Mo, 20. August 2018

Bombastisch

02.02.2009 16:53

Killzone 2

Der Erfolg einer Konsole steht und fällt mit dem Angebot an Spielen, insbesondere an Exklusiv-Titeln. Sonys noch junge PS3 hat im Vergleich zu Microsofts Xbox 360 diesbezüglich noch Nachholbedarf. Nach "Little Big Planet" steht nun mit dem von vielen Fans bereits sehnsüchtig erwarteten Shooter "Killzone 2" jedoch bereits das nächste Schwergewicht in den Startlöchern. Ende Februar geht der Kampf zwischen der Menschheit und den zerstörerischen Helghast nach rund fünfjähriger Abstinenz in die nächste Runde. krone.at hat den Titel bereits durchgezockt und verrät dir, was dich erwartet.

Der Spieler schlüpft in "Killzone 2" in die Rolle des ISA-Soldaten Seargeant Thomas "Sev" Sevchenko, der gemeinsam mit einem Trupp wilder Kerle keine geringere Aufgabe hat, als die Helghast auf ihrem Heimatplaneten Helghan ein für alle Mal vernichtend zu schlagen. Dass zu bewerkstelligen ist allerdings selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad nicht leicht, denn zum einen sind die Helghast im Heimvorteil, zum anderen agieren sie dank ausgereifter KI überaus clever und wissen nicht nur hinter Deckung Schutz zu suchen, sondern trauen sich auch immer wieder in den Nahkampf, um Sev und seine Kollegen aus der Reserve zu locken.

Glücklicherweise ist der Alpha-Trupp den Aggressoren jedoch nicht schutzlos ausgeliefert und weiß sich mit einer Reihe überwiegend konventioneller Waffen zur Wehr zu setzen. Sev ist standardmäßig mit einem Messer, einer Pistole und Granaten ausgestattet, hinzu kommt eine Wumme nach Wahl. Neben Klassikern wie der Schrotflinte, dem Sniper-Gewehr sowie dem Granat- oder Raketenwerfer stehen auch "Exoten" wie ein Flammenwerfer, ein Bolzenschussgerät oder ein Elektro-Schocker zur Auswahl. Letzterer sucht sich seine Ziele praktisch selbst und verfügt dank Energie-Abzapfungs-Mechanismus über einen unbegrenzten Munitionsvorrat. Leider steht die Blitze-Schleuder allerdings nur kurze Zeit zur Verfügung.

Die Handhabung ist bei allen Waffen gleich, doch anfangs nicht unbedingt einfach. Die Tastenbelegung von "Killzone 2" unterscheidet sich nämlich zumindest geringfügig von anderen Genre-Vertretern: Wird bei diesen normalerweise mit Hilfe der linken Schultertaste gezielt, muss bei "Killzone 2" der rechte Analogstick bemüht werden, um über Kimme und Korn zu zielen. Hinter L2 verbirgt sich dafür die Möglichkeit, Deckung zu suchen. Bei gedrückter L2-Taste kann dann hinter Ecken hervorgeschielt oder ein vorsichtiger Blick über Mauern gewagt werden. Gefeuert wird mit R1, während mit R2 Granaten geworfen werden und sich Sev per L1 samt Gewehrkolben in den Nahkampf stürzt.

Auch von der Bewegungssteuerung des Sixaxis-Controllers wird hin und wieder Gebrauch gemacht. So gilt es etwa beim Anbringen von Sprengladungen diese durch Drehbewegungen zu aktivieren oder Tore manuell zu öffnen.

Das Missionsdesign unterscheidet sich hingegen kaum von anderer Shooter-Kost. In regelmäßigen Abständen gilt es Plätze zu sichern, zu erobern oder zu verteidigen sowie mit Hilfe von explosivem Sprenggut Dinge in die Luft zu jagen. Langweilig ist das aber ganz und gar nicht, den neben den einfachen Sturmsoldaten macht der Spieler immer wieder Bekanntschaft mit den äußerst hartnäckigen und schwer bewaffneten Ein-Mann-Armeen der Helghast, fliegenden Dronen oder etwa Panzern. Von Zeit zu Zeit wendet sich auch das Blatt und Sev darf auf motorisierte und großkalibrige Unterstützung zurückgreifen. Neben einem Ausflug im Panzer stehen der Besuch einer Flak, um von einem Raumschiff aus feindliche Flieger ins Visier zu nehmen, sowie ein Spaziergang mit einem Kampfroboter auf dem Programm.

