Das freie Wort

Warum wir ein gemeinsames Europa brauchen!

Der Brexit hat einige grundlegende Ursachen. Erstens konnten die liberalen Eliten vielen Menschen nicht erklären, warum wir ein gemeinsames Europa brauchen. Zweitens haben es die liberalen Eliten versäumt, ein gemeinsames Europa zu schaffen, von dem alle gleichermaßen profitieren, somit gibt es viele, die sich abgehängt fühlen bzw. auch abgehängt sind. Beides wurde von Rechtspopulisten und Nationalisten beinhart ausgenützt, um an die chauvinistischen Gefühle der Massen zu appellieren, um ihnen gleichzeitig Schuldige für ihr Dasein zu liefern – die EU und die Migranten. Sie haben eine Geschichte erzählt, die für viele Menschen schlüssiger als die der liberalen Eliten klingt, wobei es vollkommen egal ist, wie viel Wahrheit in dieser Geschichte auch immer steckt. Und der Brexit ist nicht der Anfang. Die Gräben würden immer tiefer, die liberalen Eliten immer hilfloser. Faktisch ist diese Geschichte natürlich nicht zu halten. Ohne die EU hätten alle verloren und zwar in einem Ausmaß, das sich viele nicht vorstellen können. Auch die, die sich jetzt abgehängt fühlen, haben von der EU profitiert. Es ist nicht mehr möglich, sich den komplexen Zusammenhängen der gesellschaftlichen und ökonomischen Natur einfach zu entziehen. Der nationale Alleingang hätte zu massiven ökonomischen Problemen geführt, die gerade Österreich als Exportland und Land der mittelständischen Unternehmen hart getroffen hätte. Gerade Österreich profitiert massiv direkt und indirekt von der Europäischen Union. Jeglicher Alleingang würde unsere Ökonomie und dadurch unsere Gesellschaft massiv erschüttern. Das Sozialsystem wäre so nicht mehr zu erhalten, und gerade die, die nicht in dem Maße von der EU profitieren, wie man sich das wünschen würde, würden noch stärker verlieren. Die, die bereits jetzt von der EU profitieren, die liberale, mobile, globalisierte Schicht, könnten sich wesentlich besser an solche Gegebenheiten anpassen. Das ist ein Paradox an der Diskussion rund um die EU, dass gerade die, die am meisten bei einem Austritt verlieren, am massivsten dafür eintreten. Natürlich ist die EU alles andere als perfekt. Die europäische Integration ist noch lange nicht dort, wo sie bereits sein sollte, und es gibt viel zu viele Menschen, die nicht in dem Maße profitieren, wie es eigentlich sein sollte. Aber eines ist klar: Ohne eine starke Gemeinschaft werden die Herausforderungen der Zukunft, ob sie nun gesellschaftlicher, sozialer, ökonomischer oder ökologischer Natur sein sein sollten, nicht zu lösen sein. Das muss uns allen klar sein.

Andreas Laszakovits, per E-Mail

Erschienen am Mo, 3.2.2020

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