29.11.2008 19:31 |

Endlich daheim!

Wiener Ehepaar aus Bombay zurückgekehrt

Samstag früh ist jenes Ehepaar, das am Mittwochabend im Luxushotel "Taj Mahal" in Bombay vom Angriff der Terroristen überrascht wurde, sicher nach Wien zurückgekehrt. Einige Journalisten hatten sich am Flughafen Schwechat eingefunden, als die Maschine landete, welche die beiden Wiener zurückbringen sollte. Doch die Erwarteten kamen nicht in die Ankunftshalle. Erst später bestätigte ein Sprecher des Außenamts: "Ja, sie sind gelandet. Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut."

Vertreter des Außenministeriums hatten das Ehepaar am Freitag in Bombay noch den ganzen Tag begleitet und ihnen Hilfestellung bis zum Einchecken gegeben. Kurz nach Mitternacht wurde bestätigt, dass die beiden für den Austrian-Airlines-Flug eingecheckt hatten, der via Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) in Wien landete und gegen 6.15 Uhr aufsetzte.

Noch andere Österreicher in Bombay
Neben dem Ehepaar befinden sich offenbar noch ein bis zwei österreichische Lufthansa-Mitarbeiter in der indischen Metropole. Ein Österreicher habe sich aus Sicherheitsgründen bis Freitag im Hotel "Oberoi Trident" in seinem Zimmer eingeschlossen. Er sei keine Geisel gewesen und werde wie seine Kollegen von der Lufthansa betreut, so Außenamtssprecher Launsky-Tieffenthal. Diese kümmere sich auch um den Transport. Der Mann sei jedenfalls frei und in Sicherheit. Berichte über eine Lufthansa-Mitarbeiterin aus Österreich, die ebenfalls aus dem Luxushotel befreit wurde, wurden hingegen nicht bestätigt. Ob es sich dabei um eine zusätzliche Person oder eine Verwechslung mit dem Mann handelt, der für die deutsche Fluglinie arbeitet, war vorerst nicht klar.

Stunden der Todesangst
Das Urlauber-Ehepaar aus Wien musste Stunden der Todesangst ausstehen, als mordende Islamisten ihr Hotel stürmten. "Die Situation wird hier immer schlimmer, immer unübersichtlicher und auch immer gefährlicher", schilderte der pensionierte Wiener Goldschmied Eugen S. am Donnerstag im Ferngespräch mit der "Krone". Draußen auf den Straßen von Mumbai tobte - so der Bericht des Urlaubers - ein regelrechter Krieg. Eugen S.: "Im Minutenabstand gehen Bomben hoch. Die Terroristen haben ein Polizeiauto gekapert und rasen damit durch die Stadt. In den Hotels wüten Großbrände."

Im Zentrum der Hölle gefangen
Direkt im Zentrum dieser Hölle war Eugen S. Mittwochabend gefangen. "Wir saßen beim Abendessen in unserem Hotel, dem Taj Mahal, als es zum ersten Mal knallte. Zuerst glaubten wir an ein Feuerwerk, doch dann wurde uns der Ernst der Lage bewusst. Wir haben ein Klavier vor die Tür geschoben", erzählte der Goldschmied. Mit den anderen Gästen verschanzten sich die Österreicher im Speisesaal. Irgendwann in diesen bangen Stunden wurden die Ausländer in einer Blitzaktion von Polizisten in einen Bus eskortiert und in das Nachbarhotel gebracht. Eugen S.: "Draußen herrschte das blanke Chaos - Feuer, Verletzte, immer neue Explosionen und ratternde Gewehrsalven an allen Ecken und Enden."

Szenen wie nach dem Angriff in New York
Auch der Schauspieler und Bodybuilder Roland Kickinger aus Wien-Penzing - er dreht in Indien gerade einen Action-Film - ist zur Stunde in einem Hotel in Mumbai gefangen. Gegen drei Uhr morgens erreichte seine Mutter ein Anruf: "Der Roland hat mir nur gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll. Im Hintergrund hat man aber schon Detonationen gehört", schildert die Frau. Der österreichisch-amerikanische Doppelstaatsbürger kann die Anlage nicht mehr verlassen. Seine dramatische Schilderung: "Hier spielen sich Szenen ab wie am 11. September in New York. Ständig fallen Schüsse, alles steht in Flammen ..." 

Anschläge forderten 200 Tote und 300 Verletze
Indessen haben Elitekommandos der indischen Sicherheitskräfte am Samstag im "Taj Mahal" die letzten Angreifer der Terrorwelle getötet, die sechzig Stunden lang die Finanz- und Millionenmetropole erschüttert hat. "Das Hotel ist unter unserer Kontrolle", sagte der Chef der Elite-Einheit NSG (National Security Guard), J. K. Dutt. Nach offiziellen Angaben wurden bei den koordinierten Angriffen extremistischer Gruppen auf zehn ausgewählte Orte der Stadt mindestens 195 Menschen getötet, darunter 15 Ausländer. 295 Menschen wurden verletzt.

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