Nicht minder abwechslungsreich ist die optische Gestaltung des Titels. Nach dem noch recht typischen "Melden Sie sich auf der Brücke beim Kapitän" zu Beginn des Spiels an Bord eines sterilen ISA-Raumschiffes, findet sich Sev alsbald auf dem von dreckigen und rostigen Industriekomplexen und Bauruinen geprägtem Planeten Helghan wieder. Im Anschluss an die Häuserkämpfe in der Hauptstadt Pyrrhus geht es in das an brasilianische Favelas angelehnte Dorf Suljeva, wo die Scharfschützen bereits sehnsüchtig warten, ehe es nach einem Ritt auf einem Zug tief in die Minen-artigen Raffinerien von Tharsis geht. Einige Explosionen später – zu viel sei an dieser Stelle nicht verraten – kommt es schließlich im "königlichen" Palast von Scolar Visari zum großen und erbarmungslosen Showdown. Allen Leveln gemein ist, dass sie meist mehrere Möglichkeiten bieten, vorzupreschen oder den Gegner über die Flanke in die Mangel zu nehmen.

Aber ganz gleich, wo der Spieler gerade ballert: Eine grafische Blöße gibt sich "Killzone 2" zu keiner Zeit. Sowohl gerenderte Zwischensequenzen als auch das eigentliche Spiel überzeugen durch unglaublichen Detailreichtum, famose Weitsicht, ein tolles Wechselspiel von Licht und Schatten sowie beeindruckende Partikeleffekte. Auch die Physik überzeugt: Einzelne Gebäude lassen sich gekonnt in ihre Einzelteile zerlegen, während Helghast nach einem Schuss ins Knie etwa realistisch wegknicken und dabei scheppernd ihren Helm verlieren, der dann über das Schlachtfeld kullert. Besonders hervorzuheben sind darüber hinaus neben der guten Umsetzung der Ego-Perspektive die zahlreichen gescripteten Ereignisse, die ein ungemein atmosphärisches, fast filmreifes Spielvergnügen bereiten.

Als ob das für den Spieler nicht schon schon stressig genug wäre, haben die Entwickler von Guerilla Team das Ganze noch mit einem packenden Soundtrack unterlegt. Der orchestrale Bombast passt sich wunderbar dem Geschehen auf dem Bildschirm an und lässt den Puls in spannenden Situationen zusätzlich nach oben steigen. Auch die deutschen Synchronsprecher leisten gute Arbeit, wenngleich manche Dialoge der harten Kerle ein wenig aufgesetzt wirken. Die Vorabversion hatte gerade gegen Ende des Spiels noch mit einigen Tonausfällen zu kämpfen. Die Probleme sind Sony allerdings bekannt und dürften bis zum Erscheinen der finalen Version Ende Februar behoben sein.

Hat man die Einzelspielerkampagne nach rund zwölf Stunden durchgespielt, wartet der Titel mit einem umfangreichen Mehrspieler-Part auf. Einen Coop-Modus vermisst man zwar schmerzlich, dafür dürfen auf acht Maps bis zu 32 Spieler in die "Kriegszone" ziehen. Wer zuvor mit Bots offline ausreichend trainiert hat, darf sich in den fünf dynamisch wechselnden Missionsmodi – darunter Capture the Flag, Team Deathmatch, Capture and Hold oder etwa Assassination - seine Lorbeeren verdienen und Erfahrungspunkte sammeln, um weitere Klassen, Waffen und Fähigkeiten freizuschalten und sich so nach und nach vom Rekruten zum hochdekorierten General emporzuarbeiten.

Fazit: Mit "Killzone 2" bekommen PS3-Besitzer endlich ihren lang ersehnten und für Sonys Umsatz auch dringend benötigten Exklusiv-Shooter. Technisch brillant und actionreich von der ersten bis zur letzten Minute, steht der Titel dem Xbox-Konkurrenten "Gears of War 2" in nichts nach und verzückt durch forderndes, aber stets faires Gameplay, eine Hollywood-reife Inszenierung sowie einen innovativen Multiplayer-Part.

Plattform: PS3
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 9/10

von Sebastian Räuchle

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