Das freie Wort

Fahrermangel – wer ist schuld?

Zugegeben spüre ich als ehemaliger Fahrer und nun in Rente vielleicht eine Genugtuung über den Umstand, dass selbst in Österreich Tausende Lkw-Fahrer fehlen. Dabei gibt es jede Menge Gründe, wieso dem so ist. Da wäre wohl als Erstes zu erwähnen, dass der KV-Lohn für Fahrer jetzt noch bei lächerlichen 9,80¤ liegt und bei den Kosten eines Führerscheins dieser Klassen (etwa 6000 ¤) sehr wenig Anreiz besteht, diesen Job auszuüben. Doch das ist bei Weitem nicht der einzige Grund. Da kommt noch dazu, dass man als Lkw-Fahrer der Willkür von Absender, Empfänger und Disponent ausgesetzt ist. So nebenbei; aus meiner Erfahrung heraus wird man geschätzt von 80% der Unternehmer mit allen Mitteln bei der Lohnabrechnung noch betrogen; das alles bei dem eh schon kriminell niedrigen KV-Lohn. Das Schäbige daran ist, dass man als Betrogener von der AK, immerhin durch eine Zwangsabgabe der Arbeiter finanziert, keinerlei Hilfe erwarten kann. Nur zum Drüberstreuen wird man oft genug von übereifrigen Polizisten auf der Straße schon wegen Bagatelldelikten mit einer Anzeige belegt, die einem die Geringschätzung dieses Berufs vor Augen führt. Ein Hohn, dass die Wirtschaftskammer das auch noch bewirbt! Interessant bleibt die Entwicklung in England nach dem Brexit, wo jetzt nach der Heimkehr Hunderttausender billiger Arbeitskräfte aus den östlichen EU-Ländern das entstandene Vakuum von 100.000 Lkw-Lenkern durch eigene Kräfte aufgefüllt werden muss, um die Versorgung zu gewährleisten. Das trägt auch zu dem positiven Effekt bei, dass die Löhne für Fahrer steigen, was auch bei uns wünschenswert wäre, aber im Gegensatz zu England durch den Zuzug aus dem Osten verhindert wird.

Harald Eitzinger sen., Aurolzmünster

Erschienen am Mi, 22.9.2021

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