Das freie Wort

Hilferuf der Mütter

Besorgniserregend ist in Österreich die Situation für Mütter geworden. Immer mehr Mütter rutschen in die Schulden- und somit in die Armutsfalle. Wovon soll eine Familie leben? Von dem Geld, das eine Mutter in der Karenz bekommt? Wohl eher nicht. Nicht jede Familie hat das Glück, dass ein Elternteil so viel verdient, dass man ohne Probleme 22 Monate (die längste Variante) in Karenz gehen kann; mit einem Tagessatz von gerade mal 16,87 ¤. Von dem bisschen Geld muss man ein bzw. zwei – wie in meinem Fall mit Zwillingen – versorgen, sich selbst und den Partner. Doch leider ist diese Variante der Karenz unleistbar geworden mit diesen Miet-, Strom- und Lebensmittelpreisen. Also entscheiden sich viele Mütter für die einjährige Karenz, die gehaltsbezogen ist. Mit diesem Geld und Kinderbeihilfe kommt man mit Unterstützung vom Partner gerade so über die Runden. Als Verlängerung wählen dann viele Mütter die Bildungskarenz im Anschluss an die Babykarenz, um das Kind bzw. die Kinder nicht schon mit einem Jahr in Fremdbetreuung geben zu müssen. Und nun werden den Müttern schon wieder Steine in den Weg gelegt. Das AMS genehmigt Kurse von Institutionen, um diese kurz darauf wieder abzulehnen, das bisherig ausbezahlte Bildungsgeld muss von den Müttern zurückbezahlt werden. Mütter müssen sich Kredite aufnehmen und hoch verschulden, damit sie das Geld an das AMS zurückzahlen können. Das kann es doch nicht sein? Wieso wird das Geld nicht vom Institut zurückverlangt, das hat ja nicht der Norm des AMS entsprochen? Wieso kann man die Mütter nicht einfach informieren, dass die Kurse gewisser Institutionen nicht ihrer Norm entsprechen und man sich einen anderen Kurs suchen soll? Wieso kann man eine bereits laufende Bildungskarenz nicht einfach belassen und die neuen Richtlinien gelten nur bei den neu Angemeldeten? Wieso kann das AMS machen wie es will und wird von keinem aufgehalten? Wieso wird es Müttern schon wieder so schwer gemacht? Haben wir Frauen nicht schon genug zu kämpfen, um einen halbwegs guten Job zu finden, von dem man leben kann? Sind wir Frauen nicht schon genug altersarmutsgefährdet wegen der schlecht bezahlten Jobs, der Karenz und die Teilzeitarbeit danach, bis man wieder Vollzeit arbeiten kann und dadurch mal eine Mindestpension erhält? Kommt jetzt auch noch die Karenzarmut dazu? Es muss dringend mehr über dieses Thema berichtet werden. Es kann nicht sein, dass schon wieder Frauen darunter leiden müssen, weil neue Vorschriften gemacht werden bzw. weil gespart werden muss. Es herrscht dringender Handlungsbedarf im Karenzsystem, das schon sehr veraltet ist. Und es ist nicht die Lösung, dass die Väter in Karenz gehen, denn das können sich noch weniger Familien leisten, da die Väter meist um einiges mehr als die Mütter verdienen. Es geht hier nicht nur um die Zukunft der Frauen, sondern auch deren Familie, deren Kinder und die Zukunft Österreichs. Denn was wird passieren, wenn es sich niemand mehr leisten kann, Kinder zu bekommen?

Catharina Brunauer, per E-Mail

Erschienen am Mi, 24.7.2024

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