Das freie Wort

Das Interview

Die Welt steht (beinahe) still und hört (milliardenfach) zu, wenn Meghan und Harry ein Interview geben. Was wir Normalbürger von Meghan und Harry gelernt haben: Das Glück ist – auch im britischen Königshaus, trotz der vielen Millionen – ein Vogerl. Verpflichtungen rund um die Uhr können sehr überfordernd sein. Selbstmordgedanken finden im englischen Königshaus noch immer keine Beachtung und schon gar kein Mitgefühl. Wörter, die mit „Psyche“ beginnen, haben seit unendlichen Zeiten einen extrem krankhaften, angedichteten Beigeschmack. Durchhalten und hart werden, statt sich helfen zu lassen, scheint auch im Königshaus die Maxime zu sein. Dass man sich sogar über die Hautfarbe des Nicht-Thronfolgers im Palast offiziell Sorgen machte, ließ Meghan verzweifeln. Die Geschichte von Harrys Mutter darf sich nicht wiederholen, war die Botschaft von Harry. Die englische Boulevardpresse, die von erfundenen und tatsächlichen Skandalen lebt, sind Harrys Albtraum. Angst, Schamgefühle, Verzweiflung und Unsicherheit scheinen Harry und Meghan zu ihrem Weggang bewogen zu haben. „Sich ständig in Bestform zu präsentieren“ scheint ein überfordernder Anspruch des „Palasts“ zu sein. Fürs persönliche Glück hat der Palast keinen Geldhahn. Das Traumpaar kann nun zeigen, wie es sich in Unabhängigkeit und Selbstverantwortung, mit viel Arbeit leben lässt. Von der Liebe allein konnte noch niemand leben. Gewonnen hat Oprah, und bereichert hat sich vor allem CBS. Der Palast ist „under fire“! Es lebe die Queen – sie ist (nicht) betroffen. Und wer ist schon der Palast? God Save The Queen!

Egon Hofer, Maria Saal

Erschienen am Mi, 10.3.2021

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