Das freie Wort

Lebensnotwendige Almen

Die Almwirtschaft ist derzeit enormen Belastungen ausgesetzt. Eine deutsche Boulevardzeitung formulierte, in Österreich sind die sogenannten „Killerkühe“ auf den Almen unterwegs. Solche negativen Schlagzeilen waren sicherlich nicht förderlich. Der Wolf riss in regelmäßigen Abständen Schafe, und das ist für die Schafbauern existenzbedrohend. Der österreichische Alpenverein ist aufgrund der Anzahl von Hütten einer der größten Beherbergungsbetriebe. Der internationale Alpentourismus brach völlig ein, aber der einheimische Gast machte den Verlust zwar nicht ganz wett, aber die Beherbergung in den Hütten kam mit einem blauen Auge davon. Eines muss allen klar sein, ohne Almen und Hütten wäre der Tourismus noch ärger eingebrochen. Der Städtetourismus steht am Rande des Konkurses. Ein Vorteil der Corona-Krise: Der Einheimische entdeckt die Vorzüge seiner Heimat. Statt nach Indien fuhren wir ins Defereggental, das nennt man die Entdeckung der anderen Art. Mit dem E-Bike auf diversen Almen, wie Troieralm, Bloshütte, Speikbodenhütte und andere statt Ayurveda-Kur und Kovalam-Beach. Mein Spruch: Defereggen ist ein Königreich, und rundherum liegt Österreich. Die Natur, die Menschen, das Essen und die Geselligkeit, die Vorzüge eines Urlaubes am Land, am Bauernhof oder auf einer Almhütte, das klingt weltmeisterlich. Die Wissenschaft kann die Dauer der Corona-Krise nicht festlegen, aber als königlicher Ersatz ein Österreichurlaub, das hat schon was. Wenn die Almen geschlossen sind, beginnt die Vorbereitung auf den Wintertourismus. Ein Wintertourismus mit Reisewarnungen ist mit einem Begräbnis erster Klasse zu vergleichen. Das Nichtaufsperren von Seilbahnen ist mit einem langsamen Sterben des Wintertourismus zu vergleichen. Das Umschalten von Massentourismus auf Qualitätstourismus ohne Gäste ist das Gleiche wie ein Fisch ohne Wasser.

Ing. Hans Kuba, Innsbruck

Erschienen am Di, 13.10.2020

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