Sa, 21. April 2018

PISA-Sonderauswertung

19.03.2018 13:07

Schlechte Bilanz für Migranten an unseren Schulen

Migrantenkinder an Österreichs Schulen sind im internationalen Vergleich eher leistungsschwach und weniger motiviert, fühlen sich aber sozial gut integriert. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Sonderauswertung der PISA-Studie. Für die PISA-Studie 2015 wurden weltweit mehr als eine halbe Million 15- und 16-jährige Schüler in 72 Ländern in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet, in Österreich waren es rund 8000. Sie mussten außerdem Fragebögen zu Themen wie Lernmotivation oder sozialen Faktoren beantworten.

Für ihre Sonderauswertung hat die OECD nun die Daten für Migranten eigens verglichen. Demnach sind Migrantenkinder in Österreich vergleichsweise leistungsschwach: Der Anteil jener Jugendlicher mit ausländischen Wurzeln, die in allen drei Testgebieten mindestens grundlegende Kenntnisse aufweisen (Level 2 von insgesamt 6), liegt hierzulande bei 47 Prozent und damit signifikant unter dem OECD- wie auch dem EU-Schnitt (54 bzw. 55 Prozent). Zum Vergleich: In Kanada beträgt er 82, in der Schweiz und den USA 58, in Deutschland 57 Prozent.

Motivationsprobleme für Schüler mit und ohne Migrationshintergrund
Im OECD-Vergleich schwach ausgeprägt ist auch die Leistungsmotivation der Schüler mit Migrationshintergrund in Österreich: Insgesamt zählen 57 Prozent zur Gruppe der „Motivierten“ - im OECD-Schnitt sind es 70, EU-weit 66 Prozent. Besonders hoch ist die Motivation der Migranten in den angloamerikanischen Ländern mit Werten jeweils weit über 80 Prozent. Die migrantischen Schüler in Österreich könnten sich damit zwar ein Vorbild an ihren Kollegen in anderen Ländern nehmen, nicht aber an den „Einheimischen“ in Österreich: Deren Motivation liegt nämlich noch niedriger (43 Prozent).

Positiv sticht Österreich bei sozialen Faktoren hervor: Demnach gaben 67 Prozent der Migranten an, sich in der Schule zugehörig zu fühlen (OECD-Schnitt: 60 Prozent, EU-Schnitt: 58 Prozent). Tendenziell über dem Schnitt liegt auch die Lebenszufriedenheit: In Österreich bewerteten 70 Prozent der Schüler mit ausländischen Wurzeln ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn mit mindestens sieben (OECD: 67 Prozent, EU: 69 Prozent). Außerdem leiden Migranten an den österreichischen Schulen etwas seltener unter schulischen Versagensängsten als im OECD-Schnitt.

Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund ist in Österreich zwischen 2003 und 2015 um zwölf Prozentpunkte gewachsen - im OECD-Schnitt waren es nur sechs Prozentpunkte (Deutschland: sieben Prozentpunkte). Außerdem gehört Österreich zu jenen Ländern, in denen die Unterschiede im sozioökonomischen Status zwischen Einheimischen und Zuwanderern wesentlich größer sind als im OECD-Schnitt.

 krone.at
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