Di, 26. März 2019
23.03.2017 14:03

Anwalt Robert Tibbo

Ein scharfsinniger Plan

Ins Staunen kamen am Mittwoch Nachmittag mehr als 200 Studierende des MCI Innsbruck. Der Grund dafür war Robert Tibbo, ein Anwalt von Edward Snowden. Er hat den Aufdecker 2013 bei zwei Flüchtlingsfamilien in Hongkong bestens versteckt.

Als der Kanadier, der seit Jahren in Hongkong lebt und arbeitet, die brechend volle Aula betrat, herrschte von einer Sekunde auf die nächste Stille unter den Studenten. Jeder Schritt und jede Bewegung des Menschenrechtsanwaltes wurde genau beobachtet. Und als Robert Tibbo anfing, seine unfassbare Geschichte zu erzählen, hingen ihm die Anwesenden regelrecht an den Lippen.

Er fand Unterschlupf bei Flüchtlingen in Hongkong

Alles Begann am 5. Juni 2013: Edward Snowden, ehemals Geheimdienst-Insider, enthüllte vor mehreren Journalisten in einem Hotelzimmer in Hongkong das weltweite Überwachungssystem der amerikanischen und befreundeten Geheimdienste. Die Story ging um die Welt, Snowden musste unverzüglich aus der Schusslinie gebracht werden. "Er hat mich engagiert und legte somit sein Leben in meine Hände", sagte Tibbo. Bevor er den Skandalaufdecker heimlich nach Russland bringen ließ, kontaktierte der Anwalt zwei verarmte Flüchtlingsfamilien in Hongkong, die zugleich seine Mandanten sind. "Flüchtlinge sind hier eine extrem ausgegrenzte Gruppe, die nur sehr wenige Rechte genießt. Meine Mandanten haben sehr schnell verstanden, dass dieser Fall ein besonders schwerwiegender ist. Sie waren trotzdem bereit, Edward bei sich aufzunehmen und sind somit wahre Helden", ergänzte Tibbo.

Von Reue keine Spur

Vanessa Mae Rodel von den Philippinen ist eine von diesen Asylwerbern, die während des Vortrages via Skype live zugeschaltet war. "Wir überließen ihm ein eigenes Zimmer, damit er ungestört sein konnte. Und er liebte es, Süßes und Kuchen zu essen", erzählte sie. Hat es der erfahrene Menschenrechtsanwalt - der sich in den vergangenen Jahren immer wieder um sein Leben gesorgt hat - bereut, Snowden zu unterstützen? "Nein, und zwar bis zum heutigen Tag nicht. Denn er hat zweifellos einen großartigen Beitrag für die Gesellschaft geleistet", stellte er unmissverständlich klar.

"Edward will nun seinen Schutzengeln helfen"

Und wie geht es dem Aufdecker derzeit? "Es geht ihm gut. Sein Status in Russland ist für die nächsten drei Jahre gesichert", erklärte Tibbo. Zudem ist er aktiv. "Vor kurzem hat Edward eine Stiftung gegründet, um die Asylwerber zu unterstützen, die seine Schutzengel waren", schilderte der Anwalt und fügte hinzu: "Für sie ist das Leben in Hongkong zu gefährlich geworden und daher haben sie nun Asyl in Kanada beantragt." Das sei nämlich das einzige Land der Welt, in dem man einen Asylantrag stellen kann, ohne selbst vor Ort zu sein.

Von Rückkehr nach Amerika ist keine Rede

Eine Rückkehr nach Amerika ist für Snowden nach wir vor nicht denkbar. "Einen Prozess dort kann er nicht riskieren", sagte Tibbo.

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

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