Fr, 24. November 2017

„Vertrauensverlust“

20.10.2017 21:36

„Wiener Zeitung“ feuert überraschend Chefredakteur

Medialer Paukenschlag in Wien: Der Chefredakteur der "Wiener Zeitung", Reinhard Göweil, ist am Freitagabend überraschend seiner Position enthoben worden. Über die Hintergründe der Abberufung des 58-Jährigen gab es vorerst keinerlei Informationen. Die Zeitung steht im Eigentum der Republik Österreich und untersteht dem Kanzleramt.

Die Wiener Zeitung GmbH habe sich gezwungen gesehen, Göweil "wegen eines anlassbedingten Vertrauensverlustes mit sofortiger Wirkung" von der Funktion als Chefredakteur abzuberufen und das Dienstverhältnis mit ihm zu beenden, teilte Geschäftsführer Wolfgang Riedler am Freitagabend mit. Der Schritt sei in Abstimmung mit der Eigentümerseite erfolgt und habe die Rückendeckung der Organe des Unternehmens, also des Aufsichtsrates, so Riedler weiter. Bis auf Weiteres übernehmen die stellvertretenden Chefredakteure die Leitung der Redaktion, hieß es in der Aussendung.

"Kein politischer Anlass"
Einen politischen Hintergrund - im Vorfeld einer möglichen schwarz-blauen Koalition, wie von einem User auf Twitter vermutet - habe die Abberufung nicht, wurde betont. Via Twitter teilte die Zeitung mit, dass es für die Entlassung "keinen politischen Anlass" gegeben habe, sondern sie aus zwingenden "arbeitsrechtlichen Gründen" erfolgt sei.

Göweil selbst sah dies auf Twitter anders. In Antwort auf die Feststellung der "Wiener Zeitung" schrieb Göweil: "Das bestreite ich ganz entschieden. Jeder möge sich einen Reim darauf machen." Auf Facebook sprach Göweil von einem "bloßen Vorwand" für die Abberufung. "Es wurde kein dienstlicher Vorwurf gemacht. Im kommenden Prozess wird diese Begründung wohl nachgeliefert werden müssen."

Göweil war Ende 2009, damals Wirtschaftsressortleiter bei der Tageszeitung "Kurier", als Nachfolger von Andreas Unterberger an die Redaktionsspitze der "Wiener Zeitung" gewechselt. Der Vertrag des erfahreren Journalisten wurde 2014 für fünf weitere Jahre verlängert.

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