Sa, 20. Oktober 2018

"Genauer als Kugel"

23.07.2017 15:13

Diese US-Laserkanone ist mächtiger Hightech-Killer

In den Gewässern des Persischen Golfs wartet das LaWS (Laser Weapon System) der US-Marine, die weltweit erste aktive Laserwaffe, auf seinen Einsatz. Es handelt sich dabei keineswegs um Science-Fiction oder eine experimentelle Waffe im Entwicklungsstadium. Vielmehr ist die Laserkanone an Bord des Kriegsschiffs "USS Ponce" jederzeit bereit, gegen Ziele zu Boden, zu Wasser oder auch zu Luft abgefeuert zu werden. Der Nachrichtensender CNN durfte das Hightech-Waffensystem vor Kurzem aus nächster Nähe in Augenschein nehmen.

Bereits Ende 2014 hatte die US-Marine im Persischen Golf das Laserwaffensystem erfolgreich getestet. Videoaufnahmen der Tests zeigten, wie die Laserkanone kleine Boote zerstören und Drohnen in Sekundenschnelle vom Himmel holen kann.

Im Video: US-Marine testet Laserwaffensystem im Persischen Golf

LaWS wurde auf dem Kriegsschiff "USS Ponce" montiert und übertraf bei den Tests die Erwartungen der Navy. Die vorgegebenen Ziele seien "mit nahezu sofortiger Letalität erfasst und zerstört" worden, erklärte Admiral Matthew L. Klunder, der Chef der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der US-Marine. Fazit: LaWS sei mächtig, kostengünstig und werde künftig eine wichtige Rolle in der US-Marine spielen.

"Genauer als eine Kugel"
Knapp drei Jahre später versieht die Laserkanone an Bord der "USS Ponce" im Persischen Golf zur Zufriedenheit der US-Marine ihren regulären Dienst, wovon sich CNN-Journalisten überzeugen konnten. "Es ist genauer als eine Kugel", lobte Kapitän Christopher Wells gegenüber dem Sender das Hightech-Waffensystem. Es sei kein "Nischenwaffensysten" wie einige andere Waffen des US-Militärs, die nur gut gegen Luftkontakte oder Bodenziele sind, betonte der erfahrene Marine-Offizier. LaWS sei eine "vielseitige Waffe, die gegen eine Vielzahl von Zielen verwendet werden kann", so Wells.

Bedient wird die Laserkanone von einem Operator, der mit einer Art Videospiel-Controller die Kanone steuert, das Ziel anvisiert und abschießt. Der entscheidende Vorteil gegenüber jeder anderen Waffe, die jemals erfunden wurde: Der abgefeuerte Laserstrahl der Kanone bewegt sich definitionsgemäß mit Lichtgeschwindigkeit - was der 50.000-fachen Geschwindigkeit einer Interkontinentalrakete entspricht.

Die Laserwaffe funktioniert nach Angaben der US-Marine sogar bei schlechten Wetterbedingungen - etwa starken Winden, Hitze oder Feuchtigkeit. "Wir machen uns keine Sorgen um den Wind, wir machen uns keine Sorgen um die Reichweite, wir machen uns keine Sorgen um irgendetwas anderes. Wir können die Ziele mit der Geschwindigkeit des Lichts angreifen", ist Leutnant Cale Hughes, diensthabender LaWS-Offizier, von der Schlagkräftigkeit des Systems überzeugt.

Laser zündet Boote an und schießt Drohnen ab
Man habe sich selbst ein Bild von der Geschwindigkeit und Macht der Laserkanone machen können, so die CNN-Journalisten an Bord der "USS Ponce". Beschossen wurde etwa sich schnell an dem Kriegsschiff vorbeibewegende Patrouillenboote oder eine Aufklärungsdrohne. Drohnen und Schnellboote wurden auch deshalb als Ziel gewählt, weil man bei der US-Marine um die zunehmende Nutzung solcher Vehikel durch Terroristen, aber auch durch Länder wie den Iran, Nordkorea, China oder Russland weiß.

Der Abschuss erfolgt still und unsichtbar. "Es funktioniert in einem unsichtbaren Teil des elektromagnetischen Spektrums, sodass Sie den Strahl nicht sehen, es macht keinen Ton, es ist ganz still und es ist unglaublich effektiv", so Hughes. Es sei dabei laut Marine auch bemerkenswert präzise, um Kollateralschäden im Krieg zu begrenzen. "Es reduziert Kollateralschäden - ich muss mich nicht mehr um Runden kümmern, die über das Ziel hinausgehen und möglicherweise Dinge verletzen oder beschädigen können, die ich nicht verletzen oder beschädigen will", streicht der Offizier die Vorteile der Laserkanone hervor.

Großer Stromhunger, geringe Betriebskosten
Alles, was das 40 Millionen Dollar (rund 34 Millionen Euro) teure System zum Betrieb benötigt, ist eine ausreichende Stromversorgung. Diese erfolgt an Bord der "USS Ponce" mittels eines eigenen kleinen Generators, der von einer Dreier-Mannschaft gewartet und instand gehalten wird - keine zusätzlichen Millionen-Dollar-Raketen, keine Munition notwendig. Die Kosten pro Schuss? "Es geht um einen Dollar", so Hughes.

Während einem Einsatz von LaWS auf US-Kriegsschiffen im größeren Stil nichts im Wege steht, bleibt die Verwendung auch auf Land- oder Luftfahrzeugen angesichts des Stromhungers der Laserkanone fraglich. Während dieser von den Maschinen eines mehr als 170 Meter langen Kriegsschiffs wie der "USS Ponce" problemlos gestillt werden kann, dürfte er Landfahrzeuge oder Flugzeuge vor Herausforderungen stellen.

Nächstes Entwicklungsziel: Abschuss von Raketen
Da man mit den Ergebnissen des LaWS-Betriebs der vergangenen drei Jahre sehr zufrieden ist, arbeitet die US-Marine bereits an leistungsfähigeren Lasersystemen der zweiten Generation. Diese sollen dann bedeutendere Ziele in ihr Fadenkreuz nehmen: Raketen. Auch wenn diese Mission vorerst klassifiziert bleibt - Kommandant und die Besatzung der "USS Ponce" sind sich der möglichen Fähigkeiten sehr bewusst. Als Wells von CNN gefragt wurde, ob das aktuelle LaWS eine Rakete abschießen könnte, sagte er einfach "vielleicht" und lächelte.

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