08.01.2008 15:15 |

Krebstherapie

Hightech-Wirkstoffe wirken nur in kranker Zelle

Ein wichtiger Schritt in Richtung maßgeschneiderte Krebstherapie ist einem Forscherteam der Universität Jena in Deutschland gelungen. Die Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Medikamente künftig zielgenau in den Krebszellen aktiviert werden können. Mit einer solchen Therapie wären auch die häufig unangenehmen Nebenwirkungen praktisch ausgeschlossen. Das Team unter Leitung des Biologen Tobias Pöhlmann vom Plazenta-Labor der Abteilung für Geburtshilfe des Universitätsklinikums Jena hat die bisherigen Erkenntnisse bereits zum Patent angemeldet.

"Die Idee ist im Grunde ganz einfach: Ein Medikament gelangt per einer Spritze in den Körper und wandert anschließend in genau die Körperzellen, in denen es wirken soll", erklärt Pöhlmann gegenüber pressetext. Auf diese Weise könnten etwa aggressive Wirkstoffe gegen Tumore verabreicht werden, die gezielt Krebszellen abtöten, anderen Körperzellen aber keinen Schaden zufügen, führt der Experte aus. Die Überlegung, ein solches System zu entwickeln, sei allerdings nicht neu.

RNA-Moleküle Schlüssel zum Erfolg
Die deutschen Forscher sind aber dieser Idee einen Schritt näher gekommen. "Mit unserem Verfahren kann jede beliebige Art von Körperzelle zielgenau angesteuert und ihr Stoffwechsel beeinflusst werden." Der Trick dabei ist, dass die verabreichten Substanzen zwar unspezifisch in jede Zelle wandern, aber nur in ganz bestimmten Zellen aktiviert werden und nur dort ihre Wirkung entfalten. Dazu nutzen die Forscher sogenannte "small interfering RNA"-Moleküle. Diese "siRNA-Moleküle" sind kleine, interferierende Ribonukleinsäuren. Diese werden dazu verwendet, bestimmte Gene "zum Schweigen zu bringen". "Die Forscher nennen dies RNA-Silencing", erklärt der Wissenschaftler.

"Die siRNA-Moleküle sind die Hoffnungsträger der neuen Medizin", erklärt Pöhlmann. "Sie wären prinzipiell gut geeignet, Tumorzellen abzutöten, indem man mit ihrer Hilfe einfach überlebenswichtige Gene in den Krebszellen ausschaltet." Das Problem dabei ist, dass herkömmliche siRNA-Moleküle aber nicht nur spezifisch in den Tumor, sondern prinzipiell auch in jeder anderen Körperzelle wirken. Der Ansatz der Jenaer Wissenschaftler geht allerdings in eine etwas andere Richtung: "Uns ist es gelungen, Peptide an die siRNA-Moleküle zu koppeln, die deren Wirkung verhindert. Nur in Zielzellen, beispielsweise Tumorzellen, können diese Peptide von der siRNA abgespalten werden und entfalten ihre Wirkung. Man könne dies mit einem Schloss vergleichen, dessen "Schlüssel" sich nur in den gewünschten Zielzellen befinde. "Ganz konkret umfasst dieser Schlüsselbund bis zu vier verschiedene Schlüssel", erläutert der Forscher. Damit sollte die siRNA also nur in den gewünschten Zellen aktiviert werden.

Entwicklung zur Marktreife dauert noch
Von einer Anwendung in der Humanmedizin sind die Forscher allerdings noch ein großes Stück entfernt. "In Zukunft ist es denkbar, dass ein Screening des Tumors auch genau Aufschluss darüber geben kann, welche Peptide in der Behandlung als Schloss für die siRNA in Frage kommen könnten", so der Forscher. "Wir wollen diese "intelligenten siRNA-Moleküle" bis zur Marktreife weiterentwickeln." Dazu suchen die Forscher weiter nach Investoren und Sponsoren. (pte)

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