27.12.2017 14:16 |

Angst vor Biowaffen

Überläufer aus Nordkorea ist gegen Milzbrand immun

In Südkorea wächst die Angst vor einem nordkoreanischen Angriff mit biologischen Waffen. Die Sorge ist möglicherweise nicht ganz unberechtigt: Ein heuer aus Nordkorea übergelaufener Soldat hat laut Berichten südkoreanischer Medien Antikörper gegen Milzbrand (Anthrax) im Blut. Für Experten und Militärs ist das ein Beleg für ein Biowaffenprogramm des Regimes von Machthaber Kim Jong Un.

„Die Anthrax-Antikörper wurden bei einem Soldaten gefunden, der heuer übergelaufen ist“, wurde ein anonym bleiben wollender Angehöriger der südkoreanischen Armee in den Medien zitiert. Die Regierung in Seoul wertet den Antikörper-Fund als Beweis dafür, dass das kommunistische Regime im Norden tatsächlich über Anthrax-Kampfmittel verfügt und der Soldat entweder der Krankheit ausgesetzt war oder gegen diese geimpft wurde.

Diese Befürchtung teilt offensichtlich auch die US-Armee. So heißt es in einer Broschüre der amerikanischen Streitkräfte: „Für uniformiertes Personal, im Notfall unentbehrliche oder vergleichbare US-Zivilangestellte sind Anthrax-Impfungen bei Reisen oder Verlegungen auf die Koreanische Halbinsel bei 15 oder mehr Tagen verpflichtend.“

Im Gegensatz zu den US-Streitkräften ist die südkoreanische Armee noch nicht im Besitz eines verlässlichen Anthrax-Impfstoffs. Laut Angaben einer Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Seoul wird ein solcher auch vermutlich erst Ende 2019 zur Verfügung stehen, weshalb die Sorge, dass der kommunistische Norden an Biowaffen bastelt, verständlich groß ist.

Milzbrand-Angriffe mit Interkontinentalraketen?
Erst kürzlich berichtete die japanischen Zeitung „Asahi Shimbun“ unter Berufung auf den südkoreanischen Geheimdienst, dass das Regime von Diktator Kim begonnen haben soll, Interkontinentalraketen mit Anthrax zu bestücken.

Anthrax (Milzbrand) ist eine durch Bakterien ausgelöste Erkrankung, die vor allem Huftiere betrifft, aber auch für Menschen höchst gefährlich ist. Das Toxin des Erregers Bacillus anthracis (Bild unten) ist besonders heimtückisch: Wird es eingeatmet, liegt die Todesrate ohne Behandlung bei 90 Prozent.

Menschen infizieren sich extrem selten mit Anthrax, und wenn es geschieht, dann zu 95 Prozent durch Hautkontakt mit erkrankten Tieren oder Teilen davon. Die Inhalation der Bakteriensporen, die in Form von Biowaffen eingesetzt werden können, ist besonders gefährlich.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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