbühl (AUT)     57
65. Roland Leitinger (AUT)         36
66. Stefan Brennsteiner (AUT)      35
73. Christian Walder (AUT)         26
75. Niklas Köck (AUT)              24
80. Otmar Striedinger (AUT)        22
83. Johannes Kröll (AUT)           20
94. Thomas Hettegger (AUT)         15
106. Marc Digruber (AUT)            10
120. Christoph Krenn (AUT)           4
120. Marcel Mathis (AUT)             4

Der Stand im Abfahrts-Weltcup:
1. Aksel Lund Svindal (NOR)      340 Punkte
2. Beat Feuz (SUI)               262
3. Kjetil Jansrud (NOR)          209
4. Dominik Paris (ITA)           200
5. Matthias Mayer (AUT)          156
6. Max Franz (AUT)               131
7. Thomas Dreßen (GER)           120
8. Adrien Theaux (FRA)           114
9. Christof Innerhofer (ITA)     113
10.
Aleksander Aamodt Kilde (NOR)  97
11. Peter Fill (ITA)               96
12. Mauro Caviezel (SUI)           96
13. Vincent Kriechmayr (AUT)       85
14. Gilles Roulin (SUI)            80
15. Andreas Sander (GER)          
75
Weiters:
16. Hannes Reichelt (AUT)          73
17. Romed Baumann (AUT)            71
27. Otmar Striedinger (AUT)        22
29. Johannes Kröll (AUT)           20
42. Christian Walder (AUT)          4

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