Di, 21. November 2017

Gefahr nach Rückkehr

20.10.2017 06:05

Verfassungsschutz warnt vor Dschihadisten-Kindern

Der Chef des deutschen Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, warnt vor einer Bedrohung durch zurückkehrende Kinder aus den Einflussgebieten der Terrormiliz Islamischer Staat. "Wir sehen die Gefahr, dass Kinder von Dschihadisten islamistisch sozialisiert und entsprechend indoktriniert aus den Kampfgebieten nach Deutschland zurückkehren", sagte Maaßen am Donnerstag.

"Damit könnte auch hier eine neue Dschihadisten-Generation herangezogen werden", warnte der Verfassungsschützer. Dieses Risiko müsse die Gesellschaft sehr genau im Blick haben. Der Nachrichtendienst erinnerte daran, dass drei der fünf Anschläge in Deutschland 2016 von Minderjährigen verübt wurden. Darüber hinaus scheiterte ein Zwölfjähriger mit Versuchen, einen Bombenanschlag auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu verüben.

"Kleinkinder als Täter für Hinrichtungsszenen missbraucht"
Kinder und Jugendliche sind laut Verfassungsschutz fester Teil der IS-Propaganda und werden durch die Rekrutierer der Terrormiliz zielgerichtet angesprochen. Es komme sogar vor, dass Kleinkinder als Täter für Hinrichtungsszenen in IS-Videos missbraucht würden. "In der IS-Propaganda stehen Kinder für eine neue Generation von IS-Kämpfern, die als skrupellos und brutal dargestellt werden", sagte Maaßen.

Kinder durch Gewalterfahrungen schon radikalisiert
Der IS hatte zuletzt herbe Gebietsverluste in Syrien und im Irak hinnehmen müssen. Die Verfassungsschützer rechnen damit, dass aufgrund der Lage dort IS-Frauen mit ihren Kindern zurückkommen könnten. Gerade ältere Kinder seien durch den IS schon radikalisiert und in Syrien und im Irak alltäglichen Gewalterfahrungen ausgesetzt gewesen. Diese Sozialisation könne durch den Einfluss salafistischer Milieus in Deutschland noch verstärkt werden.

950 Islamisten hatten Deutschland verlassen
Nach Angaben des Inlandsgeheimdienstes sind insgesamt mehr als 950 Islamisten aus Deutschland in Richtung Syrien und Irak ausgereist, 20 Prozent von ihnen seien Frauen. Bei fünf Prozent der Ausgereisten handle es sich um Minderjährige. Rund ein Drittel der Islamisten sei inzwischen wieder nach Deutschland zurückkehrt, unter ihnen bisher auffällig wenige Frauen.

Mehr als 10.000 Salafisten in Deutschland
Die Zahl der gewaltbereiten Islamisten in Deutschland liege bei 1870. Außerdem gehen die Verfassungsschützer derzeit von 10.300 Salafisten in Deutschland aus. Salafisten sind Anhänger einer fundamentalistischen Strömung des Islam, die einen mit der westlichen Demokratie unvereinbaren Gottesstaat anstreben. Die Sicherheitsbehörden sehen das von Salafisten verbreitete Gedankengut als Nährboden für eine islamistische Radikalisierung, die Anhänger zu Terroranschlägen oder zum Kampf für den IS in Syrien bewegen kann.

 krone.at
Redaktion
krone.at
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden